nach oben
Die Templerprozesse

Wappen der Templer

"Non nobis Domine, Domine non nobis, Domine, sed nomini, sed nomini tuo da gloriam."

AMEN

"Nicht uns, Herr, Herr nicht uns, Herr, sondern dem Namen, deinem Namen gib Ruhm."

AMEN

Die Templerprozesse

Templerprozesse

Die verhafteten Templer verhörte man, wobei auch — zeitüblich — die Folter Anwendung fand. Den Templerittern wurde vorgeworfen, sie würden von Neumitgliedern verlangen, bei ihrer Aufnahme in den Orden das Kreuz zu bespucken und hätten einen Teufel namens Baphomet verehrt. Vor einem bärtigen Männerkopf habe man sich zu Boden werfen müssen und von dem okkulte Kräfte verliehen bekommen. Weiter habe man Zeugen beseitigt, Kinder ermordet, Frauen zur Abtreibung veranlaßt, sich homosexuellen Handlungen hingegeben und Christus verleugnet.
Im Protokoll zum Verhör des Huguet de Bure vom 24. April 1310 heißt es zum angeblichen Aufnahmeritual, „er habe sich bis auf Hemd und Hose ausziehen müssen, dann den Zeugen seiner Aufnahme geküßt, ,erstens auf den Mund, zweitens auf den Nabel, drittens auf das Rückgrat, oberhalb der Stelle, wo der Gürtel getragen wird, und er sagte, der gleiche Bruder P. habe demselben Zeugen die Kleider vorn und hinten emporgehoben, als er ihn, wie gesagt, auf den Nabel und auf das Rückgrat geküßt habe’.

Anschließend sei er veranlaßt worden, ein hergebrachtes Kreuz zu bespucken, es mit den Füßen zu treten und dreimal Jesus mit den Worten ,ich widersage Gott’ abzuschwören.” (DAXELMüLLER, 146f.) Es sei auch ein Haupt herbeigeholt worden, das man in der Kapelle, wo das Aufnahmeritual stattfand, in einem Schrank verwahrt hab und vor ihm auf den Altar stellte. Um dieses Haupt habe man eine Schnur gelegt und sie dann dem Huguet de Bure zum Tragen als Gürtel übergeben, was der allerdings nicht befolgt habe. (ZACHARIAS, 101)
Aufgrund der erfolterten Geständnisse erreichte König Philipp IV. von Frankreich im Jahre 1312 die päpstliche Aufhebung des Ordens — allerdings ohne daß der Heilige Stuhl je auf Schuld oder Unschuld des Ordens erkannt hätte. Am 18. März 1314 — nach siebenjähriger Gefangenschaft! — wurden der Großmeister Jaques de Molay und Geoffroi de Charnay, der Großpräzeptor der Normandie, lebendigen Leibes verbrannt.
Inwieweit die Aussagen des Templerprozesses tatsächliche Begebenheiten wiedergeben und auf satanische Praktiken hindeuten, ist nicht sicher zu klären. Als eine extreme Ansicht wertete G. ZACHARIAS die Meinung, die Protokolle ließen erkennen, die Templer hätten eine katharisch-dualistische Lehre vertreten und seien als Häretiker anzusehen. Dagegen wurde, als anderes Extrem, eingewendet, bei einer doch sehr weltlich ausgerichteten Organisation wie dem Templerorden sei kaum davon auszugehen, daß der Orden wegen einer solchen Geisteshaltung seine Macht bereitwillig riskiert hätte.

Allenfalls einzelne Mitglieder hätten sich darein verstiegen und die Aufnahmerituale seien allenfalls als überspitzte Gehorsamsprüfungen anzusehen, die Aussagen allesamt wertlos. Als ein Mittelweg sei denkbar, daß die Initiationsriten in der Tat als typisch für Männerbünde gelten dürfen, als ein solcher sei der Orden durchaus anzusehen, und das der Templerorden unter dem Einfluß vorderorientalisch-islamischer Geistesströmungen Züge entwickelten, die dem kirchlichen Standpunkt widersprachen. Diese Züge könnten tatsächlich in den Rahmen eines Satanskultes eingeordnet werden. (Satanskult und Schwarze Messe, 103)

Quelle:

Soweit nicht gesondert erwähnt folgt die Darstellung weitgehend LINCOLN, BAIGENT, LEIGH, 54-69.