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Der Aufstieg des Templerordens

Wappen der Templer

"Non nobis Domine, Domine non nobis, Domine, sed nomini, sed nomini tuo da gloriam."

AMEN

"Nicht uns, Herr, Herr nicht uns, Herr, sondern dem Namen, deinem Namen gib Ruhm."

AMEN

Der Aufstieg des Templerordens

Der Aufstieg des Ordens zur Großmacht


Ihr Ruf und ihre diplomatische Unabhängigkeit brachte die Templer in einflußreiche Positionen an den Höfen Europas. In England beispielsweise nahmen sie regelmäßig an den Sitzungen des Parlaments teil und galten als Oberhaupt aller christlichen Ordensgemeinschaften. Aber nicht nur im christlichen Abendland, auch in der islamischen Welt hatten die Templer Einfluß und Kontakte. Sie unterhielten nicht nur Beziehungen zu den Führern der Sarazenen, sondern sogar mit der militanten Sekte der Assassinen.
Die Macht der Templer stieß jedoch nicht ungeteilt auf Zustimmung. Heinrich III. von England wollte 1252 Besitzungen der Templer beschlagnahmen. Vom Meister des Ordens erhielt er daraufhin die Antwort, wenn Heinrich das Recht breche, solle er nicht länger König sein, eine äußerung die für das Selbstbewußtsein, wenn nicht gar für den Hochmut der Templer spricht.

Nicht allein ihrem militärischen Potential, ihrem diplomatischen Einfluß oder ihrem Landbesitz verdankten die Templer ihre Macht. Sie waren auch Bankiers und gelten als Erfinder des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, womit sie auch den Kaufleuten wertvolle Partner wurden. Aus allen Gegenden griffen sie fortschrittliche Techniken auf und ihre Schiffe waren mit die ersten, die auf europäischen Meeren den Magnetkompaß verwendeten.
Ihre kriegerische Tätigkeit bedingte auch die Beschäftigung mit Medizin und Krankenpflege und die von den Templern unterhaltenen Spitäler galten als Beförderer medizinischen Fortschritts.

Alle diese Erfolge brachten aber auch Selbstgefälligkeit, Hochmut und Korruption mit sich und riefen Neid hervor. Eine wenig schmeichelhafte Redewendung aus jener Zeit lautet: „Saufen und fluchen wie ein Templer.” (HAUF, 239) Auch Papst Innozenz III. mußte sich mit den Vorwürfen befassen und rief die Templer 1208 zu einem christlichen Lebenswandel auf, von Geisterbeschwörung war die Rede.
Europäischer Templerherrlichkeit standen jedoch zunehmende Schwierigkeiten im Heiligen Land gegenüber. Als König Balduin IV. von Jerusalem im März 1185 gestorben war und man um dessen Nachfolge stritt, brach der Großmeister Gerhard von Ridefort seinen dem Verstorbenen geleisteten Eid und begann einen überstürzten Feldzug gegen die Sarazenen, welcher für die Ritter mit einer Katastrophe endete, als das Ritterheer im Juli 1187 bei Hattin von den Sarazenen aufgerieben wurde. Die folgenden Monate brachten den Untergang der christlichen Herrschaft. Jerusalem, seit hundert Jahren christliches Königreich, wurde von den Sarazenen erstürmt und im Mai 1291 fiel mit Akkon die letzte christliche Befestigung und mit ihr alle dort tationierten Ritter einschließlich des Großmeisters.

Zu ihrem Glück verkaufte Richard Löwenherz, Sohn des englischen Königs Heinrich II., den Templern die Insel Zypern und die Ritter machten die Insel eine Zeit zu ihrem Hauptsitz. (BAIGENT u. LEIGH, 85) Aber mit dem Fall des Heiligen Landes hatte sich die ursprüngliche Aufgabe der Templer, die Sicherung der Pilgerwege nach Jerusalem, eigentlich erledigt und die Ritter sahen sich vor die Aufgabe gestellt, ihr weiteres Dasein zu begründen und zu sichern. Dabei standen ihnen als Vorbild die Ritter des Deutschen Ordens vor Augen, der sich an den nordöstlichen Grenzen der christlichen Welt ein eigenes Staatswesen erkämpft hatte.
Als mögliches Gebiet für ihren Staat sollen sie das Languedoc ausgewählt haben, das damals noch nicht zur französischen Krone gehörte. Dieses Gebiet war ein Schwerpunkt der als Katherer oder Albigenser bezeichneten Häresie und viele Katharer sollen Mitglieder des Ordens gewesen sein, der sich übrigens im sogenannten Albigenserkreuzzug 1209 bis 1229 weitgehend neutral verhalten, wenn nicht sogar mit den Ketzern sympathisiert haben soll und angeblich etlichen von ihnen Unterschlupf gewährt habe. Im Languedoc sollen in den höheren Rängen des Ordens mehr Katharer als Katholiken gewesen sein und der Orden dort also eine sichere Basis besessen haben.

Quelle:
Soweit nicht gesondert erwähnt folgt die Darstellung weitgehend LINCOLN, BAIGENT, LEIGH, 54-69.