nach oben
Lokasenna die Zankreden Lokis

Runenstein

Lokasenna die Zankreden Lokis

Lokasenna („Lokis Zankreden“) oder Oegisdrecka („Oegirs Trinkgelage“)
ist eine Edda-Erzählung, die den Auslöser für die endgültige Feindschaft zwischen den Asen und Loki beschreibt. Die Götter und Göttinnen saßen bei einem Festmahl bei dem Meerriesen ägir. Seine Halle ist eine Friedenshalle, hier darf sich niemand an einem anderen vergreifen. Bei seinen Zankreden übertrat Loki dieses Gebot. In einer Rede verspottet Loki die Götter. Die Götter versuchen Loki zu beruhigen, doch erst als Thor droht Loki mit seinem Hammer zu erschlagen, ergreift Loki die Flucht.

  1. Bragi wird als "Bankzierde" bezeichnet und dass er nur tapfer sei wenn er sitzt, sonst nur feige und schwach sei.
  2. Idun wird als Hure beschimpft.
  3. Gefjons Liebe sei käuflich. Wer sie beschenke, der werde von ihr geliebt.
  4. Loki sieht in Odin den Schuldigen, dass er das Kriegsgeschick den Falschen gab, den Feigen.
  5. Frigg wird vorgeworfen, dass sie mit Vili und Vé gleichzeitig verkehrt habe.
  6. Freya wird beschuldigt mit allen Anwesenden gebuhlt zu haben, sogar mit ihrem Bruder.
  7. Njörd sei nicht mehr als eine Geisel des Wanenkrieges.
  8. Tyr sei minderwertig, weil er nur eine Hand hat.
  9. Freyr wird als Tor dargestellt. Wegen seiner Liebe habe er sein Schwert verschenkt.
  10. Heimdall wird als elender Wächter Asgards dargestellt. Fast rund um die Uhr muss er da stehen und wachen.
  11. Skadi wird an den Tod ihres Vaters erinnert.
  12. Sif wird Untreue gegen Thor vorgeworfen.
  13. Thor greife zu schnell zu seinem Hammer. Des Weiteren erntet Thor Spott, denn sein Herr, der Schlachtengott (Tyr/Odin) wird von einem Wolf besiegt werden.

Lokasenna - Die Zankreden Lokis

Lokasenna - Die Zankreden Lokis
Zwei Bauernsagas schildern, wie ein isländischer Gode zungenfertig seine Standesgenossen der Reihe nach durchhechelt, mehr oder weniger ehrabscheiderisch, mehr oder weniger unflätig. Derlei mag sich öfter begeben haben; die Schmährede, auch in Prosa, brachte es zu einer gewissen Kunst und Schätzung. Und nun verfiel ein guter Dichter darauf, einen solchen Hergang unter den Göttern anzuzetteln: ein Götterschwank es hier ankam, sprühende Laune und Blick für Menschenart. Der Lästerer selbst.
Loki, dieser nordischen Meister Pfriem, hatte schon die Gewissheit und Tücke des Alben, zu den Göttern stand er auf halb freundschaftlichem Fuß, ihm ließ sich auch zutrauen, dass er verbotene Liebesgunst erobert hatte. Aber so wie er in "Lokis Zankreden" dasteht, ist er unsres Dichters Kind. Auch für die übrigen sechzehn Köpfe brauchte es neben guter Mythenkenntnisse eigene Erfindung. Doch sollte der Hörer an die Wahrheit der Schelten glauben: "Sie müssen es auf sich sitzen lassen!" Bei den Göttinnen versagt freilich die Abwechslung; man erfreue sich an dem Reichtum der übergänge, dem kecken Einhaken der Antworten.

Mit dem Auftreten des polternden Thor gewinnt der Dichter eine prächtige Steigerung, zugleich einen runden Abschluss. Das Lästermaul muss vor die Tür - aber wie es noch dem Donnerer den Meister zeigt, darin frohlockt die Künstlersachlichkeit dieses Poeten: der Hörer mag nun, wie er will, Partei ergreifen.
Götter und Göttinnen saßen beim Trunke in der Halle des Meerriesen ägir; das war eine Friedensstätte,wo man sich an niemand vergreifen durfte. Nur Thor und Loki fehlten. da kam Loki gegangen und traf vor der Tür den Koch des Riesen. Er redete ihn an:

Sag mir, Eldir,
eh du einen Schritt setzest vorwärts den Fuß: was führen hier innen für älgespräche die Söhne der Sieggötter?

Eldir:
Von ihren Schwertern und von Schlachtmut reden die Söhne der Sieggötter; die Asen und Alben, die hier innen sind, sprechen alle arg von dir.

Loki:
Eintreten will ich in ägirs Halle, das Saalfest zu sehn; Hohn und Haß bring ich den hohen Göttern und mische Bosheit ins Bier.

Eldir:
Wisse, wenn du eintrittst in ägirs Halle, das Saalfest zu sehn, spritzt Gift und Geifer auf die Götter Loki, an ihm wischt man´s ab.

Loki:
Wisse, Eldir, willst im Wortstreite du dich messen mit mir, arm werd ich nicht an Antworten sein, wenn du schnell nicht schweigst.
Darauf trat Loki in die Halle ein und sprach:
Durstig komm ich zu dieser Halle gar weiten Weg, die Asen zu bitten, ob mir einer des Mets trefflichen Trank gebe.
Was verstummt ihr so, stolze Götter? Geruht zu reden doch! Sitz und Stätte gönnt im Saale mir oder weiset mich weg!

Bragi:
Sitz und Stätte werden im Saale nie die Asen dir einräumen; denn die Asen wissen, wen sie von allen Wesen zum Gelage laden sollen.

Loki:
Gedenke, Odin, daß wir in alten Tagen beide das Blut mischten! Bier genießen, wolltest du nimmermehr, wär´s nicht und beiden gebracht.

Odin:
Steh auf, Widar! Heiß des Wolfs vater sich setzen im Saal! Nie möge Loki mit Lästerung begrüßen die Asen im ägirssaal.
Da stand Widar auf und schenkte Loki Bier ein; aber ehe dieser trank, entbot er den Asen den Gruß:
Heil euch, Asen! Heil euch, Asinnen, allen gnädigen Göttern - außer dem einen Asen, der dort innen sitzt, Bragi, auf der Bank!

Bragi:
Ring und Roß aus meinen Reichtümern, ein Schwert dazu schenk ich dir; mit Unbill lohne den Asen nimmer! Reize die Rater nicht!

Loki:
Entbehren, Bragi, wirst du beides stets, Ringe wie Roß; von den Asen und Alben, die hier innen sind, bist du der feigste im Gefecht und der scheueste vorm Schuß.

Bragi:
Wissen, wär ich draußen, statt daß drinnen ich hier sitze im Saal, dein Haupt hielte in der Hand ich bald; das wär deiner Lüge Lohn.

Loki:
Auf dem Sitz bist du tapfer, doch die Tat wirst du meiden, Bragi, du Bankzierde! Komm zum Kampf, wenn so kühn du bist! Der Zaglose zaudert nicht.
ich bitte dich, Bragi, damit die Bande nicht reißen zwischen wahren und Wunschsöhnen, daß du Loki nicht mit Lästerung begrüßest in der Halle hier.

Loki:
Schweig doch, Idun! Scheinst du doch der Frauen manntollste mir, seit des Bruders Töter du mit beiden Armen, den schneeweißen, umschlangst.

Idun:
Mit Lästerworten begrüß ich Loki nicht in der Halle hier: ich besänftige Bragim den bierseligen, da ich Hader verhüten will.

Gefjon:
Warum müßt ihr Asen hier innen euch beide mit Scheltworten schmähn? Das ist Lokis Art, daß er ein Lästerer ist und die Himmlischen haßt.

L oki:
Schweig doch, Gefjon! Den Göttern erzähl ich´s, wer dich zur Liebe verlockt: Schmuck schenkte dir der schöne Knabe; mit den Schenkeln umschlangst du ihn.

Odin:
Wirr bist du, Loki, und wahnbetört, da du Gefjons Groll erweckst: denn der Welt Schicksal, mein ich, weiß sie alles ebenso wie ich.

Loki:
Schweig doch, Odin! Gar schlecht verteilst du zwischen Kriegern das Kampfeslos: gabst du doch oft, dem du nicht geben solltest, dem Feigeren Erfolg.

Odin:
Wisse, wenn ich gab, dem ich nicht geben sollte, dem Feigeren Erfolg, acht Winter warst unter der Erde du als Melkerin und Magd, da hast du Buben geboren, das dünkt mich des Argen Art.

Loki:
Doch von dir erzählt man, daß du gezaubert hast und zu Samsey Seidwerk triebst: in Zauberers Gestalt zogst du durchs Volk; das dünkt mich des Argen Art.

Frigg:
Euer einstig Schicksal ließest den anderen ihr besser verborgen sein, was vor Urzeiten ihr zwei Asen triebt - nicht soll man Altes aufrühren.

Loki:
Schweig doch, Frigg! Du bist des Fjörgynn Tochter und warst lüstern nach Liebe stets: We und Wili hast du, Widrirs Gattin, beide an die Brust gedrückt.

Frigg:
Wisse, säße mir ein Sohn im Saale ägirs auf der Bank, ein Baldergleicher, nicht kämst du hinaus von den Kindern der Asen, man böte dir Keckem Kampf.

Loki:
Du willst es, Frigg, daß ich weiter noch Hohnreden halten soll: mein Werk war´s, daß du nach Walhall reiten den Sohn nicht mehr siehst.

Freyja:
Von Sinnen bist du, Loki, da du selbst erzählst deine schlimmen Schandtaten: kund ist Frigg das künftige all, wenn sie´s auch selbst nicht sagt.

Loki:
Schweig doch, Freyja! Zuviel von dir weiß ich, kein Fehl ist dir fremd: mit den Asen und Alben hast du allen gebuhlt, die im Saal hier sind.

Freyja:
Bös ist deine Zunge; Zuviel von dir weiß ich, kein Fehl ist dir fremd: mit den Asen und Alben hast du allen gebuhlt, die im Saal hier sind.

Loki:
Schweig doch, Freyja! Eine Frevlerin bist du und mit Argem angefüllt: da beim Bruder dich ertappten die trauten Gebieter, da entwich dir wohl ein Wind.

Njörd:
Wenig macht´s, ob ein Weib einem Mann, Buhlen oder beides wählt; doch schmählich ist´s, daß der Schamlose herkam, der Bastarde gebar.

Loki:
Schweig doch, Njörd! Geschickt warst du ostwärts als Geisel fürs Götterreich; in den Mund machten dir die Mädchen Hymirs und nahmen zum Nachttopf dich.

Njörd:
Der Gewinn ward mir, da man weit mich sandte als Geisel fürs Götterreich: da zeugte ich den Sohn, ihm zürnt keiner, er ist der himmlischen Hort.

Loki:
Hör aus, Njörd! Den übermut laß! Heute verhehl ich´s nicht: mit deiner Schwester zeugtest du diesen Sohn, wie es zu erwarten war.

Tyr:
Freyr ist der hehrste aller Heldenreiter in der Rater Reich; keine Magd kränkt er noch eines Mannes Weib und befreit Gefesselte.

Loki:
Schweig doch, Tyr! Gar schlecht konntest du eines Bundes Bürde sein: deiner Hand, der rechten, muß ich hier gedenken, die dem Fenrir verfiel.

Tyr:
Die Hand misse ich, du den herrlichen Wolf, böse dünkt beides mich; nicht gut hat´s der Wolf, da der Götterdämmrung Fenrir in Fesseln harrt.

Loki:
Schweig doch, Tyr! Es geschah deinem Weib, daß sie einen Buben mir gebar; nicht Elle noch Pfennig ward für den Unglimpf dir, armer Wicht, gewährt.

Freyr:
Gefesselt liegt Fenrir an der Flußmündung, bis die Götter vergehn; nicht anders wirst du, wenn du nicht endlich schweigst, gebunden, Bosheitschmied.

Loki:
Gymirs Tochter hast du mit Gold gekauft und verschenkt dein Schwert; doch wenn Muspills Söhne über den Myrkwid reiten, hast du, Wicht, keine Wehr.

Byggwir:
Wisse, wär ich edel wie Yngwi-Freyr und so herrlich mein Hof, zu Brei zermalmt ich die Bosheitskrähe und zerbräche all ihr Gebein.

Loki:
Wer ist das kleine, das ich da krabbeln seh und das schnappgierig schnappt? Immer wirst du Freyr in den Ohren liegen, krächzen bei der Kornmühle.

Byggwir:
Byggwir heiß ich, doch hurtig bin ich bei Asen und Irdischen; drum ehrt man mich hier, wo Odins Söhne alle äl trinken.

Loki:
Schweig doch, Byggwir! Gar schlecht verteilest du unter Männern das Mahl; im Stroh unter der Bank verstecktest du dich, zogen Krieger zum Kampf.

Heimdall:
Trunken bist du, Loki, du verlorst den Verstand: warum läßt du´s nicht, Loki? Trunkes Unmaß betört einen jeden, daß er seine Worte nicht weiß.

Loki:
Schweig doch, Heimdall! Dir ward ein häßlich Geschick in der Urzeit auferlegt, da mit nassem Buckel du nächtlich stehn und Walhall bewachen mußt.

Skadi:
Lustig bist du, Loki; doch nicht lange sollst du schlagen mit dem Schweif: bald fesseln mit den Därmen deines frostkalten Sohnes auf den Grat die Götter dich.

Loki:
Wisse, fesseln mit den Därmen meines frostkalten Sohnes auf den Grat die Götter mich: das erste und letzte war ich beim Lebensraub als wir Thjazi töteten.

Skadi:
Wisse, wenn der erste und letzte du beim Lebensraub warst, als ihr Thjazi tötetet: von meinem Haus und Hof wird heilloser Anschlag dich verfolgen hinfort.

Loki:
Lieblicher sprachst du zu der Laufey Sohn, als du in dein Bett mich entbotst: nicht darf ich´s verschweigen, wenn unsre Schandtaten wir sollen nennen genau.

Da trat Sif heran, reichte Loki in einem Kristallkelch Met und sprach:
Heil dir nun, Loki! Nimm hin den Eiskelch, mit Firnmet gefüllt! Eine laß unter deinen Asensöhnen mit Schmähreden verschont!

Loki:
Als einzige wärest du, wärest du´s eben, andern unzugänglich; einen kenn ich, den ich zu kennen glaube, mit dem du auch Thor betrogst.

Beyla:
Es zittern die Berge, nun zog, mein ich, aus vom Hofe Hlorridi; den bringt er zur Ruh, der ruchlos schmäht die Asen und Irdischen.

Loki:
Schweig doch, Beyla! Du bist Byggwirs Weib und von Falschheit erfüllt; kein eklerer Auswurf kam zu den Asensöhnen, ganz voll Mist bist du, Magd!
Da kam Thor herein und sprach:
Schweig, arger Wicht! Dir soll mein Wuchthammer, Mjöllnir, den Mund schließen! Das Haupt hau ich dir vom Halse ab, verloren ist dein Leben dann.

Loki:
Der Sohn der Jörd ist in den Saal gekommen: warum tobst du so, Thor? Dann wagst du nichts, sollst du den Wolf bestehn; und er verschlingt den Schlachtengott.

Thor:
Schweig, arger Wicht! Dir soll mein Wuchthammer, Mjöllnir, den Mund schließen! Nach oben werf ich dich und nach dem Ostlande; nie wieder gewahrt man dich.

Loki:
Deine Ostfahrten ließest den andern du besser verborgen sein, seit du, Held, hocktest in des Handschuhs Däumling und dich nicht trautest, Thor zu sein.

Thor:
Schweig, arger Wicht! Dir soll mein Wuchthammer, Mjöllnir, den Mund schließen! Meine Hand trifft dich mit Hrungnirs Töter, daß dein Gebein zerbricht.

Loki:
Zu leben denk ich lange Zeit, hebst du den Hammer auch; rauh schienen dir die Riemen Skrymirs, nicht kamst du zur Kost.

Thor:
Schweig, arger Wicht! Dir soll mein Wuchthammer, Mjöllnir, den Mund schließen! Hrungnirs Töter wird dich zur Hel senden hinter des Totenreichs Tor.

Loki:
Ich sprach vor den Asen, sprach vor den Asensöhnen, was meinem Herzen behagt; einzig vor dir will ich abziehen, denn mich dünkt, du schlägst drein.
äl brautest du, ägir; nicht noch einmal sollst du geben ein Gastgelage: all dein Eigen, das hier innen ist, erfasse die Feuersbrunst und verbrenne den Buckel dir!