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Der fünfte bis siebente Kreuzzug von 1228 bis 1270

  1. Erster Kreuzzug: 1096–1099, Ziel: Jerusalem
  2. Volkskreuzzug: 1096, Ziel: Jerusalem
  3. Deutscher Kreuzzug von 1096, Ziel: eigentlich Jerusalem
  4. Kreuzzug von 1101: Ziel: Jerusalem
  5. Kreuzzug Sigurds von Norwegen: 1108–1111, Ziel: Jerusalem/Sidon
  6. Zweiter Kreuzzug: 1147–1149, Ziel: eigentlich Edessa, letztlich Damaskus
  7. Wendenkreuzzug: 1147, Ziel: Germania Slavica
  8. Dritter Kreuzzug: 1189–1192, Ziel: Jerusalem
  9. Kreuzzug Heinrichs VI.: 1197–1198, Ziel: Jerusalem
  10. Vierter Kreuzzug: 1202–1204, Ziel: eigentlich Ägypten/Jerusalem, letztlich Konstantinopel
  11. Kinderkreuzzug: 1212, Ziel: Jerusalem
  12. Albigenserkreuzzug: 1209–1229, Ziel: Okzitanien
  13. Fünfter Kreuzzug:
    1. Kreuzzug von Damiette: 1217–1221, Ziel: eigentlich Jerusalem, letztlich Ägypten
    2. Kreuzzug Friedrichs II.: 1228–1229, Ziel: Jerusalem
    3. Kreuzzug Theobalds IV. von Champagne: 1239–1240, Ziel: Askalon/Damaskus
    4. Kreuzzug Richards von Cornwall: 1240–1241, Ziel: Askalon/Jerusalem
  14. Sechster Kreuzzug: 1248–1254, Ziel: Ägypten/Jerusalem
  15. Hirtenkreuzzug von 1251: Ziel: eigentlich Ägypten
  16. Siebter Kreuzzug: 1270, Ziel: Tunis/Jerusalem
  17. Kreuzzug des Prinzen Eduard: 1270-1272, Ziel: Akkon/Jerusalem
  18. Aragonesischer Kreuzzug: 1284–1285, Ziel: Girona
  19. Hirtenkreuzzug von 1320: Ziel: eigentlich Andalusien
  20. Kreuzzug gegen Alexandria: 1365, Ziel: Ägypten
  21. Kreuzzug gegen Mahdia: 1390, Ziel: Eindämmung der Piraterie
  22. Kreuzzug von Nikopolis: 1396, Ziel: Eindämmung des osmanischen Vordringens in Europa

Der fünfte bis siebente Kreuzzug von 1228 bis 1270

Inhaltsverzeichnis


  1. Der (gescheiterte) Kreuzzug
  2. Fünfter Kreuzzug
  3. Sechster Kreuzzug
  4. Siebter Kreuzzug
  5. Kreuzzug gegen Alexandria

  1. Der (gescheiterte) Kreuzzug
  2. Der gescheiterte Kreuzzug 1217–1221, auch als Kreuzzug von Damiette bezeichnet, wird bei den meisten Zählungen der großen Orientkreuzzüge nicht mitgezählt. Bei anderen erscheint er als der Fünfte Kreuzzug. Dadurch verschiebt sich die Zählung der nachfolgenden Kreuzzüge um eine Stelle. Bereits unter Innozenz III. wurde auf dem Vierten Laterankonzil ein allgemeiner Kreuzzug beschlossen.
    Der deutsche König Friedrich II. gelobte anlässlich seiner Krönung 1215 die Teilnahme, schob sie dann aber mehrfach auf, was zu Spannungen mit dem Papst führte. Papst Honorius III. legte den Beginn des Kreuzzugs auf den 1. Juni 1217 fest. Zu diesem Zeitpunkt brachen König Andreas II. von Ungarn und Herzog Leopold VI. von österreich in Richtung Palästina auf. Johann von Brienne, der seit 1210 König von Jerusalem war, stellte sich an die Spitze der Kreuzritter. Man beschloss ägypten anzugreifen. Der Herrscher über das Ayyubiden-Reich war damals al-Adil I., der Bruder von Sultan Saladin.
    Vor ihrem Angriff auf ägypten hatten die Kreuzfahrer ein Bündnis mit den muslimischen Rum-Seldschuken geschlossen, die das Ayyubidenreich gleichzeitig in Syrien angreifen sollten. Im April 1218 erreichte die Kreuzfahrerflotte unter Johann von Brienne die ägyptische Hafenstadt Damiette und begann mit der Belagerung. Damiette war strategisch deshalb wichtig, weil man von der vorgelagerten Befestigung aus mit einer schweren Kette den einzigen befahrbaren Nil-Arm versperren konnte. Die Einnahme dieser Befestigung gelang im August 1218.
    Drei Tage später starb Sultan Al-Adil I.. Anstatt die Chancen, die sich aus dieser Lage ergaben, zu nutzen, verfielen die Anführer des Kreuzzugs in einen lähmenden Streit, nachdem der gerade angekommene Kardinal Pelagius von Albano als päpstlicher Legat die Führung beanspruchte. Sultan al-Kamil, der nach dem Tod seines Vaters seinen Herrschaftsanspruch gegenüber seinen Brüdern erst festigen musste, war gegenüber den Kreuzfahrern zu Verhandlungen bereit. Er bot die Rückgabe von Palästina und 30 Jahre Waffenstillstand an, doch wurde dies von Kardinal Pelagius abgelehnt.
    Erst im November 1219 wurde die Stadt eingenommen und im folgenden Jahr stärker befestigt. In dieser Zeit warteten die Kreuzfahrer auf Verstärkung durch die Truppen Kaiser Friedrichs II., die jedoch nie eintrafen. Beim Vorrücken ins Nildelta wurden die Kreuzfahrer schließlich im August 1221 bei al-Mansura von frischen Truppen, die aus Syrien heranrückten, geschlagen, nachdem sie durch die Nilschwemme in ungünstiges Gelände abgedrängt worden waren. Damiette wurde nach den Verhandlungen im September wieder geräumt, und die Kreuzfahrer mussten unverrichteter Dinge abziehen.
    Die Schuld am Scheitern wurde der Nichtteilnahme Kaiser Friedrichs II. gegeben, der zwar die Teilnahme versprochen hatte, durch Angelegenheiten in Sizilien jedoch daran gehindert war. Friedrich versprach im Vertrag von San Germano 1225 verbindlich, spätestens 1227 einen Kreuzzug zu unternehmen, den später so genannten Fünften Kreuzzug. Jedoch erhielt Kardinal Pelagius vom Papst Honorius III. auch schwere Vorwürfe, weil er das Verhandlungsangebot des Sultans al-Kamil nicht angenommen hatte.


  3. Fünfter Kreuzzug
  4. Als Fünfter Kreuzzug (nach anderer Zählung: sechster Kreuzzug) wird der der Kreuzzug des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. im Jahre 1228 bezeichnet.
    Geschichte
    Kaiser Friedrich II. hatte sich 1225 gegenüber Papst Honorius III. zum Kreuzzug in das Heilige Land verpflichtet, hatte den Aufbruch jedoch mehrfach verschieben müssen. Als er 1227 den Kreuzzug wegen eines Seuchenausbruchs abermals verschieben musste, wurde er von Honorius' Nachfolger Gregor IX. gebannt. Dessen ungeachtet zog der Kaiser 1228 mit einer relativ kleinen Streitmacht nach Jerusalem. Dieser Kreuzzug wurde der einzig friedliche und dennoch erfolgreiche.
    Friedrich war in Palermo als Enkel seines normannischen Großvaters Roger II. in einer arabisch geprägten Umgebung multikulturell aufgewachsen, wenn man seine Toleranz auch nicht überbewerten sollte: Auf Sizilien setzte Friedrich dem Islam ein Ende. Im Heiligen Land trat der gebildete und auch sprachlich versierte Kaiser mit orientalischem Pomp und seiner muslimischen Leibgarde auf und hob sich damit völlig von allen zuvor erschienenen Kreuzfahrern ab. Im September 1228 kam Friedrich in Akkon an, bereits im Februar des nächsten Jahres hatte er mit dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil einen Kompromiss ausgehandelt:
    Die Christen erhielten Betlehem, Nazaret, Lydda, Sidon und Toron zurück, sowie Jerusalem mit Ausnahme der al-Aksa-Moschee und des Felsendoms, in dem es ihnen aber erlaubt wurde, Andachten zu halten (Friede von Jaffa). Am 18. März 1229 setzte sich Friedrich die Krone von Jerusalem auf, wobei es sich nicht um eine echte Krönung handelte, da er als Gebannter keine religiöse Zeremonie und Weihe empfing. Seinen Anspruch auf den Thron Jerusalems leitete er von seiner Ehe mit Isabella II. von Brienne ab, der Erbin des Königreich Jerusalem.
    Ob der Friedensvertrag als Zeichen für Friedrichs Offenheit und Toleranz gegenüber den Arabern und dem Islam zu deuten ist, ist in der Forschung umstritten.[1] Der in ägypten herrschende Sultan al-Kamil hatte jedoch auch machtpolitische Gründe für die Verhandlungen, da er gerade einen Feldzug gegen seinen Bruder al-Muazzam von Damaskus vorbereitete und keine Störung durch Kreuzfahrer gebrauchen konnte. Der Ausgleich hielt nur so lange, wie wie Al Kamil am Leben war und Friedrichs Einfluss auf das Königreich Jerusalem andauerte. Die Nachfolger sorgte dafür, dass der alte Gegensatz wieder aufflammte. Schon 1244 wurde die Stadt von den Ayyubiden zurückerobert.
    Der Bann gegen Friedrich II. wurde 1231 aufgehoben. Das Verhältnis zum Papsttum besserte sich jedoch kaum. Nikolaus von Bari hielt nach der Rückkehr des Kaisers vom Kreuzzug im Jahr 1229 jedoch eine flammende Predigt, in der er Friedrich als Helden und das Haus Staufen als Endkaisergeschlecht darstellte. Dieser Kreuzzug wird manchmal als Sechster Kreuzzug gezählt, da der gescheiterte Kreuzzug 1217-1221 in diesen Zählungen als der Fünfte gilt.


  5. Sechster Kreuzzug
  6. Ludwig der Heilige bricht 1248 zum Kreuzzug auf. Französische Darstellung aus dem 14. Jh. Der Sechste Kreuzzug war ein Kreuzzug, der 1248 bis 1250 durch einen Angriff auf ägypten die Kreuzfahrerstaaten entlasten sollte. Am 17. Oktober 1244 erlitt ein Allianzheer aus den Kreuzfahrerstaaten sowie den islamischen Reichen von Damaskus, al-Kanack und Homs bei Gaza eine vernichtende Niederlage gegen Sultan as-Salih Ayyub von ägypten.
    Schon wenige Tage später schickte Patriarch Robert von Jerusalem den Bischof von Beirut nach Europa, um dort für einen Kreuzzug zu werben. Der frische Zustrom an Kämpfern sollte die Verluste von Gaza kompensieren. König Ludwig IX. "der Heilige" von Frankreich setzte sich an die Spitze des Kreuzzugsheeres. Im August 1248 schiffte er sich in Aigues Mortes nach Zypern ein, wo er den Winter verbrachte. Am 5. Juni 1249 landete Ludwig IX. nahe der ägyptischen Stadt Damiette. Die Verteidiger versagten in der folgenden Schlacht vollkommen. Die Kreuzfahrer konnten die wichtige Stadt fast kampflos einnehmen.
    Ludwig machte nun zwei taktische Fehler: Er begann nicht mit einer Belagerung des nahe gelegenen und schwach verteidigten Alexandria und er verzichtete auf die Verfolgung der geschlagenen ayyubidischen Armee. Erst im November stieß er ins Landesinnere vor. Dort hatte Sultan as-Salih inzwischen seine Truppen neu gesammelt. Als der Sultan in der Nacht vom 22. auf den 23. November starb und die ayyubidische Herrschaft erschüttert schien, ergriff Schadschar ad-Dur, die Witwe as-Salihs, entschlossen die Regentschaft.
    Die Mamlukengarde des Sultanats stellte sich erfolgreich den französischen Kreuzfahrern entgegen, stoppte ihren Vormarsch und kesselte sie bei al-Mansura ein. Die von Kämpfen, Hunger und Krankheiten geschwächten Kreuzfahrer kapitulierten im April 1250 und begaben sich in Gefangenschaft. Schließlich schloss Ludwig einen Vertrag mit dem neuen Sultan Turan Schah, der ihm gegen die Rückgabe Damiettes und ein hohes Lösegeld den freien Abzug ermöglichte.
    Für die Christen war der Sechste Kreuzzug ein gewaltiger Fehlschlag. Auf muslimischer Seite hatte er insofern Bedeutung, als die Mamluken großen Anteil am Sieg hatten. Noch 1250 ermordeten mamlukische Offiziere Sultan Turan Schah und brachten ägypten nach einer Phase des Chaos in ihre Gewalt. Diese innermuslimischen Wirren brachten den verbliebenen Kreuzfahrerstaaten eine vorübergehende Entlastung. Den Bericht eines Zeitzeugen des Sechsten Kreuzzuges liefert Jean de Joinvilles "La Vie de Saint Louis".


  7. Siebter Kreuzzug
  8. Der Siebte Kreuzzug fand zunächst unter der Führung des französischen Königs Ludwig des Heiligen statt, später formal unter dessen Sohn Philipp III., tatsächlich aber unter Karl von Anjou. Ludwig war bereits beim Sechsten Kreuzzug gescheitert, auch dieses Unternehmen endete mit einer Niederlage. Der Siebte Kreuzzug erscheint in manchen Zählungen als der Achte, da der Kreuzzug 1217–1221 als Fünfter Kreuzzug gezählt wird. Die Unternehmungen nach dem Ende der Belagerung von Tunis werden auch als Neunter Kreuzzug gezählt. Ludwig rief 1267 zu einem Kreuzzug gegen den Mameluckensultan Baibars auf, da dieser 1265 die christlichen Reiche im Heiligen Land bis auf wenige Reste vernichtet hatte.
    Sein Bruder Karl von Anjou riet ihm jedoch, zuerst Tunis anzugreifen, um eine bessere Basis für einen Angriff auf ägypten zu haben. Zwar war dieser Rat angesichts der Lage das günstigste, aber möglicherweise hat Karl auch seine eigenen Interessen als Herrscher von Sizilien und Unteritalien im Auge gehabt. Außerdem erschien der Sultan von Tunis durch seine Verbindungen zu den christlichen spanischen Reichen für eine mögliche Bekehrung geeignet.
    1270 schiffte Ludwig sich von Cagliari in Sardinien ein und erreichte die afrikanische Küste im Juli zur denkbar ungünstigsten Jahreszeit. Ein großer Teil des Heeres erkrankte infolge von schlechtem Trinkwasser. Am 25. August starb auch Ludwig der Heilige selbst – einen Tag nach der Ankunft Karls von Anjou. Karl stellte den Kreuzrittern den Thronerben Philipp III. als ihren neuen Herrn vor, aufgrund der Jugend des neuen Königs und der Macht Karls wurde dieser jedoch der faktische Führer der weiteren Unternehmungen.
    Aufgrund der weiter um sich greifenden Krankheiten wurde die Belagerung von Tunis am 30. Oktober durch ein Abkommen mit dem Sultan beendet. In diesem wurde Handelsfreiheit für die Christen und Aufenthaltsrecht für Priester und Mönche gewährt, so dass das Unternehmen als teilweiser Erfolg dargestellt werden konnte.
    Karl von Anjou wandte sich nun zusammen mit dem inzwischen eingetroffenen Prinz Eduard von England gegen Osten. Eduard zog zur letzten Kreuzfahrerbastion Akko, um von dort Baibars anzugreifen, wurde jedoch 1271 bei Tripolis besiegt. Der Tod seines Vaters Heinrich III. im Jahre 1272 veranlasste ihn zur Rückkehr.
    Karl nutzte einen Zwist zwischen König Hugo III. von Zypern sowie den Templern und Venezianern, um die Reste der Kreuzfahrerstaaten unter seiner Führung zu einen und sich eine Machtbasis zu schaffen. Er kaufte der Prinzessin Maria von Antiochien ihre Ansprüche auf das (nicht mehr existierende) Königreich Jerusalem ab und griff Hugo von Zypern an, da dieser ebenfalls den Titel des Königs von Jerusalem beanspruchte. 1277 eroberte Hugo San Severino Akkon für Karl von Anjou.
    Die verbündeten Venezianer bewogen ihn, den Kreuzzug gegen Konstantinopel zu richten, wo Michael VIII. das griechische Kaisertum wiedererrichtet hatte. 1281 erteilte Papst Martin IV. die Erlaubnis; die Franzosen nahmen den Landweg über Durazzo (heute Durrës in Albanien), die Venezianer den Seeweg. Durch die Sizilianische Vesper am 31. März 1282 wurde Karl von Anjou jedoch gezwungen, den Rückmarsch anzutreten. Das waren die letzten Unternehmungen gegen Byzanz oder die Sarazenen im Nahen Osten. 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.


  9. Kreuzzug gegen Alexandria
  10. Im Zeitraum von 1365 bis 1369 fand unter König Peter I. von Zypern (er trug den Titel eines Königs von Jerusalem) der Kreuzzug gegen Alexandria statt.Die Eroberung Alexandrias verlief erfolgreich, doch waren die Truppen anscheinend nicht der Besetzung wegen gekommen, sondern sie verschwanden gleich wieder, kurz nachdem sie die Stadt geplündert hatten.