die zwischen 1095 und 1279 von westeuropäischen Christen gewöhnlich auf die Bitte eines Papstes durchgeführt wurden. Ihr Zweck bestand aus der Rückeroberung von Jerusalem und anderen palästinensischen Pilgerstätten, die den Christen als 'Heiliges Land' bekannt waren, aus moslemischer Kontrollherrschaft.
Der Ursprung der Kreuzzüge
wurzelte in einer wachsenden Alarmbereitschaft innerhalb der Christen, nachdem Syrien und Palästina in der Mitte des 11. Jahrhunderts durch die moslemischen seldschuken Türken erobert worden waren. Darüber hinaus boten die Kreuzzüge eine Stütze für diejenigen Päpste, die eine Ausweitung ihrer Macht anstrebten. Ritter und Edelmänner nutzten sie zur Vermehrung von Grundeigentum und Händler erhielten durch sie einen reichen kommerziellen Ansporn.
Die Kreuzzüge begannen 1095,
als Papst Urban II die moralische Notwendigkeit eines Planes zur Teilnahme von westeuropäischen Edelleuten und Rittern predigte, um den byzantinischen Kaiser und seine Arme beim Gegenangriff gegen die Seldschuken zu unterstützen.
Fünf Hauptheere wurden schließlich im Spätsommer 1096 zusammengestellt
und in den Ersten Kreuzzug ausgesandt. Die Heere erreichten Konstantinopel im späten 1096 und frühen 1097. Während des Jahres 1097 vernichteten die Kreuzritter nahezu das gesamte Hauptheer der anatolischen Seldschuken bei Dorylaeum. Sie eroberten 1098 Antiochia im Norden Syriens. 1099 nahmen sie Jerusalem im Sturm ein und ermordeten nahezu jeden Einwohner. Bald darauf kehrten die meisten Kreuzfahrer nach Europa zurück, wobei sie nur einen Bruchteil der ursprünglichen Streitkräfte zur Sicherung der westeuropäischen Kontrolle in den eroberten Gebieten zurück ließen.
Die Siege des Ersten Kreuzzuges wurden überwiegend nur möglich,
durch die Isoliertheit und relative Schwäche der islamischen Streitmacht. Die Generation nach dem Ersten Kreuzzug erlebte jedoch den Anfang einer islamischen Wiedervereinigung im Mittleren Osten. Islamische Kampftruppen nahmen die Stadt Edessa 1144 ein und zerstörten den Status der Kreuzritter innerhalb dieser Region. Die päpstliche Antwort hierauf bestand in der Erklärung des Zweiten Kreuzzuges im Jahre 1145.
Während dieses Kreuzzuges geriet ein deutsches Heer in einen Hinterhalt in Anatolien, aus dem nur wenige entkamen. Ein französisches Heer erlitt ebenfalls ernsthafte Zwischenfälle während ihrer Reise. Nur ein geringer Anteil der Ritter erreichte Jerusalem im Jahre 1148. Nach einem mißglückten Versuch, die Stadt Damaskus einzunehmen, kehrte der Rest des französichen Heeres nach Hause zurück.
Im weiteren Verlauf nach dem mißglückten Zweiten Kreuzzug
fegten im Jahr 1187 ägyptische Truppen unter der Führung des moslemischen Sultans Saladin durch die meisten Festungen der Kreuzritter. Jerusalem wurde im Oktober übergeben. Papst Gregor VIII verkündete hierauf den Dritten Kreuzzug, der jedoch hinsichtlich der Rückeroberung Jerusalems versagte. Allerdings gelang es, Saladin eine Kette von Städten an der Küste des Mittelmeeres abzuringen. Dieses Königreich bestand bis zum kommenden Jahrhundert.
Der Vierte Kreuzzug (1202-1204) wurde mit finanziellen Schwierigkeiten geplagt. In der Absicht, diese zu lindern, griffen die Heeresführer Konstantinopel an und plünderten es.
Der Fünfte Kreuzzug (1217-1221)
zerfiel nach einem mißglückten Angriff auf die ägyptische Hauptstadt Kairo.
In der Zwischenzeit schwor der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friedrich II im Jahre 1215 einen neuen Kreuzzug anzuführen, aber aus innenpolitischen Gründen verschob er seinen Aufbruch immer wieder. Daraufhin wurde er vom Papst exkommuniziert. Unverzagt schiffte sich Friedrich jedoch 1228 in Richtung 'Heiliges Land' ein. Dort führte er einen sehr ungewöhnlichen Kreuzzug, der überwiegend aus reinen diplomatischen Verhandlungen mit dem ägyptischen Sultan Al-Kamil bestand.
Diese endeten in einem Vertrag, der den Kreuzrittern Jerusalem wieder übergab und garantierte ihnen darüber hinaus eine zehnjährige Atempause vor neuen Angriffen.
Die nächste größere Expedition
im Mittleren Osten wurde durch den französischen König Ludwig IX organisiert und finanziert, nachdem Moslems Jerusalem im Jahre 1244 zurückerobert hatten. Ludwig wurde 1250 währen des Angriffs auf Kairo gefangengenommen und mußte eine hohe Summe Lösegeld bezahlen, um wieder freigelassen zu werden. Währenddessen fiel eine Festung nach der anderen aus dem Besitz der Kreuzritter zurück an die neue und energische Mamelucken Dynastie.
Die Antwort auf die wiederholten Hilferufe europäischer Könige und Edelleute nach weiteren Kreuzzügen war sehr schwach. Spätere Expeditionen erreichten wenig.
Die hauptsächlichen Auswirkungen der Kreuzzüge
wurden in Europa spürbar, nicht im Mittleren Osten. Die Kreuzzüge unterstützten den Handel italienischer Städte, weckten Interesse an einer weiteren Erforschung Asiens und etablierten Handelszentren von dauerhafter Wichtigkeit. Methoden, um Steuern zur Finanzierung der Kreuzzüge einzutreiben, führten zu einem System von direkter und genereller Besteuerung. Außerdem wurden Mechanismen zur Kolonisation entwickelt und auf die europäischen Forschungsreisen im 15. und 16 Jahrhundert übertragen.
Oben: Jesus in Jerusalem, Zerstörung des Tempels.
Mitte: Enthauptung der Juden durch die Feinde des Herrn.
Unten: Kreuzfahrer erobern die Stadt und rächen die Kränkungen in Strömen von Blut.
Darstellung um 1200 in England begonnen, im 14 Jh. in Spanien fertiggestellt.
Die Kreuzzüge der christlichen Völker des Abendlands waren religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege. Vorausgegangen war der Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos um militärische Unterstützung gegen die Seldschuken. Dies löste den Aufruf Papst Urbans II. im Jahr 1095 aus, der zur Befreiung Jerusalems und des „Heiligen Landes“ aus der Hand der „Ungläubigen“ aufrief, mehr als acht Jahrzehnte, nachdem eine Gruppe von Muslimen unter dem fatimidischen Kalifen al-Hakim 1009 die Grabeskirche zerstört hatte.
1099 konnte Jerusalem erobert werden. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Bildung von insgesamt vier Kreuzfahrerstaaten in Outremer. Die jedoch weiterhin gegebene Bedrohung durch die muslimischen Anrainerstaaten führte zur Durchführung weiterer Kreuzzüge, denen meistens kaum ein Erfolg beschieden war. In der Folgezeit wurde der Begriff „Kreuzzug“ auch auf andere militärische Aktionen ausgeweitet.
Vorangegangen war seit dem 7. Jahrhundert die islamische Expansion, die militärische Unterwerfung ehemals christlicher Gebiete durch arabisch-muslimische Eroberer im Nahen Osten, in Nordafrika und Spanien. Insofern wurde die Zurückeroberung des heiligen Landes und die Zurückdrängung der Sarazenen als ein Akt der Verteidigung des Christentums betrachtet, welcher durch offiziellen Beistand und die Unterstützung der Kirche bekräftigt wurde.
Die Kreuzzüge wurden nach kurzer Zeit allerdings auch zu rein weltlichen Machtinteressen genutzt, insbesondere gegen das Byzantinische Reich. Schon bald wurde der Begriff Kreuzzug nicht nur auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder ausgeweitet, sondern auch gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen (siehe Albigenser). Dieser Umstand gab dem Papsttum eine starke politische Waffe in die Hände. Gleichwohl darf der religiöse Aspekt, besonders bei den Kreuzzügen in den Osten, trotzdem nicht unterschätzt werden.
So waren nach der Einnahme Jerusalems im Jahre 1099 nach Christus die Gefallenen als Märtyrer gefeiert worden. Oft lagen die Interessen der kriegsführenden Parteien und die der kämpfenden Truppen weit auseinander. Die beiderseitigen Machthaber verfolgten unter anderem machtpolitische Interessen. Die Kreuzfahrer selbst glaubten zumeist an einen ehrenvollen, ja heiligen Kampf für die Kirche und Gott.
Bereits vor dem Aufruf zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems hatte die Katholische Kirche damit begonnen, Kriegszüge zu unterstützen. Beispielsweise wurden im Rahmen der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer geweihte Fahnen an den Kriegsherren übersandt, die ihn und sein Heer im Kampf stärken sollten. Dieses gilt im allgemeinen als erstes historisches Ereignis, an welchem die katholische Lehre beginnt, Kriegszüge dogmatisch zu stärken und zu rechtfertigen.
Ein Kreuzzug war zugleich Bußgang und Kriegszug, der nach Auffassung der (nicht orthodoxen, katholisch christlichen) Zeitgenossen direkt von Gott durch das Wort des Papstes verkündet wurde. Die Teilnehmer legten ein rechtsverbindliches Gelübde ab, ähnlich wie bei einer Pilgerfahrt. Als Folge der göttlichen und päpstlichen Verkündung waren die Kreuzzüge sehr populär.
Dies erklärt auch die große Teilnehmerzahl. Die offiziell verkündeten Kreuzzüge (darunter fallen beispielsweise nicht die Abwehrkämpfe der Kreuzfahrerstaaten in Outremer) wurden als Angelegenheit der gesamten abendländisch-katholischen Christenheit begriffen. Die Kreuzfahrerheere bestanden daher in der Regel aus „Rittern“ aus ganz Europa.
Grundlage für die Kreuzzüge war aus christlicher Sicht der Gedanke des „gerechten Krieges“ (lat. bellum iustum), wie er von Augustinus von Hippo vertreten worden war. Dies bedeutete später, dass der „gottgefällige Krieg“ nur von einer rechtmäßigen Autorität verkündet werden konnte (wie dem Papst). Es musste ein gerechter Kriegsgrund vorliegen (wie die ungerechte Behandlung von Gläubigen) und der Krieg musste für gute Absichten (wie der göttlichen Liebe) geführt werden.
Nach dem katastrophalen Ausgang des Zweiten Kreuzzugs mehrten sich aber auch Stimmen von Theologen, die sich gegen die Idee bewaffneter Kreuzzüge wandten.[1] Dazu zählen in Deutschland der Annalist von Würzburg und Gerhoch von Reichersberg sowie der Verfasser des Schauspiels Ludus de Antichristo, in Frankreich der Abt von Cluny Petrus Venerabilis in seinen späteren Schriften, der englische Zisterzienser Isaac (später Abt in Frankreich), Walter Map (ein Höfling König Heinrichs II. von England) und der Engländer Radulphus Niger.
Sie beriefen sich u.a. auf Matthäus #26,52, demzufolge durch das Schwert sterben solle, wer das Schwert zieht, aber auch auf die Offenbarung des Johannes 19,11-16, wo der wiederkehrende Messias als König der Könige die Feinde des Christentums mit dem Hauch seines Mundes - also nur mit Gottes Wort - vernichtet. Um 1200 traten auch die Kanonisten, Kirchenrechtler wie Alanus Anglicus, dafür ein, die Muslime zu tolerieren.
Besonders Ende des 13. und besonders im 14. Jahrhundert mussten die Päpste die Ablässe für das Anhören von Kreuzzugspredigten deutlich erhöhen, was ebenfalls als Indiz für die abnehmende Begeisterung der nicht-nahöstlichen Kreuzzüge zu deuten ist.
Insgesamt ist es falsch davon zu sprechen, dass es keinerlei zeitgenössische Kritik an den Kreuzzügen gegeben hätte. Allerdings wird eine Erforschung auch durch unterschiedliche historische „Schulen“ erschwert.
So sehen manche Historiker (wie Hans Eberhard Mayer) nur die Orientkreuzzüge als „richtige Kreuzzüge“ ans. Demgegenüber herrscht im anglo-amerikanischen Raum teils die Tendenz vor, den Begriff inhaltlich und auch zeitlich weiter zu fassen (besonders einflussreich: Jonathan Riley-Smith, Norman Housley). Dabei werden auch einige Militäraktionen in der Frühen Neuzeit noch zu den Kreuzzügen gerechnet.
Von Riley-Smith und seinen Schülern wird ihre Sicht als „pluralistisch“ bezeichnet. Sie behaupten, dass noch im Spätmittelalter der Kreuzzugsgedanke auf Begeisterung stieß. Kritiker werfen ihnen jedoch vor, teils schlicht die Quellen zu ignorieren, die ein anderes Bild zeichnen: dass nämlich die Kreuzzugsidee im Spätmittelalter deutlich an Anziehungskraft einbüßte. Eine Einigung konnte bisher nicht erzielt werden.[2]
Ein eindeutiger Forschungstrend der letzten Jahrzehnte stellt die stärkere Berücksichtigung der Geschichte und Struktur der Kreuzfahrerstaaten dar, so dass nicht mehr nur die eigentliche Geschichte der Kreuzzüge im Fokus steht.
Die Motive der Kreuzfahrer reduzierten sich keineswegs nur auf religiösen Eifer; vielmehr handelten sie aus vielschichtigen Gründen, die sich zudem im Laufe der Zeit wandelten. Es handelte sich dabei um:
Aufbauend auf den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. auf der Synode von Clermont im Jahr 1095 (begleitet von dem Zuruf „Deus lo vult“ - Gott will es) waren viele Kreuzfahrer überzeugt, durch die Vertreibung der Nichtchristen aus dem Heiligen Land Gottes Willen zu erfüllen und die Erlassung aller ihrer Sünden zu erreichen.
Dies muss vor dem Hintergrund christlicher Berichte über Greueltaten der islamischen Machthaber gegen die christliche Bevölkerung des heiligen Landes gesehen werden und der Verwüstung christlicher Stätten, beispielsweise der Grabeskirche 1009 in Jerusalem. Die religiösen Motive traten im Laufe der Zeit in den Hintergrund - besonders deutlich wird das bei der Eroberung und Plünderung der christlichen Stadt Konstantinopel im Vierten Kreuzzug. Bezüglich der Kreuzzüge in den Orient verschwanden sie jedoch nie ganz.
Ein wesentliches außenpolitisches Problem für die christliche Welt stellte der Islam dar, der in seinem Streben westwärts zunächst in der Mitte des 7.Jahrhundert das christliche Byzantinische Reich angriff. Ostrom/Byzanz verlor die seit dem monophysitischen Schisma in religiösem Gegensatz zu den griechischen und lateinischen Reichsgebieten stehenden semitischen Provinzen Syrien und ägypten binnen weniger Jahre an die Araber, die dort als Befreier begrüßt wurden, behauptete jedoch das griechisch geprägte Kleinasien.
Das westliche Nordafrika leistete bis zum Ende des 7. Jahrhunderts gegen die Araber Widerstand, während das spanische Westgotenreich dann um 700 binnen weniger Monate unter dem Arabersturm zusammenbrach, so dass die Araber im Westen erst durch die Franken aufgehalten wurden.
Nachdem das Byzantinische Reich durch die Langobarden 751 schon aus Mittelitalien verdrängt worden war (Fall des Exarchats Ravenna) war das Byzantinische Reich Anfang des 8. Jahrhunderts hauptsächlich auf das orthodoxe Kernland Kleinasien, die Küsten des Balkans und Süditalien beschränkt. In der Folgezeit fand das Reich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem modus vivendi mit den Arabern, der sogar in militärische Bündnisse mit einzelnen arabischen Staaten mündete. Dem militärischen Wiederaufstieg um das Jahr 1000 folgte ein innerer Niedergang. Mit dem islamischen Turkvolk der Seldschuken betrat gleichzeitig aber eine neue, expansive Macht die politische Bühne des Nahen Ostens, die sich auf Kosten der Araber und Byzantiner ausdehnte. Dies führte 1071 für die Byzantiner zur militärischen Katastrophe in der Schlacht von Manzikert gegen die Seldschuken, die den Beginn der türkischen Landnahme in Anatolien markiert.
Kleinasien überließ der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos wegen der Abwehr der normannischen Invasion von Epiros und Makedonien (mit dem Ziel der Eroberung von Konstantinopel) schließlich 1085 gegen einen Lehnseid bis auf wenige Stützpunkte vollständig den Seldschuken, um nicht zwischen zwei Gegnern aufgerieben zu werden. Nach dem Sieg über die Normannen bat Alexios dann den Papst um Unterstützung zur Rückeroberung des kleinasiatischen Reichsgebiets, das inzwischen in mehrere türkische Emirate zersplittert war, die die byzantinische Diplomatie gegeneinander ausspielte.
Der große militärischen Aufwand aller christlichen Mächte der damaligen Zeit ist damit zu erklären, dass der Islam als eine große Gefahr - nicht nur für das Byzantinische Reich - gesehen wurde. Schließlich grenzte das islamisch-arabische Machtgebiet an den Pyrenäen an Frankreich und fast alle Mittelmeerinseln und Teile Süditaliens waren zeitweise von Arabern erobert worden. Letztere wurden auch nach Rückeroberung immer wieder von ihnen angegriffen. Das byzantinische Sizilien wurde ab 827 von den Arabern erobert, dann von den Normannen, bis es 1189 an Heinrich VI. fiel, wodurch das Reich der Staufer ebenfalls direkt an den islamischen Machtbereich grenzte.
Das morgenländische Schisma von 1054 belastete von Beginn der Kreuzzüge an das Verhältnis zwischen orthodoxen und katholischen Christen. Der Anblick einer Moschee in Konstantinopel durch das Heer des ersten Kreuzzugs trug auch nicht zur Vertrauensbildung bei.
Ein weiterer Aspekt ist das politische Verhältnis der beiden führenden Mächte der katholischen bzw. orthodoxen Staatenwelt. Die Eigenbezeichnung des deutschen wie des byzantinischen Kaiserreiches war „Römisches Reich“ und der jeweilige Kaiser leitete daraus einen Führungsanspruch über die gesamte christliche Staatenwelt ab. Byzanz betrieb dabei im 12. Jahrhundert eine expansive Westpolitik.
Dynastische Heiraten mit dem ungarischen und deutschen Herrscherhaus, aber auch militärische Interventionen in Italien mit dem Ziel, auch die (west)römische Kaiserkrone zu erringen, waren dabei eine Grundkonstante der Außenpolitik der byzantinischen Komnenendynastie. Um den Einfluss Venedigs im Byzantinischen Reich zurückzudrängen, verfolgte man in Konstantinopel in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine scharfe, anti-venezianische Politik. Dies blieb in Westeuropa natürlich nicht ohne Reaktion. Die Kreuzzüge richteten sich daher zunehmend nicht nur gegen den Islam, sondern gleichzeitig auch immer mehr gegen das orthodoxe, griechisch geprägte Byzanz.
Dennoch blieb der religiös motivierte Kreuzzugsgedanke auch in der Folgezeit eine immer wiederkehrende Komponente der europäischen Politik, wenn in der Forschung auch teils betont wird, dass die Kreuzzugsidee ab dem 13. Jahrhundert auch an Kraft einbüßte (siehe oben den Abschnitt Forschungsprobleme). Insgesamt darf man wohl ihre Bedeutung im Spätmittelalter nicht mehr allzu hoch ansetzen.
So wurde zwar im Jahr 1453 eine Militärexpedition erwogen, um Konstantinopel gegen Sultan Mehmed II. zu verteidigen. Doch startete diese halbherzige Expedition reichlich spät, nämlich erst im April 1453. Der Sultan hatte aber bereits im Frühjahr 1452 mit den baulichen Vorbereitungen für ein mögliche Belagerung begonnen und machte daraus keinerlei Geheimnis.
Ob man die konzertierte militärische Hilfe christlicher Mächte wie z.B. des Deutschen Reiches und Polens bei der Verteidigung Wiens 1683 gegen die Türken in die Kreuzzugstradition stellen darf, ist fraglich. 1544 kam es nämlich zu einem wenige Jahrzehnte zuvor noch unvorstellbaren Ereignis: Frankreich, der Papst und das Osmanische Reich schlossen ein Bündnis gegen das Habsburgerreich. Damit vermochte jedermann klar zu erkennen, dass es mit dem Kreuzfahrergeist zu Ende war (Steven Runciman in Die Eroberung von Konstantinopel 1453).
Der Krak des Chevaliers in Syrien
Der abendländische Adel erhoffte sich durch die Eroberung neue Besitztümer. Auch und gerade traf das auf die jüngeren Söhne des Adels zu, die nicht erbberechtigt waren und nun die Chance sahen, doch über ein eigenes Gebiet zu herrschen. Dies war genauso auch ein Ziel der Kirche, da der Kirchenfrieden (eine päpstliche Regel, die streng vorschrieb, wann und wie gekämpft werden durfte; Weihnachten und andere hohe Feiertage waren beispielsweise tabu) immer wieder durch Konflikte, die sich in erster Linie um Gebietsstreitigkeiten drehten, gestört wurde.
So boten die Kreuzzüge auch eine willkommene Beschäftigung für die überzähligen Söhne, die nicht im Kloster oder im Klerus untergebracht werden konnten oder wollten.
Wirtschaftlich profitierten auch die italienischen Seerepubliken (Genua, Pisa, Venedig und andere) vom Handel mit dem Orient. So wurde auch kurzzeitig überlegt, einen Kreuzzug zur Sicherung der Gewürzstraße durchzuführen. Diese Idee wurde allerdings recht bald wieder fallen gelassen.
Das Papsttum versprach sich von der Kontrolle über das Heilige Land eine massive Stärkung seiner Machtposition. Letztlich haben die Päpste wohl auch auf die Wiedervereinigung mit der bzw. auf die Kontrolle über die Ostkirche gehofft.
Daneben dominierten mit Beginn des 4. Kreuzzuges auch wirtschaftliche Interessen. Das beste Beispiel für dieses Motiv ist wohl der vierte Kreuzzug selbst, der von der Handelsmetropole Venedig nach Konstantinopel umgeleitet wurde und in der Plünderung durch das Kreuzfahrerheer mit Abtransport der Beute nach Venedig mündete, um den Handelskonkurrenten auszuschalten. Hier zeigt sich die vollständige Pervertierung des ursprünglichen, religiösen Kreuzzugsgedankens einerseits, andererseits auch ein Grund für die immer geringere Wirkung der Kreuzzüge in der Verteidigung des oströmischen Reichs.
Im engeren Sinne versteht man unter Kreuzzügen allgemein nur die Orientkreuzzüge (siehe jedoch oben den Abschnitt „Forschungsprobleme“). Als erster Kreuzzug wird jedoch der aragonesisch-französische Zug gegen das maurische Barbastro in Spanien im Jahr 1064 angesehen, zu welchem Papst Alexander II.aufgerufen hatte.
Daneben bzw. danach gab es folgende Arten von Kreuzzügen:
gegen Heiden (Wenden, Finnen, Balten),
gegen Ketzer (Katharer (Albigenser),
gegen die Ostkirche,
gegen Aufständische (Stedinger),
gegen politische Gegner (Papst Bonifatius VIII. gegen die Colonna 1297/98, England 1066, Ludwig von Bayern).
Der Kreuzzug in seiner ursprünglichen Form hatte die Befreiung Jerusalems zum Ziel und war ein gesamteuropäisches Unternehmen, das auch passagia generalia genannt wird. Aus dieser entwickelte sich die passagia particularia, die sich gegen jeden anderen Ort wenden konnte.
Der Begriff „Kreuzzug“ wurde erst im 13. Jahrhundert geprägt, davor finden sich lediglich die Begriffe „bewaffnete Pilgerfahrt“ und „bewaffnete Wallfahrt“.
Neben den eigentlichen Kreuzzügen gab es noch den Katharer- oder auch Albigenserkreuzzug, der in Südfrankreich stattfand, den Kinderkreuzzug, der für die meisten Beteiligten in der Sklaverei endete, den Feldzug der Deutschordensritter ins Baltikum 1225 und diverse andere Feldzüge, z.B. gegen nicht-christliche Völker wie Türken oder Mongolen, die zum Teil bis ins 15. Jahrhundert dauerten.
Auch Kriege gegen machtpolitische Gegner wurden von mittelalterlichen Herrschern mitunter als Kreuzzug propagiert, um eine Infragestellung der Notwendigkeit des Kriegs zu verhindern, um Verbündete zu gewinnen und um Plünderungen und übergriffe auf Zivilisten zu legitimieren.
Für manche Herrscher war der Aufruf zu einem Kreuzzug außerdem ein Mittel, um für sie problematische Gesellschaftsgruppen loszuwerden. So folgten zahlreiche Obdachlose, verarmte oder in der Erbfolge nicht berücksichtigte Adlige und auch Gesetzlose diesen Aufrufen, weil sie sich in Palästina ein neues Leben, religiöse Erfüllung oder Beute erhofften.
Ein bleibendes Erbe der Kreuzzüge waren die Ritterorden, eine Art kämpfender Mönchsorden.
Zeitleiste
Im 14. Jahrhundert fanden über 50 Kreuzzüge gegen die damals heidnischen Pruzzen und Litauer statt. Diese vom Deutschen Orden organisierten Feldzüge wurden auch als „Reisen“ bezeichnet. Im 15. Jahrhundert fanden vier Kreuzzüge gegen die Hussiten statt. Von 1443 bis 1444 fand ein meist als letzter Kreuzzug eingestufter Feldzug gegen das Osmanische Reich statt, der in der Schlacht bei Warna scheiterte.
Friedrich I. Barbarossa als Kreuzfahrer – Miniatur aus einer Handschrift von 1188
Zu einer detaillierteren Beschreibung siehe die jeweiligen Kreuzzüge.
Aufgrund der Bedrängung des Byzantinischen Reiches durch die muslimischen Seldschuken infolge der byzantinischen Niederlage in der Schlacht von Mantzikert 1071, hatte der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos im Westen um Hilfe angefragt. Papst Urban II. hatte 1095 denn auch auf der Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug aufgerufen, um die heiligen Stätten der Christenheit zu befreien.
Allerdings war Jerusalem zum Zeitpunkt des „Kreuzzugsaufrufs" im Jahr 1095 bereits im Besitz der Seldschuken (seit 1071), die christliche Pilger weitgehend ungestört gewähren ließen. Eine religiöse Begeisterung wurde in Westeuropa hervorgerufen, die teils aber auch erschreckende Züge annahm: So wurden im Rheinland mehrere jüdische Gemeinden von Christen regelrecht vernichtet, und sogar einfache Leute machten sich mit Peter dem Einsiedler auf ins Heilige Land (so genannter Volkskreuzzug) – sie sollten es jedoch nie erreichen.
Als die verschiedenen Kreuzfahrerheere Ende 1096 die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel erreichten, traten weitere Probleme auf: Obwohl die Byzantiner mitnichten beabsichtigt hatten, einen Kreuzzug hervorzurufen (sie hatten vielmehr auf Söldner aus Europa gehofft) und den Kreuzfahrern auch teils misstrauten – manche von ihnen, wie die unteritalienischen Normannen, hatten zuvor gegen Byzanz gekämpft –, unterstützte Alexios sie zunächst, zumal sie ihm einen Treueeid geschworen hatten und die Kreuzfahrer ebenfalls auf den Kaiser angewiesen waren.
Im Frühjahr 1097 machte sich das Heer auf dem Weg, und bald schon stellten sich erste Erfolge ein, wie die Eroberung von Nikaia, welches vertragsgemäß an die Byzantiner übergeben wurde. Nach schweren Kämpfen, unter anderem bei der Einnahme Antiochias, endete dieser Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems im Juli 1099, bei der es zu blutigen Massakern an den verbliebenen Bewohnern kam – ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Es folgte die Entstehung der Kreuzfahrerstaaten. Byzanz hatte zwar Teile Kleinasiens zurückgewonnen, stand dieser Entwicklung im Heiligen Land jedoch mit Misstrauen gegenüber, was bald auch zu Kämpfen mit dem Fürstentum Antiochia führte.
Die Kreuzfahrerstaaten um 1100
Die so genannten Kreuzfahrerstaaten erwiesen sich jedoch als auf die Dauer dem moslemischen Druck nicht gewachsen: Die meisten Adligen waren bereits nach dem Fall Jerusalems wieder abgereist, und zurückgeblieben war keineswegs nur die Elite. Die feudal organisierten Kreuzfahrerstaaten waren denn aufgrund der geringen katholisch-christlichen Bevölkerungsanzahl (wo die Mehrheit der Bevölkerung christlich war, war sie nicht katholisch, wie etwa in Syrien) auch auf Nachschub aus Europa angewiesen, was diesen Staaten einen gewissen „kolonialen“ Charakter verlieh. Andererseits kam es zu einem durchaus bemerkenswerten Wandel im Verhältnis zwischen Christen und Moslems: Fortan lebten sie in der Regel durchaus friedlich zusammen, den Moslems wurde in Grenzen eine freie Religionsausübung gestattet, ebenso eine gesonderte Gerichtsbarkeit zugestanden. Auch gegenüber den anderen christlichen Konfessionen verhielten sich die katholischen „Franken“ (so wurden die Kreuzritter vor allem in arabischen Quellen genannt) durchaus tolerant.
Diese Entwicklung war ebenfalls eine direkte Konsequenz der zu geringen Zahl der zurückgebliebenen Kreuzfahrer, die ansonsten den eroberten Raum nicht zu kontrollieren vermocht hätten – was aber ohnehin nur in gewissen Grenzen möglich war. Auch die Juden hatten in den Kreuzfahrerstaaten eine wesentlich bessere Stellung als in Europa und wurden in Outremer, wieder anders als in Europa, nach der Eroberung Jerusalems auch nie das Opfer von Pogromen.
Auch wenn es den Kreuzfahrern teils sogar gelang, die verfeindeten moslemischen Reiche, die sie umgaben, gegeneinander auszuspielen (die Fatimiden in ägypten waren den Türken beispielsweise feindlich gesonnen), so war die militärische Situation doch immer äußerst schwierig. Der letztendlich erfolglose zweite Kreuzzug (1147-1149) hatte bereits das Ziel, die bedrängten Kreuzfahrerstaaten (nach dem Fall der Grafschaft Edessa) zu entlasten. Nach der Schlacht von Hattin 1187, in der faktisch das gesamte militärische Aufgebot des Königreichs Jerusalem geschlagen worden war, fiel gar Jerusalem wieder in moslemische Hände.
Die nachfolgenden Kreuzzüge, die diese Entwicklung umkehren sollten, hatten wenig Erfolg, teils aufgrund unzureichender Planung oder strategischer Fehler, teils aufgrund der Uneinigkeit bei der Führung des Oberkommandos: Wie etwa beim dritten Kreuzzug, wo der Hauptteil des Heeres aus Franzosen und Engländern bestand, die einander feindlich gesonnen waren.
Der vierte Kreuzzug endete gar 1204 mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels, der damals größten christlichen Stadt der Welt, durch Kreuzritter, die damit den Schiffstransport durch die Flotte Venedigs „bezahlten“; der Papst, der sich angesichts der Gräueltaten der Kreuzfahrer darüber im Klaren war, dass damit eine Kirchenunion mit der Orthodoxie praktisch unmöglich wurde, verurteilte denn diese Aktion auch auf das Schärfste, was jedoch faktisch ohne Wirkung blieb.
Die Republik Venedig hatte somit ihren größten Konkurrenten im Orienthandel dauerhaft geschwächt, der Nimbus der Kreuzzüge nahm damit jedoch dauerhaft Schaden, zumal in diesem Zusammenhang das Byzantinische Reich von einer intakten Großmacht zu einer (nach der Rückeroberung Konstantinopels 1261) Regionalmacht degradiert wurde. Außerdem wurde das Verhältnis der orthodoxen Völker zu Westeuropa für Jahrhunderte schwer belastet. So wandten sich die Russen auf Jahrhunderte fast vollständig von Europa ab.
Die Kreuzzüge hatten damit jedoch auch endgültig ihren ursprünglichen Charakter, der in der Rückeroberung des Heiligen Landes lag, verloren. Allerdings verlor man dieses Ziel nie ganz aus den Augen, auch wenn alle weiteren Versuche – vom diplomatischen Erfolg des Stauferkaisers Friedrich II. während des fünften (bzw. nach anderer Zählung sechsten) Kreuzzugs abgesehen – keinen Erfolg hatten oder sogar in militärischen Katastrophen endeten.
Der Albigenserkreuzzug (1209–1229) und andere ähnlich geartete Unternehmen gegen Christen trugen aber mit dazu bei, dass die Kreuzzüge auch oft nur als eine politische Waffe des Papsttums begriffen wurden. Teils wurden sogar Feldzüge gegen die Ghibellinen (Anhänger des Kaisers) in Italien zu Kreuzzügen erklärt. Demgegenüber trugen die „Kreuzzüge“ der Reconquista auf der iberischen Halbinsel bereits quasi-nationale Züge.
Die Kreuzzüge in die Levante endeten 1291 mit dem Fall von Akkon, der letzten Kreuzfahrerbastion. Die Kreuzzüge in das Baltikum (die vor allem der Missionierung dienten und dabei aber auch von den teilnehmenden Adligen als „gesellschaftliches Ereignis“ begriffen wurden) gingen jedoch bis ins 14. Jahrhundert weiter.
Auch nach dem Ende des Mittelalters wurden immer wieder Militäraktionen als Kreuzzüge deklariert (so der Versuch einer Invasion Englands durch den katholischen König von Spanien, Philipp II., und auch die Schlacht von Lepanto wurde von einer so genannten „Kreuzzugsliga“ geführt). Das Papsttum unternahm noch im 17. Jahrhundert ähnliche Anläufe, denen aber bestenfalls nur vorübergehende Erfolge beschieden waren.
Aber schon der Perserkrieg des oströmischen Kaisers Herakleios im 7. Jahrhundert trug in gewisser Weise Charakterzüge eines christlichen Religionskrieges, wobei der Kaiser später zu einem Musterbeispiel eines christlichen Kämpfers stilisiert wurde: Das Geschichtswerk des Wilhelm von Tyrus war denn auch in der altfranzösischen übersetzung unter dem Titel Livre d'Eracles bekannt.
Der Begriff „Kreuzzug“ beschränkt sich nicht nur auf die historischen Kreuzzüge, sondern wird auch heute noch im übertragenem Sinn verwendet. Seine politische Verwendung ist heute hoch umstritten und wird in Europa zumeist als Entgleisung betrachtet.
„Kreuzzug“ wird im Deutschen wie im Englischen auch im Sinne von "Kampagne" verwendet. So führen Pharmazeutiker einen Kreuzzug gegen Aids, und Globalisierungsgegner führen einen Kreuzzug gegen Globalisierung und Internationalisierung. Es gibt Kreuzzüge gegen Sextourismus, gegen Krankheiten, Seuchen und zahllose andere Themen. In der Umgangssprache und auch in der Politik hat das Wort nichts mit Krieg zu tun, wenn etwa ein Abgeordneter einen „Kreuzzug gegen die Internet-Infrastruktur“ ausruft.
In den USA wurde die Beteiligung an der Befreiung Europas von der Herrschaft des Nationalsozialismus häufig als „Kreuzzug“ verstanden, so betitelte etwa der US-Oberbefehlshaber und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower etwa sein Kriegstagebuch Crusade in Europe.
Im Zwanzigsten Jahrhundert bezeichnete der evangelikale Massenprediger Billy Graham seine Großveranstaltungen, u. a. zur Truppenbetreuung im Vietnamkrieg, als Crusades, engl. für Kreuzzüge.
Der US-Präsident George W. Bush bezeichnete den dritten Irakkrieg wiederholt als Kreuzzug gegen Terroristen, obwohl bis dato kein Zusammenhang zwischen den Terroristen vom 11. September 2001 und dem irakischen Regime hergestellt werden konnte. Auf Drängen seiner Berater verzichtete Bush jedoch relativ bald auf diesen Begriff, vornehmlich wegen seiner historisch-inhaltlichen Bedeutung. Umgekehrt werden die westlichen Staaten, insbesondere soweit sie sich an der Eroberung und Besatzung des Irak beteiligen, in arabischen Ländern häufig als „Kreuzritter“ oder „Kreuzzügler“ bezeichnet, denen der gesammelte Widerstand der Muslime zu gelten habe.
Der italienische Reformenminister Roberto Calderoli aus der rechten Regierungspartei Lega Nord rief als Reaktion auf die Proteste in der islamischen Welt im Karikaturenstreit den Papst dazu auf, sich an die Spitze eines neuen Kreuzzugs gegen die Muslime zu stellen.
Im Juli 2006 veröffentlichte Al Quaida eine Videobotschaft mit dem Titel „Der Zionisten-Kreuzritter-Krieg gegen Libanon und die Palästinenser“, in der die "Kreuzfahrer-Allianz" westlicher Staaten mit Israel kritisiert wird.
19. Wichtige Persönlichkeiten
Papst Urban II.,
Bernhard von Clairvaux,
Gottfried von Bouillon,
Balduin von Boulogne,
Friedrich I. Barbarossa,
Richard I. Löwenherz,
Konrad von Montferrat,
David IV. der Erbauer,
Zengi,
Nur ad-Din,
Saladin (Salah ad-Din). 20. Siehe auch
Kreuzfahrerstaaten
Kreuzfahrerburg
Ritterorden 21. Die Chronisten des Ersten Kreuzzugs auf christlicher Seite
Albert von Aachen
Robert der Mönch
Der Autor der Gesta Francorum
Raimund von Aguilers: ein Kleriker aus Frankreich, stand dem Anführer der Provenzalen (Südfranzosen) Raimund von Toulouse nahe.
Fulcher von Chartres: ebenfalls Kleriker, politisch aber weit besser informiert als seine Kollegen, stand Papst Urban II. und seiner Reformpolitik nahe. Er beendete seine Niederschrift um 1100.
Anna Komnena: Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I., nannte die Kreuzfahrer Hoi Keltoi (Kelten). Beendete ihre Niederschrift um 1118.
Lambert von Arras: schrieb sehr detailliert über die Dekrete von Clermont.
Wilhelm von Tyrus
Ekkehard von Aura
Odo von Deuil
Gottfried von Villehardouin
Jean de Joinville 22. Die Chronisten auf muslimischer Seite
Ibn al-Qalanisi
Usama Ibn Munqidh
Ibn al-Athir
Abu Shama
Abu l-Fida
Ibn Kathir
Maqrizi
Abu l-Mahasin Ibn Taghribirdi 23. Literatur
Weiterführende Informationen zu diesem Thema: Kreuzzug/Bibliografie
Peter Milger: Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes. München 52000. ISBN 3-572-01169-8
(Reichlich illustrierte Einführung. Es ist das Begleitbuch zu einer Fernsehserie des Hessischen Rundfunks. Nicht fachwissenschaftlich!)
Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. München 32001. ISBN 3-423-30175-9
(Standardwerk aus den 50er Jahren, auf hohem literarischen Niveau verfasst. Teils jedoch romantisierend.)
Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge. 10. Aufl., Stuttgart 2005. ISBN 3-170-18679-5
(Bewährtes Standardwerk von einem der führenden Historiker auf diesem Gebiet.)
Emmanuel Sivan: L'Islam et la Croisade. Idéologie et propagande dans les réactions musulmanes aux Croisades. Paris 1968.
Peter Thorau: Die Kreuzzüge. München 2004. ISBN 3-406-50838-3 (Knappe und günstige Einführung.) 24. Weblinks
Wiktionary: Kreuzzug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Das Standardwerk von Setton, A History of the Crusades frei zugänglich!
Laiou/Mottahedeh (Hgg.), The Crusades from the Perspective of Byzantium and the Muslim World Quellenauszüge (englisch)
Linkliste (Teil der Virtual Library History)
Die Thematisierung der Kreuzzüge im Orient
Kreuzzüge sollen rehabilitiert werden - Eine Konferenz in einer katholischen Hochschule in Rom tritt in den Kulturkampf ein und verbindet die Kreuzzüge mitsamt dem christlichen Märtyrertum mit der Gegenwart des muslimischen Dschihad Telepolis 25. Anmerkungen
Hannes Möhring, König der Könige, Königstein i. Ts. 2004, S. 53ff.
Vgl. dazu etwa die kritischen Anmerkungen in den Rezensionen von Housleys Büchern The Avignon Papacy and the Crusades sowie The Later Crusades.
Am detailliertesten beschreibt Runciman die Geschichte der Kreuzzüge; vgl. auch Setton (Hrsg.), A History of the Crusades.
Vgl. allgemein zu den inneren Verhältnissen Mayer, Geschichte der Kreuzzüge, 10. Aufl., S. 186ff.
Der Zweite Kreuzzug war ein von der Kirche geförderter Kriegszug zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten, der durch den Verlust der Grafschaft Edessa im Jahre 1144 veranlasst wurde. Er begann 1147 und endete nach mehreren Niederlagen der Kreuzfahrer im Jahre 1149 ergebnislos.
Zwischen den in Folge des ersten Kreuzzuges gegründeten Kreuzfahrerstaaten kam es recht schnell zu Konflikten, oftmals kriegerischer Art. Zudem war das normannische Fürstentum Antiochia in ständige Kämpfe mit dem Byzantinischen Reich verwickelt, bis es im Jahre 1138 unter byzantinische Oberhoheit geriet. Die Uneinigkeit der Kreuzfahrerstaaten und ihre daraus resultierende Schwäche wurde von Emir Zengi von Mossul im Jahre 1144 dazu genutzt, Edessa zu erobern und alle Franken in der Stadt zu töten. Dadurch gerieten die verbliebenen Kreuzfahrerstaaten in Bedrängnis. Auf der anderen Seite steigerte der erste vernichtende Schlag gegen einen Kreuzfahrerstaat den Kampfeswillen der Moslems.
Diese Entwicklung ließ einen weiteren Kreuzzug notwendig erscheinen. Von dem Zisterzienser-Abt Bernhard von Clairvaux beeinflusst, rief Papst Eugen III. deshalb im Dezember 1145 zu einem zweiten Kreuzzug auf. Durch das zähe Drängen von Bernhard von Clairvaux konnten der französische König Ludwig VII. und der deutsche König Konrad III. schließlich dazu bewogen werden, diesen Kreuzzug zu organisieren und dessen Führung zu übernehmen. Bernhard von Clairvaux wandte sich gezielt an den Adel, um die Ausschreitungen der Volkskreuzzüge zu vermeiden. Mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Kreuzzugspredigt waren Bernhards Bemühungen um den Ausbau des Templerordens, des ersten christlichen Ritterordens, der 1120 in Jerusalem gegründet worden war, zunächst aber nur geringe Bedeutung hatte.
Im Mai 1147 erfolgte der Aufbruch Konrads III. in Regensburg, während Ludwig VII. wenige Wochen später von Paris aus aufbrach. Den Kreuzritterheeren folgte eine große Zahl unbewaffneter, einfacher Leute. Unterwegs kam es zu Plünderungen und Ausschreitungen, unter denen besonders die jüdischen Gemeinden zu leiden hatten. Hinter den Exzessen des Ersten Kreuzzugs blieben sie aber zurück. Ein Teil der deutschen Kreuzfahrer reiste nicht in Richtung Palästina, sondern ging gegen die slawischen Wenden vor, welche nordöstlich des Reiches siedelten. Dieser so genannte Wendenkreuzzug wurde von der Kirche als solcher anerkannt und den Teilnehmern der Ablass gewährt.
Das eigentliche deutsche Kreuzfahrerheer traf mehrere Wochen vor den Franzosen in Konstantinopel ein. Anstatt auf die französischen Kontingente zu warten, setzten die Truppen Konrads recht schnell nach Kleinasien über.
Im selben Jahr brach eine mit englischen, flämischen und deutschen Kreuzfahrern bemannte Flotte in Richtung Iberische Halbinsel auf, wo mit ihrer Hilfe die Eroberung Lissabons von den Mauren gelang.
In Kleinasien angekommen, teilte sich das Kreuzfahrerheer Konrads. Die unbewaffneten Teilnehmer des Kreuzzuges wählten eine Route entlang der kleinasiatischen Küste, während Konrad mit seinen Truppen direkt durch Kleinasien reiste. Konrads Heer wurde schnell in Kämpfe mit den türkischen Seldschuken verwickelt, die in der schweren Niederlage für die Kreuzritter im Oktober 1147 bei Doryläum gipfelten. Konrad floh mit seinen verbliebenen Truppen nach Nicäa. Ein Großteil der an der Küste entlang gereisten Kreuzfahrer wurde von den Seldschuken bei Laodikeia umgebracht.
Ungefähr einen Monat später trafen die Franzosen unter König Ludwig VII. ein und brachen gemeinsam mit den verbliebenen Truppen Konrads III. von Nicäa aus auf. Als das Kreuzfahrerheer Ende 1147 Ephesos erreicht hatte, erkrankte Konrad und reiste zurück in das sichere Konstantinopel. Die Franzosen zogen weiter und wurden bei Laodikeia von den Seldschuken angegriffen, wobei sie schwere Verluste erlitten. Die restlichen französischen Truppen kämpften sich bis zur Stadt Attaleia durch, von wo aus sie nach Antiochia übersetzten.
Konrad war inzwischen genesen und nahm im März 1148 den Seeweg nach Palästina. Im Juni 1148 traf Konrad mit Ludwig in Akkon zusammen, wo über das weitere Vorgehen beraten wurde. Edessa war von Emir Nur-ad-Din - Sohn des 1146 verstorbenen Zengi - fast vollständig zerstört worden, weshalb die Stadt als Angriffsziel ausschied. Konrad, Ludwig und König Balduin III. von Jerusalem beschlossen einen Angriff auf Damaskus, obwohl sich die Stadt gegenüber den Kreuzfahrerstaaten neutral verhielt und zu den Gegnern Nur-ad-Dins zählte. Allerdings lag die Stadt in erreichbarer Nähe und bot angesichts ihres Reichtums ein lohnendes Ziel. Die Belagerung begann im Juli 1148.
Angesichts dieser Bedrohung beschlossen die buridischen Herrscher der Stadt, ihren bisherigen Feind Nur-ad-Din um Hilfe zu bitten. Als der Emir mit einem Entsatzheer nahte, mussten die durch Wassermangel und Uneinigkeit der Befehlshaber geschwächten Kreuzfahrer die Belagerung nach nur wenigen Tagen abbrechen. Enttäuscht verließ Konrad III. im September Palästina. Im April 1149 kehrte Ludwig VII. nach Frankreich zurück, ohne etwas bewirkt zu haben.
Der unüberlegte Angriff auf Damaskus führte dazu, dass sich der Islam immer stärker zusammenschloss und die Kreuzfahrerstaaten massiver angriff, während auf christlicher Seite immer deutlicher wurde, dass sich die nationalen Interessen der Kreuzfahrer nicht mit der universalen Idee der Kreuzzüge in Einklang bringen ließen. So haben Unstimmigkeiten zwischen Ludwig VII. und Konrad III. zu einem nicht unerheblichen Teil dazu geführt, dass der zweite Kreuzzug komplett scheiterte.
Insbesondere das Bündnis Ludwigs mit dem Normannenherzog Roger II. von Sizilien sorgte für Spannungen, da Roger erst kurz zuvor Süditalien von Byzanz erobert hatte, aus Sicht von Byzanz also genauso ein Gegner war wie die islamischen Angreifer im Süden. Konrad hingegen fühlte sich als Schwager des Kaisers dem Byzantinischen Reich verbunden. Die Kreuzzugsbegeisterung sank nach dem gescheiterten zweiten Kreuzzug in Europa stark. Erst als die Bedrohung für die Kreuzfahrerstaaten immer akuter wurde und schließlich im Jahre 1187 Jerusalem wieder an die Moslems fiel, waren wieder zahlreiche Christen bereit, das Kreuz zu nehmen.
Der dritte Kreuzzug von 1189 bis 1191 der Kreuzritter.
Der Dritte Kreuzzug (1189-1192) war ein von der Kirche geförderter Kriegszug zur Rückeroberung Jerusalems von Sultan Saladin. Der Kreuzzug wurde von Philipp II. von Frankreich, Richard I. von England und Kaiser Friedrich I. angeführt und erreichte lediglich die Eroberung der Stadt Akkon durch die Kreuzfahrer. Kaiser Friedrich I. kam im Verlauf des Kreuzzuges ums Leben.
Richard Löwenherz im Zweikampf mit Saladin. Englische Darstellung, um 1340
Nach dem gescheiterten zweiten Kreuzzug gerieten die Kreuzfahrerstaaten immer stärker in Bedrängnis. Im Jahre 1154 eroberte Nur ad-Din, Emir von Mossul aus der Dynastie der Zengiden, das Emirat Damaskus, wohin er seinen Hauptsitz verlagerte. Im Jahre 1169 schickte Nur ad-Din den kurdischen Feldherren Saladin und dessen Onkel als Truppenführer eines Feldzuges gegen die Kreuzfahrer nach ägypten. Der Feldzug endete mit der Beseitigung des schiitischen Fatimiden-Kalifats von Kairo durch Saladin im Jahre 1171, nachdem der Kalif verstorben war. Eigenmächtig ernannte sich Saladin zum Sultan von ägypten und begründete die Dynastie der Ayyubiden.
Dadurch kam es zu schweren Konflikten mit Nur ad-Din, welcher aber 1174 starb. Daraufhin besetzte Saladin Damaskus und große Teile Syriens. 1183 gelang ihm die Einnahme Aleppos, drei Jahre später eroberte er Mossul. Nachdem Saladin seine moslemischen Feinde besiegt hatte, wandte er sich den Kreuzfahrerstaaten zu, die sich nun in seiner Umklammerung befanden. Mit einem großen Heer zog er Richtung Palästina, wo er am 4. Juli 1187 in der Schlacht bei Hattin ein Kreuzfahrerheer vernichtend schlug. Nach dieser Schlacht entriss Saladin den Kreuzfahrern nahezu ungehindert Städte wie Akkon und eroberte einen Großteil des Königreichs Jerusalem. Am 2. Oktober nahmen Saladins Truppen nach kurzer Belagerung Jerusalem ein, wobei sie die Christen, die gefangengenommen wurden, milde behandelten.
Die Kreuzfahrer kontrollierten nun nur noch Tyros, Tripolis und Antiochia, die Saladin im folgenden Jahr ebenfalls angriff. Die Nachricht von der Eroberung Palästinas durch Saladin löste in Europa große Bestürzung aus, was auch die Todesursache von Papst Urban III. gewesen sein soll. Die Forderung nach einem neuen Kreuzzug wurde schnell laut. Im Oktober rief Papst Gregor VIII. zum dritten Kreuzzug auf. Als Gregor nach nur zwei Monaten im Pontifikat starb, übernahm sein Nachfolger Clemens III. das Propagieren des Kreuzzugs.
Als erster Herrscher zeigte sich im Jahre 1187 Wilhelm II., der normannische König Siziliens, zur Teilnahme bereit. Er schickte umgehend 50 Galeeren, die erheblich zum Erfolg der Verteidigung von Tripolis beitrugen. Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, nahm 1188 das Kreuz, gemäß seiner Vorstellung vom sakralen und universalen Charakter des Kaisertitels. Im Mai 1189 brach er mit dem vermutlich größten Kontingent, das jemals ein einzelner Fürst zu einem Kreuzzug beisteuerte, in Regensburg auf. Einige Zeit später folgten ihm der englische König Richard I. und der französische König Philipp II., die sich im ständigen Konflikt um die englischen Lehen in Westfrankreich befanden.
Friedrich wurde von mehreren Vertretern des deutschen Hochadels begleitet, darunter auch Leopold V. von österreich. Das Kreuzfahrerheer Barbarossas wählte den Landweg die Donau entlang über den Balkan. In Belgrad wurde Station gemacht. Die Anzahl der ursprünglich 25.000 Kreuzfahrer hatte sich durch den Zustrom von Menschen aus österreich und Ungarn auf etwa 100.000 erhöht. Doch Konstantinopel wollte die Kreuzfahrer trotz mehrfacher Ankündigung nicht durchreisen lassen. Nach der Gefangennahme einiger Gesandter ließ Friedrich I. die Städte Adrianopel und Pelopolis einnehmen. Jetzt lenkte der byzantinische Kaiser Isaak II. ein und stellte Schiffe, Sklaven sowie Lebensmittel zur Verfügung, damit die Kreuzfahrer über den Bosporus setzen konnten. Die Kreuzfahrer bahnten sich einen Weg durch Kleinasien.
Ab Laodicea befanden sie sich in moslemischem Gebiet, wo sie von den türkischen Seldschuken angegriffen wurden. In der gebirgigen Landschaft gab es wenige Lebensmittel, Krankheiten brachen aus, der Transport von Material erwies sich als zunehmend schwieriger. Im Mai 1190 gelang dem Kreuzfahrerheer ein Sieg über die Seldschuken in der Schlacht bei Iconium, doch am 10. Juni ertrank Friedrich I. in Kilikien beim Bad im Fluss Saleph (heute: Göksu) im Königreich Armenien. Von seinem Leichnam wurde sein Fleisch in Antiochia, seine Gebeine in Akkon und sein Herz und seine Innereien im Heiligen Römischen Reich begraben. Ein großer Teil des Heeres kehrte demoralisiert nach Hause zurück, während die verbliebenen Kreuzfahrer unter Führung von Friedrichs Sohn, Herzog Friedrich V., auf dem Landweg nach Palästina weiterreisten. Im Oktober 1190 erreichten die Reste von Kaiser Friedrichs Kreuzfahrerheer Akkon.
Nachdem sie durch die Einführung einer Sondersteuer in ihren Königreichen die finanziellen Mittel für einen Kreuzzug aufwenden konnten und kriegerische Konflikte miteinander beigelegt hatten, brachen Richard I. von England und Philipp II. von Frankreich im Juli 1190 nach Palästina auf. über den Seeweg erreichten beide Ende des Jahres Sizilien, wo sie überwinterten. Philipp setzte die Reise direkt nach Palästina fort. Richards Schiffe gerieten in einen Sturm und landeten teils auf Zypern, wo die Ritter, Richards Mutter und seine Frau, von Fürst Isaak Komnenos gefangengenommen wurden, während es Richard mit dem Rest seiner Streitmacht zunächst nach Rhodos verschlug.
Als er von der Gefangennahme der Kreuzfahrer erfuhr, brach er mit seinen Schiffen nach Zypern auf. Zypern hatte jahrhundertelang zum byzantinischen Reich gehört, bis es im Jahre 1184 unter Isaak Komnenos seine Unabhängigkeit erlangte. Richard eroberte schnell große Teile der Insel und belagerte die Hauptstadt. Isaak Komnenos verlangte, daß ihn Richard nicht in Eisen legen dürfe. Richard willigte ein, zog in die Stadt ein und legte ihn und seine Tochter in Goldketten. Zypern sollte später zu einem weiteren Kreuzfahrerstaat werden. Im April 1191 traf Philipp mit seinen Truppen in Tyros ein, knapp sieben Wochen später folgte Richards Heer. Das primäre Ziel der Kreuzfahrer war Akkon, das seit August 1189 durch Guido von Lusignan belagert wurde (siehe: Belagerung von Akkon). Guido von Lusignan war der ehemalige König von Jerusalem, der seine verbliebenen Truppen aufgeboten hatte, um die Stadt einzunehmen, was aber am zähen Widerstand der Verteidiger scheiterte. Auch das Eintreffen der restlichen deutschen Kreuzfahrer im Oktober 1190 änderte die Lage nicht. Zudem waren die Belagerer wiederum von Truppen Saladins eingeschlossen.
Durch das Eintreffen der englischen und französischen Kreuzfahrer kam allmählich Bewegung in die festgefahrene Lage. Die Belagerung von See aus wurde durch die zusätzlichen französischen und englischen Schiffe jetzt vollständig. In der Stadt brachen Seuchen aus. Die Kreuzfahrer hatten inzwischen die Stadtmauer unterminiert, und sie drohte in den nächsten Wochen einzustürzen. Außerdem war die Wasserversorgung der Stadt abgegraben worden. Im Juli wurde mit Einverständnis Saladins die übergabe der Stadt an die Kreuzfahrer vereinbart, zudem wurde ein hohes Lösegeld für die moslemischen Bewohner ausgehandelt. Als die Zahlung nicht schnell genug erfolgte, ließ am 22. August 1191 Richard 2700 muslimische Gefangene durch Enthauptung töten. Saladin war außer sich vor Zorn.
Er ließ seine Truppen auf Akkon marschieren und griff die inzwischen instandgesetzten Mauern zweimal an. Dann befahl er den Rückzug in Richtung Jerusalem, um seine Truppen für eine Verteidigung der Stadt aufzusparen. Das Kreuzfahrerheer blieb aber in Akkon und verfolgte die moslemischen Truppen nicht. Stattdessen stritten sie, wer der zukünftige König von Jerusalem werden sollte. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss: Zuerst sollte Guido von Lusignan und nach seinem Tod Konrad von Montferrat König werden. Philipp II. reiste daraufhin erbost ab.
Richard führte den Kreuzzug weiter und errang mit seinen zahlenmäßig überlegenen Truppen mehrere Siege über Saladin. Es gelang ihm, einen Küstenstreifen zwischen Tyros und Jaffa bis nach Askalon zu erobern. Er ließ dort die von den Moslems zerstörte Stadtmauer wieder aufbauen. Es gibt Berichte von Zeitgenossen, die gesehen haben wollen, wie er selbst Hand anlegte, um die Stadtmauern aufzubauen. Als Leopold V. eine persönliche Teilnahme an den Befestigungsarbeiten verweigerte, ließ Richard Löwenherz die österreichische Fahne durch den Dreck ziehen. Leopold V. zog daraufhin mit seinen Truppen ab.
Richard Löwenherz zog weiter Richtung Jerusalem. Am Eingang des Hebrontales machte er halt und ließ ein Lager errichten. Bald kam es zu Spannungen zwischen den französischen und den englischen Mitgliedern seiner Streitmacht, und die Kreuzfahrer plünderten die Umgebung. Als Richard darauf hingewiesen wurde, dass am Horizont Jerusalem liege, soll er gesagt haben: „Wer Jerusalem nicht einnehmen kann, der soll es auch nicht schauen.“
Bald darauf brach er den Zug nach Jerusalem ab und zog sich in Richtung Jaffa zurück. Saladin jubelte und schickte ihnen einige Bogenschützen hinterher.
Richard lief die Zeit davon. Er erfuhr, dass sich sein jüngster Bruder Johann in England zu einem Usurpator entwickelte und dass Philipp II. die englischen Lehen in Frankreich angriff. Aufgrund dieser Entwicklungen und vor allem aufgrund seiner Niederlage vor Jerusalem strebte Richard Waffenstillstandsverhandlungen mit Saladin an.
Am 2. September 1192 kam es tatsächlich zu einem Abkommen zwischen den beiden Herrschern, welches die Eroberungen Richards an der Küste Palästinas bestätigte; Askalon wurde wieder geschleift, und christlichen Pilgern wurde der Besuch Jerusalems ermöglicht. Außerdem einigten sich die beiden Herrscher auf einen dreijährigen Waffenstillstand. Richard belehnte Guido von Lusignan mit Zypern und verließ Ende September Palästina, womit der Dritte Kreuzzug beendet war. Als er auf der Rückreise durch österreich kam, ließ ihn Leopold gefangennehmen und lieferte ihn schließlich an Kaiser Heinrich VI. aus. Erst nach der Zahlung eines hohen Lösegeldes und dem Lehnseid auf Heinrich wurde Richard 1194 freigelassen.
Der Dritte Kreuzzug hatte sein Ziel, die Rückeroberung Jerusalems, verfehlt. Die Präsenz der Kreuzfahrer im Nahen Osten wurde aber durch die Errichtung des Kreuzfahrerstaates Zypern und die Wiedererrichtung des Königreichs Jerusalem – mit Akkon als neuer Hauptstadt – vorläufig gesichert. Bereits während der Belagerung von Akkon gründeten deutsche Kreuzfahrer eine Bruderschaft zur Krankenpflege, aus der sich im Jahre 1198 der Deutsche Orden mit Sitz in Akkon entwickelte. Der dritte Kreuzzug zeigte am deutlichsten, dass sich die nationalen Interessen der teilnehmenden Herrscher nicht mit der Idee vom gemeinsamen Kampf der Christen vereinen ließen.
Der Vierte Kreuzzug, der von 1202 bis 1204 unter Beteiligung hauptsächlich französischer Ritter und der Republik Venedig stattfand, hatte ursprünglich die Eroberung ägyptens zum Ziel. Trotz heftiger Einwände des Papstes und gänzlich zuwider dem Kreuzzugsgedanken wurde stattdessen das christliche Konstantinopel eingenommen und geplündert. Das Ereignis vertiefte die sich ohnehin bereits abzeichnende Spaltung von griechischem Osten und lateinischem Westen um ein Vielfaches.
Mitte des 12. Jahrhunderts war beinahe ein Siebtel der über eine halbe Million Einwohner Konstantinopels „lateinischer“ (westeuropäischer) Herkunft. Es waren zum größten Teil Händler aus den Seerepubliken Amalfi, Genua, Pisa und nicht zuletzt der Republik Venedig. Diese Händler hatten Privilegien, die die byzantinische Regierung einst in Notzeiten den Italienern hatte zugestehen müssen, im Gegenzug für militärische Unterstützung. Die Bevorteilung der „Lateiner“, ihre anmaßende Art und noch dazu ihre fortwährend untereinander ausgetragenen Feindseligkeiten schürten Hass in der byzantinischen Bevölkerung.
Anfang des Jahres 1171 kam es zu Ausschreitungen, bei denen das Viertel der genuesischen Kaufleute im Stadtteil Pera, auf der gegenüberliegenden Seite des Goldenen Horns, zerstört wurde. Die Täterschaft wurde nie geklärt, dennoch beschuldigte Kaiser Manuel I. Komnenos die Venezianer. In Folge dessen wurden am 12. März 1171 im gesamten Reich alle Kaufleute Venedigs verhaftet, eingekerkert und ihr Besitz konfisziert. Nur wenige konnten fliehen.
Die Serenissima fasste die Verhaftungswelle als Kriegserklärung auf. Noch im Sommer wurde eine Kriegsflotte mit 120 Schiffen ausgerüstet, die unter dem Kommando des Dogen Vital II. Michele im September 1171 in See stach. Die Flotte umrundete den Peloponnes und traf bei Euböa auf byzantinische Diplomaten, die um Verhandlungen baten. Vital Michele ging darauf ein, schickte eine Gesandtschaft nach Konstantinopel und überwinterte mit der Flotte auf Chios. Als die Gesandten im Frühjahr 1172 aus Konstantinopel zurückkehrten, war klar, dass Manuel Komnenos gar nicht daran dachte, seine Haltung zu ändern.
Die angeblichen Verhandlungen nutzte er als Vorwand, um Zeit für den Ausbau der byzantinischen Verteidigungslinie zu schinden. Die venezianischen Diplomaten hatte er schimpflich behandelt, vermutlich wurde der zur Gesandtschaft gehörende Enrico Dandolo auf dieser Mission geblendet. Einen Angriff auf Byzanz konnte es allerdings nicht mehr geben, denn auf den überfüllten Schiffen war im Winter 1171/72 die Pest (?) ausgebrochen und hatte Tausende dahingerafft. Die wenigen überlebenden waren nicht mehr zur Kriegsführung im Stande. Die gesamte Expedition endete im Desaster, gedemütigt kehrte Vital Michele nach Venedig zurück, wo er dem Volkszorn zum Opfer fiel.
Das Verhältnis zwischen den einstigen Verbündeten Byzanz und Venedig wurde durch diese Ereignisse nachhaltig zum Negativen geprägt, auch ein 1177 geschlossener Frieden zwischen den beiden Parteien änderte daran nichts. Im Jahr 1182 kam es in Folge von Wirren um die Thronfolge zur Machtergreifung des Andronikos I. Komnenos, der bis dahin im Exil an der Schwarzmeer-Küste weilte. Noch vor seiner Ankunft in Konstantinopel kam es zu einem Aufstand, bei dem nahezu die gesamte „lateinische“ Bevölkerung (noch immer waren Genuesen und Pisaner in der Stadt) ermordet und ihr Stadtviertel niedergebrannt wurde (dem so genannten „Lateinerpogrom“).
Im Jahr 1195 wurde Kaiser Isaak II. Angelos durch einen Putsch von seinem eigenen Bruder Alexios III. gestürzt. Mit seiner Thronbesteigung begann der Niedergang der kaiserlichen Autorität im byzantinischen Reich. Erst löste sich Trapezunt vom Reich, dann errichtete Leon Sgouros eine Herrschaft in Mittelgriechenland mit Zentrum Korinth.
Alexios stand den Entwicklungen hilflos gegenüber, Byzanz verlor seine Bedeutung als europäische Macht. Als sich der armenische Fürst Leo II. in Kilikien zum König des neuen Reiches von Klein- (i.S. von Neu-) Armenien erklärte, forderte er seine Anerkennung nicht etwa vom nahen Kaiser in Byzanz, sondern vom römisch-deutschen Kaiser Heinrich VI. sowie von Papst Coelestin III.. Noch verhängnisvoller als der Verlust an Einfluss wurde für Byzanz die Einbuße seiner Seeherrschaft.
Nachdem ein Großteil der kaiserlichen Flotte 1186 von den Normannen vor Zypern vernichtet wurde, besaß das Byzantinische Reich noch 20 Schiffe. Mit dieser Flotte vermochte man nicht einmal das Marmarameer frei von Piraten zu halten. In Folge dessen ging der Seehandel, die Haupteinnahmequelle Konstantinopels, drastisch zurück.
Ab 1195 verfolgte der römische Kaiser Heinrich VI. einen Kreuzzugsplan, der vermutlich zur Ausdehnung seiner Herrschaft auf den gesamten östlichen Mittelmeerraum dienen sollte. Allerdings starb Heinrich 1197 im Alter von 32 Jahren, als er in Messina seine Kreuzzugsflotte sammelte.
Der Kreuzzug
Im August 1198 rief Papst Innozenz III. ohne besonderen Anlass (wie etwa der Niederlage bei Hattin als Auslöser für den Dritten Kreuzzug) zum erneuten Kreuzzug auf. Er konzentrierte sich mit seiner Kreuzzugspredigt zunächst auf Nordfrankreich und beabsichtigte, vor allem kleinere Machthaber zu werben (vgl. Erster Kreuzzug, der einzig wirklich erfolgreiche).
Zu den ersten, die - nach einer Predigt Fulkos von Neuilly - das Kreuz ergriffen, zählten Theobald von der Champagne, Ludwig von Blois, Balduin von Flandern und Hennegau sowie Hugo IV. von St. Pol. Anscheinend war man sich von Vornherein darüber einig, den Seeweg ins Heilige Land zu nehmen, weshalb Gesandte (unter ihnen Gottfried von Villehardouin, der Chronist des Vierten Kreuzzugs) zu Verhandlungen in die großen italienischen Hafenstädte geschickt wurden.
Nach einiger Zeit einigte man sich mit Venedig, das sich bereit erklärte, den Transport von etwa 33.000 Mann zu organisieren, und ebenso eine eigene Flotte mit 50 Galeeren auszurüsten. Als Bezahlung handelte der greise Doge Enrico Dandolo 85.000 Silbermark sowie die Hälfte des zu erobernden Gebiets aus. Am 29. Juni 1202 plante die Flotte in See zu stechen.
Offizielles Ziel des Kreuzzugs war wie eh und je Jerusalem, aber in einem geheimen Zusatzprotokoll einigten sich die Kreuzfahrer auf eine Einnahme ägyptens. Militärisch sicherlich richtig, plante man dadurch, das Rückzugsgebiet der Araber vor dem eigentlichen Angriff auf das Hauptziel zu erobern.Vermutlich hätte sich Palästina ohne ägypten ohnehin nicht halten können. Nachdem sich noch Bonifatius von Montferrat angeschlossen hatte und zum offiziellen Anführer gewählt wurde, konnte der Kreuzzug beginnen.
Für Venedig war das gesamte Unternehmen ein hochriskantes Wagnis. Die Serenissima stellte über 200 Schiffe zur Verfügung, neugebaute und von der eigenen Handelsschifffahrt abgezogene. Nichts davon konnte im Voraus von den Kreuzfahrern bezahlt werden. Bei einem Fehlschlag der Expedition drohte ein Bankrott der Lagunenstadt. Als schließlich nur ein Drittel der erwarteten 30.000 Kreuzfahrer zum Abfahrtstermin erschienen, ahnten die Venezianer ein Scheitern des Unternehmens.
Sie verlangten weiterhin die vertraglich zugesicherte Entlohnung, die die Kreuzfahrer zu diesem Zeitpunkt nicht zahlen konnten, und so einigte man sich darauf, die dalmatinische Stadt Zara einzunehmen. Nach zweiwöchiger Belagerung hatte man die Stadt Ende November 1202 eingenommen. Die Beute der Eroberung wurde mit den Schulden der Kreuzfahrer verrechnet. Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit überwinterte man in Zara.
Ende Dezember traf eine Gesandtschaft des deutschen Königs Philipp von Schwaben und mit ihr der byzantinische Prinz Alexios Angelos, Sohn des gestürzten Isaak II., ein. Sie schlugen den Kreuzfahrern vor, gegen Byzanz zu ziehen. Alexios, der sich als rechtmäßiger Erbe des Reiches fühlte, versprach den Rittern die ungeheure Summe von 200.000 Silbermark, die Versorgung des Kreuzfahrerheeres für ein Jahr sowie eine Armee von 10.000 Mann als Unterstützung bei der Rückeroberung Jerusalems. Wie schon bei der Eroberung Zaras waren die Meinungen, ob man diese Angebot annehmen sollte, zweigeteilt. Viele weigerten sich und verließen das Kreuzfahrerheer. Die wichtigsten Anführer, darunter Bonifatius von Montferrat, Ludwig von Blois, Balduin von Flandern und Hennegau sowie Hugo von St. Pol, stimmten jedoch zu.
Als Papst Innozenz III. von dem Vorhaben erfuhr, verbot er den Kreuzfahrern in einem Brief ausdrücklich den Krieg gegen Christen. Im Nachhinein verurteilte er auch den Angriff auf Zara, und strafte die Venezianer, die er als Ideengeber sah, mit der Exkommunikation. Der Brief wurde von den Anführern des Kreuzzuges abgefangen, so dass man im April 1203 von Zara aufbrach.
Zunächst segelte man nach Dyrrhachion, wo Alexios als rechtmäßiger Kaiser empfangen wurde. In Korfu zeigte sich erster Widerstand der Bevölkerung, als sie von der Absicht der Kreuzfahrer erfuhren. Am 24. Mai 1203 verließ man die Insel und erreichte über Euböa die Dardanellen, wo die Stadt Abydos eingenommen wurde. Anschließend segelte man nach Konstantinopel, das man am 24. Juni 1203 erreichte. Es begann eine Zeit der Verhandlungen, obwohl schnell klar war, dass Alexios III. nicht ohne weiteres abdanken würde. Die Thronansprüche Alexios’ IV. mussten militärisch erzwungen werden.
Die ersten kleineren Gefechte zu Land und zu Wasser blieben wirkungslos. Die angegriffenen und somit bereiten Byzantiner sperrten wie üblich die Einfahrt zum Golden Horn mit einer Kette. Den Venezianern und restlichen Kreuzfahrer gelang es allerdings, die Sperre zu durchbrechen, und die Kreuzfahrer lagerten nun direkt vor der Stadt. Die Venezianer konzentrierten sich in einem ersten Angriff am 17. Juli 1203 auf die Schwachstelle der Festung Konstantinopel, nämlich die vergleichsweise leicht befestigte Seemauer zum Goldenen Horn.
Es gelang ihnen, von Türmen auf ihren Schiffen aus einen Abschnitt der Mauer zu stürmen und erstmals zu erobern. Das französische Heer, Frankenheer genannt, die im Westen die Theodosianische Landmauer angriff, musste sich allerdings zurückziehen und wurde von den Truppen Alexios’ III. verfolgt. In Erwartung einer Schlacht zogen sich die Venezianer vom eroberten Mauerabschnitt zurück, nachdem sie in den angrenzenden Stadtvierteln Feuer gelegt hatten. Doch zu einer offenen Schlacht kam es nicht, der byzantinische Kaiser zog sich in seine ziemlich sichere Hauptstadt zurück.
Obwohl die Lage alles andere als aussichtslos erschien, packte Alexios III., der zu dem Zeitpunkt über Byzanz herrschende Kaiser, in Panik einige seiner Schätze zusammen und floh nach Thrakien. Damit brach der Widerstand der Belagerten zusammen. Der blinde, seit seiner Entmachtung eingekerkerte Isaak II. wurde von den Byzantinern wieder auf den Thron gesetzt. Ein geschickter Schachzug, denn nun gab es keinen Grund für weitere Kämpfe. Isaak II. erkannte die durch seinen Sohn Alexios, der darüber hinaus am 1. August zum Mitkaiser ernannt wurde, gegenüber den Kreuzfahrern gemachten Versprechen an. Bis zur Erfüllung eben jener blieben die Franken und Venezianer vor der Stadt und planten den Feldzug gegen das eigentlich Ziel der Unternehmung, Ägypten.
Die Kreuzfahrer warteten nun auf die Erfüllung der ihnen gemachten Versprechungen. Doch Isaak II. sah sich außer Stande, seine Schulden zu begleichen,oder überhaupt das versprochene Heer für die Eroberung Palästinas aufzustellen. Und so blieben die „Lateiner“ in Konstantinopel, und mit jedem weiteren Tag stieg die Unruhe. Es kam zu wiederholten über- und Angriffen von Byzantinern auf Kaufleute aus Genua und Pisa, die daraufhin ihre Stadtviertel verließen und ins Lager der Kreuzfahrer flüchteten.
Es wurden Versuche unternommen, die venezianische Flotte mit Brandern zu attackieren,was allerdings erfolglos blieb. Die Franken zogen ihrerseits marodierend durch die Stadt. Die Unbeliebtheit des unfähigen Herrscherduos Isaak II. und Alexios IV. wuchs. Im Januar 1204 erklärte sich der Anführer der byzantiner Partei, Alexios V. Murtzouphlos, zum neuen Kaiser. Sein Vorgänger Alexios IV. wurde getötet, und auch Isaak II. starb wenig später durch ungeklärte Umstände, wahrscheinlich jedoch durch einen Angriff, Alexios des V.,der sich jegliche Zahlung an die Kreuzfahrer verweigerte und sie anwies, unverzüglich seine sich selbsterklärte Stadt und sein selbsterklärtes Reich zu verlassen.
Die Kreuzfahrer waren ganz und gar nicht bereit, ohne Beute in die Heimat zurückzukehren. Nun hatten sie sogar ein Motiv und Ziel, die christliche Stadt anzugreifen, nämlich die wortbrüchigen Griechen durch eine lateinische Herrschaft zu ersetzen. Der Sturmangriff auf Konstantinopel wurde sorgsam vorbereitet. Ein Brief des Papstes, der wiederum ein Verbot eines solchen Angriffs aussprach, wurde von den venezianischen Oberen abgefangen.
Im März 1204 unterzeichneten die teilnehmenden Mächte einen Vertrag (den so genannten Partitio Terrarum Imperii Romaniae) über die Aufteilung von Beute und byzantinischem Gebiet für den Fall des Sieges.
Demnach sollten die Venezianer drei Viertel, die Kreuzfahrer ein Viertel der Beute erhalten, bis die Schulden der Franken getilgt waren. Alles weitere an Beute sollte eins zu eins geteilt werden. Ebenso vereinbarte man, dass der zukünftige lateinische Kaiser von je sechs venezianischen und fränkischen Wahlmännern berufen werden sollte. Des Weiteren sollte die Partei, die nicht den Kaiser stellt, im Gegenzug einen der ihren zum Patriarchen ernennen dürfen.
Zu einem ersten ernsthaften Angriff auf die Mauern Konstantinopels kam es am 9. April 1204. Die von Alexios V. verstärkten Seemauern am Goldenen Horn hielten den Attacken der Venezianer diesmal stand. Auch nach mehreren Stunden erzielte man keinen Erfolg, so wurden Mann und Gerät gegen Abend wieder von den Mauern abgezogen und auf die andere Seite des Goldenen Horns gebracht. Am 12. April folgte der nächste Angriff. Diesmal gelang die Erstürmung einiger Türme der Seemauer. Die Angreifer öffneten nach harten Kämpfen von innen eines der Stadttore und konnten sich im Hafenviertel dicht hinter der Mauer festsetzen. Erneut setzten sie einige Häuser in Brand und lösten damit eine Feuersbrunst aus.
Doch der Kampf war keineswegs entschieden, denn nach wie vor kontrollierten die Byzantiner den Großteil der Stadt. In der Nacht zum 13. April jedoch ergriff Alexios V. eilig die Flucht, woraufhin der geordnete Widerstand in der Stadt zusammenbrach. Der flüchtige Kaiser wurde gefasst, anschließend erst geblendet, dann getötet. Die Kreuzfahrer hatten erneut die Kontrolle über die Stadt.
Es begann eine drei Tage andauernde Plünderungswelle, bei der viele Einwohner misshandelt, vergewaltigt oder getötet wurden. Jahrhunderte alte Kunstschätze wurden geraubt, wertvolle Ikonen und Mosaike zerstört sowie dutzende Reliquien aller Art entwendet und in Folge dessen über ganz Europa zerstreut.
So berichtet der Ritter und Augenzeuge Robert de Clari über die Erstürmung des alten Kaiserpalastes am Bukoleon-Hafen von der Reliquienkapelle der byzantinischen Herrscher: Selbst die Türangel und Riegel „waren hier aus Silber, und dann gab es da keine Säule, die nicht aus Jaspis oder Porphyr oder aus reichen Edelsteinen war.
In dieser Kapelle fand man ganz reiche Reliquien, denn man fand da zwei Stücke vom wahren Kreuz Christi, so groß wie das Bein eines Mannes und ungefähr so lang wie ein halber Klafter, ... auch das Eisen der Lanze, mit der unser Herr in die Seite gestochen wurde, zwei Nägel, die durch die Mitte seiner Hände und die Mitte seiner Füße geschlagen wurden, die Tunika, die er trug und die von ihm genommen wurde, als sie ihn auf den Kalvarienberg führten und ...die gesegnete Krone, mit der er gekrönt worden ist“ (siehe Dornenkrone und Kreuz Christi).
Im Gegensatz zu den Franken, die wahllos Goldschmuck zusammenrafften und einschmolzen, schickten die Venezianer Suchtrupps aus Kunstexperten durch die Stadt, die die wertvollsten Gegenstände sicherstellten. Viele dieser Stücke schmücken noch heute den Dogenpalast in Venedig. Der Gesamtwert der Beute wird auf etwa 900.000 Silbermark geschätzt, was heute wahrscheinlich mehreren hundert Millionen Euro entsprechen würde.
Vertragsgemäß wurden die gewonnenen Gebiete zerstückelt und unter den Siegern aufgeteilt. Ein Rumpfgebiet des einstigen Byzantinischen Reichs wurde zum Lateinischen Kaiserreich. Dessen erster Kaiser, Balduin von Flandern und Hennegau, hatte allerdings nur noch die leere Ruine der einst prächtigsten Metropole der Christenheit zur Hauptstadt. Das Lateinische Königreich Thessalonike im Osten Nord- und Mittelgriechenlands sowie diverse Fürsten- und Herzogtümer auf der Peloponnes und der ägäischen Inselwelt unterstanden formal ebenfalls dem lateinischen Kaiser in Konstantinopel. Kreta, Euböa und ein kleiner Teil der Peloponnes (Modon, Koron und Monembasia) gingen als Kolonie an Venedig.
Einige andere Gebiete wurden jedoch von Nachfolgestaaten des Byzantinischen Reichs in Besitz genommen, so etwa das Despotat Epiros im Nordwesten Griechenlands, das Kaiserreich Trapezunt mit Alexios I. Komnenos an der Spitze, und das Kaiserreich Nikaia mit Theodor I. Laskaris. Dem Lateinischen Kaiserreich mangelte es bereits bei der Gründung an jeglicher militärischer Stärke, schon knapp ein Jahr nach der Einnahme Konstantinopels unterlag Kaiser Balduin I. den Bulgaren unter Kalojan in der Schlacht von Adrianopel.
Einem Nachfolger Theodors I. von Nikaia, Michael VIII. Palaiologos, gelang im Jahr 1261 die Rückeroberung Konstantinopels im Handstreich. Das Byzantinische Reich vermochte allerdings nie mehr den alten Glanz, den es vor dem Vierten Kreuzzug hatte, wieder herzustellen. Das „Bollwerk“ Byzanz, das Europa über 500 Jahre vor der Expansion der Muslime schützte, hatte nun jede Widerstandskraft verloren. Für die Osmanen war die Einnahme Konstantinopels im Laufe des 15. Jahrhunderts nur eine Frage der Zeit. Die anschließende Eroberungswelle kam nach den Schlachten auf dem Amselfeld, bei Nikopolis und Mohács sowie der Eroberung von Konstantinopel erst bei der ersten Wiener Türkenbelagerung zu einem Stillstand.
Durch die Gräueltaten bei der Plünderung Konstantinopels blieb das Verhältnis der orthodoxen Christen zu Westeuropa teilweise bis in die heutige Zeit gestört. Obwohl der Papst die Ereignisse des Vierten Kreuzzugs im Nachhinein auf schärfste verurteilte, wurde der Graben zwischen katholischer und orthodoxer Kirche, der seit dem 11. Jahrhundert bestand, nun unüberwindbar, da theologische Einigungsversuche nach solchen Erfahrungen mit den Katholiken, für die orthodoxe Bevölkerung nicht mehr akzeptabel waren. Dies gilt auch für Russland, das sich nach dem Vierten Kreuzzug und durch die im 13. Jahrhundert ebenfalls erfolgte mongolische Eroberung von Europa abwandte.
Der fünfte bis siebente Kreuzzug von 1228 bis 1270
Der fünfte bis siebente Kreuzzug von 1228 bis 1270
Der gescheiterte Kreuzzug 1217–1221, auch als Kreuzzug von Damiette bezeichnet, wird bei den meisten Zählungen der großen Orientkreuzzüge nicht mitgezählt. Bei anderen erscheint er als der Fünfte Kreuzzug. Dadurch verschiebt sich die Zählung der nachfolgenden Kreuzzüge um eine Stelle.
Bereits unter Innozenz III. wurde auf dem Vierten Laterankonzil ein allgemeiner Kreuzzug beschlossen.
Der deutsche König Friedrich II. gelobte anlässlich seiner Krönung 1215 die Teilnahme, schob sie dann aber mehrfach auf, was zu Spannungen mit dem Papst führte. Papst Honorius III. legte den Beginn des Kreuzzugs auf den 1. Juni 1217 fest. Zu diesem Zeitpunkt brachen König Andreas II. von Ungarn und Herzog Leopold VI. von österreich in Richtung Palästina auf. Johann von Brienne, der seit 1210 König von Jerusalem war, stellte sich an die Spitze der Kreuzritter. Man beschloss ägypten anzugreifen. Der Herrscher über das Ayyubiden-Reich war damals al-Adil I., der Bruder von Sultan Saladin.
Vor ihrem Angriff auf ägypten hatten die Kreuzfahrer ein Bündnis mit den muslimischen Rum-Seldschuken geschlossen, die das Ayyubidenreich gleichzeitig in Syrien angreifen sollten.
Im April 1218 erreichte die Kreuzfahrerflotte unter Johann von Brienne die ägyptische Hafenstadt Damiette und begann mit der Belagerung. Damiette war strategisch deshalb wichtig, weil man von der vorgelagerten Befestigung aus mit einer schweren Kette den einzigen befahrbaren Nil-Arm versperren konnte. Die Einnahme dieser Befestigung gelang im August 1218.
Drei Tage später starb Sultan Al-Adil I.. Anstatt die Chancen, die sich aus dieser Lage ergaben, zu nutzen, verfielen die Anführer des Kreuzzugs in einen lähmenden Streit, nachdem der gerade angekommene Kardinal Pelagius von Albano als päpstlicher Legat die Führung beanspruchte. Sultan al-Kamil, der nach dem Tod seines Vaters seinen Herrschaftsanspruch gegenüber seinen Brüdern erst festigen musste, war gegenüber den Kreuzfahrern zu Verhandlungen bereit. Er bot die Rückgabe von Palästina und 30 Jahre Waffenstillstand an, doch wurde dies von Kardinal Pelagius abgelehnt.
Erst im November 1219 wurde die Stadt eingenommen und im folgenden Jahr stärker befestigt. In dieser Zeit warteten die Kreuzfahrer auf Verstärkung durch die Truppen Kaiser Friedrichs II., die jedoch nie eintrafen. Beim Vorrücken ins Nildelta wurden die Kreuzfahrer schließlich im August 1221 bei al-Mansura von frischen Truppen, die aus Syrien heranrückten, geschlagen, nachdem sie durch die Nilschwemme in ungünstiges Gelände abgedrängt worden waren. Damiette wurde nach den Verhandlungen im September wieder geräumt, und die Kreuzfahrer mussten unverrichteter Dinge abziehen.
Die Schuld am Scheitern wurde der Nichtteilnahme Kaiser Friedrichs II. gegeben, der zwar die Teilnahme versprochen hatte, durch Angelegenheiten in Sizilien jedoch daran gehindert war. Friedrich versprach im Vertrag von San Germano 1225 verbindlich, spätestens 1227 einen Kreuzzug zu unternehmen, den später so genannten Fünften Kreuzzug. Jedoch erhielt Kardinal Pelagius vom Papst Honorius III. auch schwere Vorwürfe, weil er das Verhandlungsangebot des Sultans al-Kamil nicht angenommen hatte.
Als Fünfter Kreuzzug (nach anderer Zählung: sechster Kreuzzug) wird der der Kreuzzug des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. im Jahre 1228 bezeichnet.
Geschichte
Kaiser Friedrich II. hatte sich 1225 gegenüber Papst Honorius III. zum Kreuzzug in das Heilige Land verpflichtet, hatte den Aufbruch jedoch mehrfach verschieben müssen. Als er 1227 den Kreuzzug wegen eines Seuchenausbruchs abermals verschieben musste, wurde er von Honorius' Nachfolger Gregor IX. gebannt. Dessen ungeachtet zog der Kaiser 1228 mit einer relativ kleinen Streitmacht nach Jerusalem. Dieser Kreuzzug wurde der einzig friedliche und dennoch erfolgreiche.
Friedrich war in Palermo als Enkel seines normannischen Großvaters Roger II. in einer arabisch geprägten Umgebung multikulturell aufgewachsen, wenn man seine Toleranz auch nicht überbewerten sollte: Auf Sizilien setzte Friedrich dem Islam ein Ende. Im Heiligen Land trat der gebildete und auch sprachlich versierte Kaiser mit orientalischem Pomp und seiner muslimischen Leibgarde auf und hob sich damit völlig von allen zuvor erschienenen Kreuzfahrern ab. Im September 1228 kam Friedrich in Akkon an, bereits im Februar des nächsten Jahres hatte er mit dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil einen Kompromiss ausgehandelt:
Die Christen erhielten Betlehem, Nazaret, Lydda, Sidon und Toron zurück, sowie Jerusalem mit Ausnahme der al-Aksa-Moschee und des Felsendoms, in dem es ihnen aber erlaubt wurde, Andachten zu halten (Friede von Jaffa). Am 18. März 1229 setzte sich Friedrich die Krone von Jerusalem auf, wobei es sich nicht um eine echte Krönung handelte, da er als Gebannter keine religiöse Zeremonie und Weihe empfing. Seinen Anspruch auf den Thron Jerusalems leitete er von seiner Ehe mit Isabella II. von Brienne ab, der Erbin des Königreich Jerusalem.
Ob der Friedensvertrag als Zeichen für Friedrichs Offenheit und Toleranz gegenüber den Arabern und dem Islam zu deuten ist, ist in der Forschung umstritten.[1] Der in ägypten herrschende Sultan al-Kamil hatte jedoch auch machtpolitische Gründe für die Verhandlungen, da er gerade einen Feldzug gegen seinen Bruder al-Muazzam von Damaskus vorbereitete und keine Störung durch Kreuzfahrer gebrauchen konnte. Der Ausgleich hielt nur so lange, wie wie Al Kamil am Leben war und Friedrichs Einfluss auf das Königreich Jerusalem andauerte. Die Nachfolger sorgte dafür, dass der alte Gegensatz wieder aufflammte. Schon 1244 wurde die Stadt von den Ayyubiden zurückerobert.
Der Bann gegen Friedrich II. wurde 1231 aufgehoben. Das Verhältnis zum Papsttum besserte sich jedoch kaum. Nikolaus von Bari hielt nach der Rückkehr des Kaisers vom Kreuzzug im Jahr 1229 jedoch eine flammende Predigt, in der er Friedrich als Helden und das Haus Staufen als Endkaisergeschlecht darstellte.
Dieser Kreuzzug wird manchmal als Sechster Kreuzzug gezählt, da der gescheiterte Kreuzzug 1217-1221 in diesen Zählungen als der Fünfte gilt.
Ludwig der Heilige bricht 1248 zum Kreuzzug auf. Französische Darstellung aus dem 14. Jh.
Der Sechste Kreuzzug war ein Kreuzzug, der 1248 bis 1250 durch einen Angriff auf ägypten die Kreuzfahrerstaaten entlasten sollte.
Am 17. Oktober 1244 erlitt ein Allianzheer aus den Kreuzfahrerstaaten sowie den islamischen Reichen von Damaskus, al-Kanack und Homs bei Gaza eine vernichtende Niederlage gegen Sultan as-Salih Ayyub von ägypten.
Schon wenige Tage später schickte Patriarch Robert von Jerusalem den Bischof von Beirut nach Europa, um dort für einen Kreuzzug zu werben. Der frische Zustrom an Kämpfern sollte die Verluste von Gaza kompensieren. König Ludwig IX. "der Heilige" von Frankreich setzte sich an die Spitze des Kreuzzugsheeres. Im August 1248 schiffte er sich in Aigues Mortes nach Zypern ein, wo er den Winter verbrachte. Am 5. Juni 1249 landete Ludwig IX. nahe der ägyptischen Stadt Damiette. Die Verteidiger versagten in der folgenden Schlacht vollkommen. Die Kreuzfahrer konnten die wichtige Stadt fast kampflos einnehmen.
Ludwig machte nun zwei taktische Fehler: Er begann nicht mit einer Belagerung des nahe gelegenen und schwach verteidigten Alexandria und er verzichtete auf die Verfolgung der geschlagenen ayyubidischen Armee. Erst im November stieß er ins Landesinnere vor. Dort hatte Sultan as-Salih inzwischen seine Truppen neu gesammelt. Als der Sultan in der Nacht vom 22. auf den 23. November starb und die ayyubidische Herrschaft erschüttert schien, ergriff Schadschar ad-Dur, die Witwe as-Salihs, entschlossen die Regentschaft.
Die Mamlukengarde des Sultanats stellte sich erfolgreich den französischen Kreuzfahrern entgegen, stoppte ihren Vormarsch und kesselte sie bei al-Mansura ein. Die von Kämpfen, Hunger und Krankheiten geschwächten Kreuzfahrer kapitulierten im April 1250 und begaben sich in Gefangenschaft. Schließlich schloss Ludwig einen Vertrag mit dem neuen Sultan Turan Schah, der ihm gegen die Rückgabe Damiettes und ein hohes Lösegeld den freien Abzug ermöglichte.
Für die Christen war der Sechste Kreuzzug ein gewaltiger Fehlschlag. Auf muslimischer Seite hatte er insofern Bedeutung, als die Mamluken großen Anteil am Sieg hatten. Noch 1250 ermordeten mamlukische Offiziere Sultan Turan Schah und brachten ägypten nach einer Phase des Chaos in ihre Gewalt. Diese innermuslimischen Wirren brachten den verbliebenen Kreuzfahrerstaaten eine vorübergehende Entlastung.
Den Bericht eines Zeitzeugen des Sechsten Kreuzzuges liefert Jean de Joinvilles "La Vie de Saint Louis".
Der Siebte Kreuzzug fand zunächst unter der Führung des französischen Königs Ludwig des Heiligen statt, später formal unter dessen Sohn Philipp III., tatsächlich aber unter Karl von Anjou. Ludwig war bereits beim Sechsten Kreuzzug gescheitert, auch dieses Unternehmen endete mit einer Niederlage.
Der Siebte Kreuzzug erscheint in manchen Zählungen als der Achte, da der Kreuzzug 1217–1221 als Fünfter Kreuzzug gezählt wird. Die Unternehmungen nach dem Ende der Belagerung von Tunis werden auch als Neunter Kreuzzug gezählt.
Ludwig rief 1267 zu einem Kreuzzug gegen den Mameluckensultan Baibars auf, da dieser 1265 die christlichen Reiche im Heiligen Land bis auf wenige Reste vernichtet hatte.
Sein Bruder Karl von Anjou riet ihm jedoch, zuerst Tunis anzugreifen, um eine bessere Basis für einen Angriff auf ägypten zu haben. Zwar war dieser Rat angesichts der Lage das günstigste, aber möglicherweise hat Karl auch seine eigenen Interessen als Herrscher von Sizilien und Unteritalien im Auge gehabt. Außerdem erschien der Sultan von Tunis durch seine Verbindungen zu den christlichen spanischen Reichen für eine mögliche Bekehrung geeignet.
1270 schiffte Ludwig sich von Cagliari in Sardinien ein und erreichte die afrikanische Küste im Juli zur denkbar ungünstigsten Jahreszeit. Ein großer Teil des Heeres erkrankte infolge von schlechtem Trinkwasser. Am 25. August starb auch Ludwig der Heilige selbst – einen Tag nach der Ankunft Karls von Anjou. Karl stellte den Kreuzrittern den Thronerben Philipp III. als ihren neuen Herrn vor, aufgrund der Jugend des neuen Königs und der Macht Karls wurde dieser jedoch der faktische Führer der weiteren Unternehmungen.
Aufgrund der weiter um sich greifenden Krankheiten wurde die Belagerung von Tunis am 30. Oktober durch ein Abkommen mit dem Sultan beendet. In diesem wurde Handelsfreiheit für die Christen und Aufenthaltsrecht für Priester und Mönche gewährt, so dass das Unternehmen als teilweiser Erfolg dargestellt werden konnte.
Karl von Anjou wandte sich nun zusammen mit dem inzwischen eingetroffenen Prinz Eduard von England gegen Osten. Eduard zog zur letzten Kreuzfahrerbastion Akko, um von dort Baibars anzugreifen, wurde jedoch 1271 bei Tripolis besiegt. Der Tod seines Vaters Heinrich III. im Jahre 1272 veranlasste ihn zur Rückkehr.
Karl nutzte einen Zwist zwischen König Hugo III. von Zypern sowie den Templern und Venezianern, um die Reste der Kreuzfahrerstaaten unter seiner Führung zu einen und sich eine Machtbasis zu schaffen. Er kaufte der Prinzessin Maria von Antiochien ihre Ansprüche auf das (nicht mehr existierende) Königreich Jerusalem ab und griff Hugo von Zypern an, da dieser ebenfalls den Titel des Königs von Jerusalem beanspruchte. 1277 eroberte Hugo San Severino Akkon für Karl von Anjou.
Die verbündeten Venezianer bewogen ihn, den Kreuzzug gegen Konstantinopel zu richten, wo Michael VIII. das griechische Kaisertum wiedererrichtet hatte. 1281 erteilte Papst Martin IV. die Erlaubnis; die Franzosen nahmen den Landweg über Durazzo (heute Durrës in Albanien), die Venezianer den Seeweg. Durch die Sizilianische Vesper am 31. März 1282 wurde Karl von Anjou jedoch gezwungen, den Rückmarsch anzutreten. Das waren die letzten Unternehmungen gegen Byzanz oder die Sarazenen im Nahen Osten. 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.
Im Zeitraum von 1365 bis 1369 fand unter König Peter I. von Zypern (er trug den Titel eines Königs von Jerusalem) der Kreuzzug gegen Alexandria statt.Die Eroberung Alexandrias verlief erfolgreich, doch waren die Truppen anscheinend nicht der Besetzung wegen gekommen, sondern sie verschwanden gleich wieder, kurz nachdem sie die Stadt geplündert hatten.
Wendenkreuzzug
Der Wendenkreuzzug von 1147 bezeichnet den Kreuzzug der sächsischen Fürsten gegen die Elbslawen (Wenden) im Gebiet zwischen Elbe, Trave und Oder. Es handelt sich um ein Teilunternehmen des Zweiten Kreuzzuges. Die Motive der Kreuzfahrer waren vielfältig. Neben den ideellen und religiösen Gründen waren vor allem die weltlichen Motive der Fürsten, Herrschaftsansprüche in der Grenzregion, kolonisatorische Bestrebungen und innenpolitische Machtverhältnisse im Reich, von entscheidender Bedeutung.
Die Quellen nennen als Dauer des Kreuzzuges drei Monate. Die Angaben bezüglich der Truppenstärke sind wenig glaubwürdig. So sollen 100.000 deutsche, ebenso viele dänische und 20.000 polnische Kreuzfahrer in das Wendenland gezogen sein. Auf ihrer Kleidung trugen sie ein auf einem Kreis stehendes Kreuz.
Unter den deutschen Kreuzfahrern befanden sich: Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär mit seinen Söhnen, Herzog Konrad von Zähringen, Pfalzgraf Hermann von Stahleck, Pfalzgraf Friedrich von Sachsen, Markgraf Konrad von Meißen, Hartwig von Stade, Graf Otto von Ammensleben und Graf Adolf von Holstein. Im Weiteren werden auch die mährischen Fürsten Otto Swatopluk und Wratislaw als Teilnehmer genannt. Von geistlicher Seite sind als Teilnehmer die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen und Magdeburg, die Bischöfe von Brandenburg, Halberstadt, Havelberg, Merseburg, Münster und Verden, Bischof Heinrich von Olmütz und Abt Wibald von Corvey bekannt.
Der Grenzraum zwischen dem christlichen und dem heidnischen Gebieten war vom Gegensatz der Herrschaftsverdichtung auf deutscher Seite und des Herrschaftsverfalls auf slawischer Seite gekennzeichnet. Für die deutschen Fürsten war vor allem die Stabilität im Grenzraum von Bedeutung. Deswegen unterstützten sie großräumige Herrschaftsbildungen im westslawischen Raum, wie beispielsweise das Nakonidenreich unter Heinrich von Lübeck. Eine Missionierung des Gebietes stand zu diesem Zeitpunkt nicht im Vordergrund.
Um 1127 wurde der Nakonidenherrscher Heinrich von Lübeck gestürzt. Dies führte zu einer neuerlichen Instabilität und Bedrohung der Grenze und in Folge auch zu einem Umschwung der deutschen Slawenpolitik. Die endgültige Wende in der Politik der deutschen Fürsten wurde durch den Abodriteneinfall in die Region Segeberg 1137 eingeleitet.
Der Umschwung in den deutsch-wendischen Beziehungen wurde von mehreren Faktoren vorangetrieben. Zum einen verstärkten die Propaganda und die Erfolge des Ersten Kreuzzuges das Selbstbewusstsein und das überlegenheitsgefühl der Kirche und der Christenheit gegenüber den Heiden. Dieses gesteigerte Selbstbewusstsein stand im Gegensatz zu den unsicheren Verhältnissen im Grenzraum.
Zum anderen konnte sich die Grenzregion durch eine Friedenszeit erholen, sodass es zu einer Bevölkerungszunahme, wie sie im gesamten west- und mitteleuropäischen Raum in der zweiten Hälfte des 11.&xnbsp;Jahrhunderts zu beobachten war, kam. Es gab ein gesteigertes Bedürfnis nach neuen Siedlungs- und Herrschaftsgebieten.
Zum Teil wurden auch bewusst Kolonisten aus anderen Regionen, wie beispielsweise aus den Niederlanden, zur wirtschaftlichen Entwicklung des Gebietes angesiedelt. Auf slawischer Seite wurde das Christentum verstärkt mit Knechtschaft und Fremdherrschaft gleichgesetzt. Dies führte dazu, dass Missionierungsversuche nicht greifen konnten.
Bereits 1107/08 entstand eine, an den Ersten Kreuzzug angelehnte und von Rom unabhängige, Konzeption zu einem Wendenkreuzzug. Sie blieb jedoch ohne weitere direkte Auswirkungen. In diesem Aufruf fand erstmals die Idee des Kreuzzuges, einschließlich des Gedankens der Landnahme, in Bezug auf die heidnischen Elbslawen Erwähnung.
Inhaltlicher Schwerpunkt des Aufrufes von 1107/08 ist die Beschreibung der Not der christlichen Bevölkerung und der Kirche, verursacht durch die Heiden und ihre überfälle. Eine Bekehrung der Heiden wird nicht gefordert, sondern ihre Unterwerfung zur Befreiung der Kirche und der Christen. Im Vordergrund des Interesses steht die Befreiung ehemals christlichen Landes und nicht die heidnische Bevölkerung.
Der Kreuzzug wird als Verteidigungskrieg des christlichen Landes dargestellt. „Denn dies ist unser Jerusalem, das anfangs frei war und durch die Grausamkeit der Heiden zur Magd erniedrigt wurde!“ (Urk. B. d. Erzstiftes Magdeburg I 193, S 250f. zitiert nach: Lotter 1977, 60. „Surgite, principes…et sicut Galli ad liberationem Hierusalem vos preparate! Hierusalem nostra ab initio libera gentilium crudelitate facta est ancilla….“).
Teil des Aufrufes ist auch ein doppeltes Lohnversprechen, also die Verheißung geistlichen und weltlichen Gewinns. Das Element des materiellen Lohns tritt deutlich hervor: „Wenn die Kreuzfahrer es wünschten, könnten sie das beste Land zum Siedeln erwerben. Zwar seien die Heiden schlimm, ihr Land jedoch sei reich gesegnet mit Fleisch, Honig und Mehl.“ (Urk. B. d. Erzstiftes Magdeburg I 193, S 251. zitiert nach: Lotter 1977, 60. „…Gentiles isti pessimi sunt, sed terra eorum optima carne, melle, farina…Quapropter o Saxones, Franci, Lotaringi, Flandrigene famosissimi et domitores mundi, hic poteritis et animas vestras salvificare et, si ita placet, optimam terram ad inhabitandum acquirere...").
Der Zeitraum in dem die Idee zu einem Wendenkreuzzugs aufkam, muss zwischen den Reichstagen zu Speyer Ende Dezember 1146 und zu Frankfurt Mitte März 1147gewesen sein. Am Reichstag zu Speyer gab Konrad III seine Teilnahme am Zweiten Kreuzzug bekannt. Der Reichstag zu Frankfurt diente vor allem zur Regelung der Angelegenheiten des Herrschers im Reich vor dem Aufbruch zum Zweiten Kreuzzug.
Am diesem Reichstag wurde auch über den Wendenkreuzzug verhandelt. Es ist wahrscheinlich, dass die sächsischen Fürsten dort ihre Absicht bekannt gaben, nicht in den Orientkreuzzug mitzuziehen, sondern gegen ihre heidnischen Nachbarn. Sie vertraten die Meinung, dass es genug Heidenim Grenzland gebe, gegen die sie das Kreuz nehmen könnten. Die Idee wurde von weltlichen und geistlichen Teilnehmern des Reichtages gebilligt.
Der genaue Ursprung der Idee eines Wendenkreuzzuges ist nicht bekannt. Vor allem den weltlichen Fürsten Sachsens muss an einem solchen Unternehmen sehr gelegen gewesen sein. Sie können als die Initiatoren gesehen werden. So konnten sie, ohne den beschwerlichen Weg in den Orient antreten zu müssen, ihre Pflicht als Christen nachkommen. Darüber hinaus war ein Wendenkreuzzug im machtpolitischen Interesse der sächsischen Fürsten. Vor allem den mächtigsten Fürsten Sachsens, Albrecht dem Bär und Heinrich dem Löwen, muss eine tragende Rolle zugekommen sein.
Die Idee des Wendenkreuzzuges wurde durch den Aufruf von Bernhards von Clairvaux im Reich bekannt gemacht. Bernhard von Clairvaux spielte eine zentrale Rolle im Wendenkreuzzug. Die Idee selbst stammte von den weltlichen Fürsten am Reichstag. Die Konzeption und die religiöse Begründung wurden jedoch von Bernhard formuliert. So verfasste er im März 1147 seinen Aufruf.
Wenig später folgte der inhaltlich kaum abweichende Aufruf von Papst Eugen III., in dem er den Wendenkreuzzug dem Orientkreuzzug und der Reconquista gleichstellte. Eugen III sicherte den Teilnehmern am Wendenkreuzzug den Nachlass der Sündenstrafen zu und drohte jenen mit Exkommunikation, die wegen weltlichen Gewinns ihr Kreuzzugsgelübde brachen. Die zwei Aufrufe also jener von Bernhard und jener von Eugen III unterschieden sich in ihrer Zielsetzung.
Verlangte Eugen III nur die Bekehrung der Wenden, forderte Bernhard natio deleatur - die Auslöschung der Nation. Dies wurde oft zugespitzt formuliert auf die bekannte Parole „Tod oder Taufe“. Das Bernhard dies aber wirklich so meinte ist anzuzweifeln. Einerseits muss natio deleatur nicht die Tötung der Individuen beinhalten, sondern kann auch die Zerstörung von Herrschaftsstrukturen bedeuten. Andererseits war Bernhard einer der führenden Denker der katholischen Kirche seiner Zeit. Die gewaltsame Bekehrung unter der Devise „Tod oder Taufe“ wäre aber im Gegensatz zur offiziellen kirchlichen Lehre gewesen.
Das Kirchenrecht, das sich zu dieser Zeit verstärkt durchsetzte, ist der Auffassung, dass die Bekehrung eine freie Willensentscheidung sein muss. Im Weiteren lässt sich „Tod oder Taufe“ kaum mit Bernhards Anschauungen, die er in anderen Schriften in Bezug auf die Behandlung von Juden, Ketzern und Heiden äußerte, vereinbaren. Die Aufrufe von Bernhard und von Eugen III zum Wendenkreuzzug unterscheiden sich in einem Punkt von den vorhergehenden Kreuzzugsappellen.Erstmals ist nicht das Land, das wieder christlich werden soll, das Ziel, sondern auch die Heidenbekehrung.
Bernhard von Clairvaux verkündete in seinem Aufruf zum Wendenkreuzzug als Sammeltermin den 29. Juni 1147 und als Sammelort Magdeburg. Papst Eugen III bestimmte in seinem Sendschreiben von 11. April 1147 für den Kreuzzug nur einen Legaten, Anselm von Havelberg. Diese Punkte legen nahe, dass bis zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges Kreuzritterheer geplant war.
Faktisch gab es aber zwei Heeresgruppen, eine unter Heinrich dem Löwe und eine unter Albrecht dem Bär, die an verschiedenen Stellen ins Slawenland vorrückten. Zur Vorbereitung des Wendenkreuzzuges diente der Reichstag zu Nürnberg am 23. April 1147, an dem womöglich Heinrich der Löwe seinen Entschluss, ein Kreuzzugsheer in das Gebiet der Obodriten zu führen, bekanntgab. Zur weiteren Vorbereitung des Wendenkreuzzuges wurde eine Versammlung sächsischer Adeliger Anfang Juni 1147 zu Germersleben, in der Nähe von Magdeburg, einberufen.
Nur ein Teil der Kreuzfahrer sammelte sich Ende Juni bei dem von Bernhard genannten Sammelpunkt Magdeburg und zog von dort los. Dieser Kreuzfahrerverband, dem Albrecht der Bär angehörte, brach in der zweiten Julihälfte auf und zog ins Heveller- und Liutizengebiet. Zur selben Zeit setzte sich ein zweiter Truppenverband, dem Heinrich der Löwe angehörte und im Gebiet der Obodriten operierte, in Marsch.
Der Sammelort dieses nördlicheren Truppenverbandes ist unbekannt. Durch die Lage Magdeburgs ist die Stadt als Aufgangsbasis für diesen Heereszug unwahrscheinlich. Offenbar wurde von der ursprünglichen Kreuzzugsplanung, die höchstwahrscheinlich nur einen Vorstoß in das Gebiet der Liutizen und Pomeranen vorsah, abgewichen.
Dafür spricht nicht nur der Ausgangspunkt Magdeburg, sondern auch das Ungleichgewicht zwischen den beiden Ritterheeren. Das Kreuzfahrerheer mit Albrecht den Bären war weitaus größer als die Heeresgruppe Heinrichs des Löwen.
Auch die Verteidigungsmaßnahmen auf slawischer Seite im Operationsgebiet des nördlichen Heereszuges weisen auf eine spätere Planung hin. Niklot, ein Herrscher der Obodriten, begann mit seinen Verteidigungsmaßnahmen erst nach dem Reichstag zu Nürnberg oder später und trieb sie unter großer Eile voran. Dies stützt die These, dass ein Kreuzzug gegen sein Herrschaftsgebiet nicht von Anfang an geplant war. Die Kreuzzugsaufrufe und die Planung des Unternehmens konnten ihm nicht entgangen sein. Es scheint, als hätte er anfangs keine Gefahr für seine Herrschaft gesehen.
Helmold von Bosau berichtet, dass die Teilung der Kreuzfahrer erst durch den überfall Niklots Truppen auf die sächsischen Siedlungsgebiete Ende Juni erfolgte. Eine Teilung des Heeres als Reaktion auf diesen Angriff steht jedoch im Gegensatz zu Helmolds Berichten über die Verteidigungsvorbereitungen Nikolts. Es ist naheliegend, dass die Aufteilung des Kreuzzugsheeres früher beschlossen wurde.
Die Initiative zum Kreuzzug gegen die Wenden ist wahrscheinlich von den weltlichen Fürsten ausgegangen. Die sächsischen Fürsten die am Reichstag zu Frankfurt anwesend waren, beanspruchten alle, bis auf einen, Gebiete im slawischen Raum. So ist es naheliegend, dass die Initiative von diesem Personenkreis ausging.
Dass ein Interesse im Kreise der führenden weltlichen und geistlichen Sachsen an einem solchen Unternehmen bestand, zeigte bereits der erste Aufruf zum Wendenkreuzzug von 1107/08. Eine herausragende Rolle nahmen dabei die zwei mächtigsten Fürsten Sachsens Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär ein. Für beide Fürsten war eine aktive Politik im Wendenland von hohem Interesse. Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär hatten Herrschaftsansprüche im slawischen Gebiet. So beanspruchte Heinrich der Löwe die Oberhoheit über das Gebiet nördlich der Elbe und der Elde und Albrecht der Bär den davon südlich gelegenen Raum.
Während des Kreuzzuges zogen beide Herrscher in jenen Heeresverbänden mit, die in den von ihnen beanspruchten Gebieten operierten. Da sich der Wendenkreuzzug mit den direkten Herrschaftsinteressen Heinrichs und Albrechts deckte, kommen diese beiden Fürsten als Initiatoren des Unternehmens in Betracht. Beide müssen ein größeres Interesse an einem Wendenkreuzzug als an der Teilnahme an dem Orientfeldzug gehabt haben. Vor allem Heinrich der Löwe dürfte angesichts der problematischen Verhältnisse zwischen seiner Familie der Welfen und dem Herrscherhaus der Staufer ein Wendenkreuzzug sehr entgegengekommen sein, um nicht mit König Konrad III in den Orient mitziehen zu müssen.
Die ursprüngliche Planung des Wendenkreuzzuges spricht aber für einen größeren Einfluss Albrechts in der Konzeption des Unternehmens. Wie bereits oben ausgeführt, war nur ein Truppenverband vorgesehen, der in die Interessensphäre Albrechts des Bären vordringen sollte und nicht in jene Heinrichs des Löwens. Der zweite Truppenverband in die Interessenssphäre Heinrichs des Löwen wurde erst später geplant. Auch das Ungleichgewicht in der Größe der beiden Truppenverbände würde für eine spätere Planung eines eigenen Unternehmens von Seiten Heinrichs des Löwen sprechen. Albrecht der Bär und Heinrich der Löwe waren die größten Gewinner des Wendenkreuzzuges.
Den Slawen konnten die Vorbereitungen für ein so groß angelegtes Kriegsunternehmen wie einen Kreuzzug und die Aufrufe zur Teilnahme an selbigem nicht verborgen geblieben sein. über die Reaktionen im Wendenland ist vor allem von Seiten der Obodriten unter der Führung Niklots näheres bekannt.
Niklot, in dessen Herrschaftsgebiet Heinrich der Löwe später operierte, veranlasste mehrere Vorkehrungen: Festungsarbeiten - unter anderem ließ er die Festung Dobin zum Zufluchtsort ausbauen - militärische Rüstung und Gesandtschaftsverkehr.
Zwischen ihm und dem sächsischen Grafen Adolf von Holstein bestand ein Freundschaftsvertrag. Grund dafür waren die Siedlungsunternehmungen Graf Adolfs im wendischen Gebiet, die von Niklots Toleranz abhängig waren. So bat Niklot den Grafen um Unterredung. Ziel könnte eine Intervention des Grafen bei Heinrich dem Löwen gewesen sein. Graf Adolf lehnte jedoch aus Loyalität gegenüber den deutschen Fürsten ab. Niklot warf ihm daraufhin Treulosigkeit vor und kündigte den Bund. Jedoch sagte er seinem früheren Bündnispartner zu, dass er ihn vor möglichen Angriffen auf seine Siedlungen warnen würde. Niklots Verteidigungsmaßnahmen, die erst nach dem Reichstag zu Nürnberg oder später begonnen wurden, wurden unter großer Eile vorangetrieben.
Ende Juni 1147 führte Niklot einen überraschungsangriff gegen die südelbischen Kolonisten, bei dem er Sachgüter erbeuten und Gefangene machen konnte. Den Auftakt bildete der Angriff der obotritischen Kriegsflotte auf den Handelsort Lübeck am Morgen des 26. Juni 1147. Um sein Versprechen gegenüber Graf Adolf einzuhalten, informierte er ihn einen Tag vor dem Angriff auf Lübeck. Die Truppen Niklots griffen sowohl die unvorbereitete Siedlung als auch die Burg an. Laut Helmold von Bosau sollen über 300&xnbsp;Männer gestorben sein.
Während die Siedlung verwüstet wurde, konnte die Burg von der Besatzung während der zwei Tage anhaltenden Belagerung gehalten werden. Zeitgleich fielen Reiter in das Gebiet ein und verheerten die sächsischen Siedlungen. Wie bereits die Einnahme der Lübecker Burg scheiterte auch die Einnahme der Süseler Feste. Die obotritischen Reiter zogen sich erst nach einigen Tagen, als sie die Nachricht, dass Graf Adolf Truppen aushebe, erreichte, zurück.
Graf Adolf benötigte mehrere Tage, um seine Streitmacht aufzustellen. Demnach haben sich zu dieser Zeit keine Kreuzfahrertruppen dort befunden. Dies würde nahelegen, dass sich der zweite Truppenverband mit Heinrich dem Löwen südlicher sammelte. Durch Nikolts Kriegszug wurde die Rechtfertigung des Kreuzzuges, also der Schutz des christlichen Landes, gestärkt. So soll sich laut Helmold von Bosau die Nachricht, dass die Slawen zuerst den Krieg begonnen hätten, schnell im Land verbreitet und für einen schnelleren Aufbruch des Kreuzheeres gesorgt haben.
Im Kreuzritterheer, das im Gebiet der nördlichen Liutizen und Pomeranen operierte, befanden sich neben Albrecht dem Bären als hohe Würdenträger Konrad von Meißen, der Erzbischof von Magdeburg, Anselm von Havelberg und Wibald von Corvey. Der Truppenverband zog über den Havelberg und den Ort Malchow, wo es zur Zerstörung eines heidnischen Heiligtums kam, zur Festung Demmin, die belagert wurde. Von dort zog das Kreuzritterheer, wobei es sich wahrscheinlich nur mehr um einen Teil der Kreuzfahrer handelte, gegen den Ort Stettin, der ebenso belagert wurde. Bei den Kämpfen soll es laut dem Annalisten Vinzenz von Prag unter den deutschen Rittern zu hohen Verlusten gekommen sein.
Die Belagerten, die bereits einmal vor einigen Generationen missioniert worden waren, beriefen sich auf ihr Christentum und appellierten an die Reichsbischöfe, die im Heereszug dabei waren. Bei den anschließenden Verhandlungen konnte man sich auf einen Frieden, über dessen Bestimmungen nichts bekannt ist, einigen. Bei einem Treffen zwischen den Pomeranenfürsten Ratibor und den sächsischen Fürsten im Sommer 1148 kam es zu einem Glaubensbekenntnis und zum Gelöbnis, für den christlichen Glauben einzutreten. Es ist davon auszugehen, dass Ratibor dieses Bekenntnis nur mehr wiederholte. Er muss es bereits im Herbst 1147 gemacht haben, sonst wäre eine Beendigung des Kreuzzuges nicht möglich gewesen.
Vom nördlichen Kreuzzug sind nur die Geschehnisse vor der Festung Dobin bekannt. Heinrich der Löwe zog mit seiner Heeresgruppe, in der sich auch der Bremer Erzbischof befand, nach Dobin und belagerte diese Festung. Wahrscheinlich hatte Heinrich der Löwe trotz seiner Jugend, er war ungefähr 18 Jahre, die führende Rolle in diesem Truppenverband, da einerseits das Operationsgebiet in seiner Einflusssphäre lag und andererseits die anderen Fürsten kaum Interessen an diesem Gebiet verfolgten.
Während der Belagerung von Dobin fanden sich neben den deutschen Kreuzfahrern auch dänische Truppen ein. Diese sollen laut Helmold von Bosau in ihrer Kriegsführung so mangelhaft gewesen sein, dass die Eingeschlossenen einen Ausfall wagten, der zu Verlusten im Kreuzfahrerheer führte. Da die Kreuzzugsziele durch das Gelübde erreicht werden mussten, ist anzunehmen, dass es bei den Verhandlungen zu einer ähnlichen Einigung wie bei Demmin kam, also eine Taufe oder zumindest eine symbolische Taufe der Belagerten und die Zusage der Freilassung der Gefangenen.
Die slawische Seite war den beiden Kreuzzugsheeren unterlegen. So vermieden sie offene Schlachten und zogen sich in die Fluchtburgen, Wälder und Sümpfe zurück. Die Einnahme der Festungen stand kurz bevor. Von der Stadt Stettin ist überliefert, dass die Belagerten eine diplomatische Lösung suchten.
So wurden Kreuze auf der Burg befestigt und eine Gesandtschaft, unter ihnen der Bischof, zum Kreuzfahrerheer geschickt. Dort beriefen sie sich gegenüber den Bischöfen im Heer auf das Bekehrungswerk von Otto von Bamberg. Sie argumentierten, dass sie bereits Christen seien und zur Stärkung des Glaubens eine Missionierung angebrachter sei als ein Kreuzzug. Daraufhin kam es zu Friedensverhandlungen.
Vom nördlichen Kreuzzug ist bekannt, dass die Ranen versuchten ihren obotritischen Nachbarn zu Hilfe zu kommen, indem sie die dänische Flotte, die zu dieser Zeit vor Rügen ankerte und nur unzureichend bewacht wurde, überfielen und aufrieben. Daraufhin sollen die Dänen nach Hause gekehrt sein.
In den zeitgenössischen Berichten wird wiederholt von Konflikten und Zerwürfnissen innerhalb der beiden Kreuzzugsheere berichtet. Fürsten und Ritter standen der Mehrheit der einfachen Kreuzfahrer gegenüber. Aber auch innerhalb der Gruppe der Fürsten und Rittern herrschte Uneinigkeit. Die zentrale Frage war das Verhalten gegenüber den Slawen.
Den Gefolgschaften der sächsischen Herzöge Heinrich und Albrecht wurde der Vorwurf gemacht, den Kreuzzug nicht ernst genug zu betreiben und darüber hinaus das Unternehmen bewusst zu schwächen, indem sie Belagerungen gelockert und das Heer von Eroberungen zurückgehalten hätten. Ein weiterer Vorwurf war, dass die Ritter bei Gefechten mehrmals die Slawen davor bewahrt hätten endgültig besiegt zu werden und sie entkommen ließen.
Einen Hinweis auf das Motiv für das Handeln der Fürsten und Ritter gibt Helmold von Bosau.
Er überliefert in seiner Slawenchronik, dass die Gefolgschaften die Auffassung gewannen, dass die jeweils belagerte Festung nicht eingenommen werden sollte. In seiner Chronik lässt er sie sprechen: „Ist nicht das Land, das wir verwüsten, unser Land und das Volk, das wir bekämpfen, unser eigenes Volk? Weshalb also sind wir uns unsere eigenen Feinde geworden und Vernichter unserer Einkünfte? Wirken diese Verluste nicht auf unsere eigenen Herren zurück?“ (Helmold, I, 65, S.122 Z.26ff. zitiert nach: Helmut Beumann 1963, 143. „Nonne terra, quam devastamus, terra nostra est, et populus, quem expugnamus, populus noster est? Quare igitur invenimur hostes nostrimet et dissipatores vectigalium nostrorum? Nonne iactura haec redundat in dominos nostros?“).
Dass die Gefolgschaften Heinrichs und Albrechte bei der Behinderung des Erfolgs aus eigener Initiative, oder sogar gegen die Order ihrer Fürsten handelten ist nicht anzunehmen. Viel näher liegend ist, dass sie die Interessen ihrer Fürsten durchzusetzen versuchten. Aus der Aussage tritt eindeutig der Herrschaftsanspruch der beiden sächsischen Fürsten auf das jeweilige Gebiet hervor.
Die Fürsten erwarteten einen Sieg und beabsichtigten das Land ihr eigenes Herrschaftsgebiet einzugliedern. Folglich war eine Wüstung nicht in ihrem Interesse. Die Masse der Kreuzfahrer konnte aber bei einem Sieg mit keinem persönlichen Nutzen oder sogar Eigentum rechnen. So war ihr Motiv zur Teilnahme der Sündennachlass und die Heidenbekehrung. Unter ihnen sind die Anhänger der Parole „Taufe oder Tod“ zu finden.
Eine endgültige Niederlage wurde, wie man es den zeitgenössischen Berichten entnehmen kann, trotz der sich bietenden Möglichkeit nicht angestrebt. Nach einer vollständigen Unterwerfung der Slawen wäre die Frage der Aufteilung des Gebietes unvermeidlich gewesen. Wie zentral diese Frage war, zeigt sich auch im Bericht Helmold von Bosau. Er kritisiert, dass die Kreuzfahrer schon über die zukünftigen Besitzverhältnisse von Gebieten diskutierten, die sie noch nicht erobert hätten. Viele der Teilnehmer hätten, als Lohn für ihr Werk und damit als Teil eines doppelten Lohnversprechens, Ansprüche auf die Gebiete gestellt. Somit konnte eine vollständige Unterwerfung nicht in Sinne Albrechts und Heinrichs gewesen sein.
In den Quellen wird immer wieder von der Erfolglosigkeit des Wendenkreuzzuges berichtet. Diese Beurteilung muss jedoch mit Vorsicht betrachtet werden.Die Quellen wurden von geistlichen Autoren verfasst und spiegeln vielmehr ihre Enttäuschung über den Ausgang des Unternehmens wieder. So berichtet Helmold von Bosau, dass die Wenden zwar getauft wurden, es aber nicht ernst genommen hätten. Im Weiteren kritisiert er auch, dass die sächsischen Fürsten aufgrund ihrer Herrschaftsinteressen die Heidenmission nicht ernst genug betrieben hätten.
Für die Beurteilung des Erfolges des Unternehmens ist es jedoch entscheidend, welche Kriterien dafür herangezogen werden. So ist es entscheidend, welcher Aufruf - der von Bernhard von Clairvaux oder der von Papst Eugen III. - als Beurteilungsgrundlage herangezogen wird. Genauso entscheidend ist es, ob eher kirchlich-religiöse Ziele oder profane im Vordergrund stehen. Fest steht, dass der Kreuzzug Ergebnisse brachte, auch wenn diese nicht in dem Maße waren, wie sie von kirchlicher Seite gewünscht worden waren.
Zu den profanen Ergebnissen kann sicher gezählt werden, dass der Kreuzzug eine massive Machtdemonstration der sächsischen Fürsten, allen voran Albrecht des Bären und Heinrich des Löwen, war. Dies zeigt sich auch in den späteren Tributzahlungen von slawischen Herrschern. So sind Tributzahlungen an Heinrich aus dem Jahr 1151 belegt, die womöglich auf die Ereignisse von 1147 zurückgehen. Von Albrechts Seite sind keine Tributzahlungen nachgewiesen. Es ist jedoch anzunehmen, dass bei dem Aufenthalt des pommeranen Fürsten Ratibors 1148 in Havelberg ähnliches vereinbart wurde. Beide sächsischen Fürsten konnten ihren Machtanspruch im jeweiligen Gebiet behaupten und im Laufe der Zeit durchsetzen.
Der Grundstein für diese Entwicklung war der Wendenkreuzzug. Eine direkte deutsche Herrschaftsgründung ist im ehemaligen Liutizenland, in dem sich die slawischen Herrschaftsstrukturen aufgelöst hatten, zu beobachten. Damit verbunden war die Ansiedlung deutscher Bauern. Die Forderung Bernhards natio deleatur wurde also in diesem Gebiet verwirklicht. Der Wendenkreuzzug von 1147 stellte den Beginn der offensiven Politik der sächsischen Fürsten, allen voran Heinrich des Löwen, im slawischen Gebiet dar.
Zu den weniger profanen Ergebnissen zählten die Wiederherstellung von Bistümern, wie beispielsweise der Bistümer Havelberg, Brandenburg, Oldenburg und Mecklenburg, und die Errichtung neuer Bistümer. Auch kam es zur Gründung von Kirchen und Klöstern als Missionsstützpunkte. Die Taufe der Slawen, auch wenn es nur Scheintaufen waren, bildete eine kirchenrechtliche Voraussetzung für die gegebenenfalls auch gewaltsame Durchsetzung des Christentum und der Missionierung.
Die bereits vor Generationen teilweise erfolgt Missionierung und Bekehrung konnte diese Grundlage nur unzureichend geben. Aus den zugesagten Taufen konnte somit die Rechtsgrundlage für die erzwungene Bekehrung der Slawen abgeleitet werden. Im Zuge dessen wurden heidnische Heiligtümer zerstört. Die Slawen wurden gezwungen ihre Toten auf Friedhöfen zu bestatten und an Festtagen die Messfeiern zu besuchen.
Der Albigenserkreuzzug von 1209 bis 1229 der Kreuzritter
Der Albigenserkreuzzug (1209-1229) war Teil der kirchlichen Bekämpfung der Katharer und zudem der erfolgreiche Versuch der französischen Krone, ihre Macht im südlichen Teil des Königreiches durchzusetzen. Weil die katharische Glaubenslehre vor allem in der Gegend der Stadt Albi verbreitet war, wurde diese Gemeinschaft auch als Albigenser bezeichnet.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts unterschied sich der französische Süden kulturell und mit dem Okzitanischen sogar sprachlich deutlich vom Norden. Zudem war das Herrschaftsgebiet der Grafen von Toulouse, das neben der Grafschaft Toulouse auch Languedoc umfasste, trotz der Lehnshoheit des französischen Königs nahezu unabhängig.
Die kulturelle und politische Abgrenzung vom Norden wurde zusätzlich durch religise Faktoren verstärkt. Im 12. Jahrhundert hatte sich in Südfrankreich die radikaldualistische Armutsbewegung der Albigenser stark verbreitet, der sich auch große Teile des dortigen Adels anschlossen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gab es bereits vier Bistümer der Albigenser in Südfrankreich.
Da die Albigenser das Papsttum in seiner existierenden Form strikt ablehnten, kam es schnell zu ihrer Bekämpfung durch die katholische Kirche. Auch die französischen Könige waren in Folge der allgemeinen Erweiterung ihres Machtbereiches innerhalb Frankreichs, die sich auch gegen die englischen Lehen in Westfrankreich richtete, stark an einem Vorgehen gegen die de facto selbständigen Grafen von Toulouse interessiert.
Papst Innozenz III. organisierte und leitete die Bekämpfung der Katharer. Er forderte den französischen König Philipp II. auf, gegen jene Adligen vorzugehen, die den Katharismus in ihren Gebieten duldeten. Der König war jedoch in den Krieg gegen das Heilige Rmische Reich verstrickt und fand keine Zeit. Daraufhin wandte sich Innozenz direkt an den Grafen Raimund VI. von Toulouse, der Kooperation verweigerte und dafür exkommuniziert wurde. Als auch noch der päpstliche Legat Peter von Castelnau umgebracht wurde, beschuldigte der Papst Raimund als Mittäter und rief zu einem Kreuzzug gegen Languedoc auf; er versprach jedem siegreichen Beteiligten Anteil am Land der Häretiker.
Als sich 1209 zehntausend Kreuzritter in Lyon sammelten, erkannte Raimund die Ernsthaftigkeit der Situation und stimmte letztlich doch einem Vorgehen gegen die Katharer zu.
Der Bann wurde aufgehoben, und Raimund sandte Truppen zur Unterstützung der Kreuzritter. Das erste Ziel der Kreuzritter war Béziers, das am 22. Juli 1209 eingenommen wurde.
Die gesamte Bevlkerung, etwa 20.000, wurde gettet. Der päpstliche Gesandte Abt Arnaud-Amaury soll den Kreuzrittern den Befehl gegeben haben: Caedite eos! Novit enim Dominus qui sunt eius ("Ttet sie alle! Denn Gott kennt die Seinen"). In Béziers starben Katharer wie Katholiken, Männer, Frauen und Kinder wurden gleichermaßen umgebracht, selbst wenn sie in Kirchen Schutz gesucht hatten. Die Nachricht von dem Massaker ging schnell um und verbreitete Panik und Angst. Das nächste Ziel war Carcassonne, wo die Kreuzritter am 1. August 1209 eintrafen.
Die Stadt war mit Flüchtlingen überfüllt und bot ihre Kapitulation an. Als die Kreuzritter die Stadt eroberten, waren fast alle Einwohner durch unterirdische Gänge in die umliegenden Wälder geflohen. Von den verbleibenden 500 Einwohnern - Greise, Kranke, Kinder - durften hundert die Stadt nackt, nur mit ihren Sünden beladen, verlassen, die anderen 400 wurden verbrannt oder gehängt. Hiernach ergaben sich in kurzer Folge mehrere Städte der Region, und Albi,
Castelnaudary, Castres, Fanjeaux, Limoux, Lombers und Montréal fielen an die päpstlichen Truppen.
Die Städte, die noch Widerstand leisteten, wurden hiernach angegriffen. 1210 ergab sich nach langer Belagerung die Stadt Minerve. Die katharischen Einwohner wurden konvertiert oder, wenn sie sich weigerten, verbrannt. Als auch Termes im Dezember fiel, gab es fast keine revoltierenden Städte mehr. Durch ihr brutales Vorgehen hatten die Kreuzritter viele der ansässigen Adligen verärgert. Raimund von Toulouse hatte seine Zusammenarbeit mit den Päpstlichen aufgekündigt und war erneut exkommuniziert worden. In seinem Gefolge rebellierten viele der bereits eroberten Städte.
Ab 1211 konzentrierte sich der Kreuzzug auf Kämpfe zwischen den Kreuzrittern und den Männern Raimunds. Im Jahre 1213 schlug Simon von Montfort Raimund und seinen Schwager Peter II. von Aragon bei Muret. Raimund musste 1214 nach England fliehen. Seine Ländereien wurden vom Papst an König Philipp II. übergeben.
Im Jahr 1216 starb Innozenz III. Im gleichen Jahr kehrte Raimund nach Toulouse zurück. Die Kämpfe wurden nun zu einem Krieg zwischen Raimund und den königlichen Truppen, und religise Fragen spielten darin eine untergeordnete Rolle. Erst im Jahr 1226 rief Ludwig VIII., inzwischen französischer König, nach zehn Jahren erfolgloser Kämpfe zu einem neuen großen Kriegszug auf, der binnen drei Jahren zur Eroberung der Grafschaft Toulouse führte. Der Albigenserkreuzzug war damit beendet, und Raimunds Sohn (der ebenfalls Raimund hieß und 1222 seinen verstorbenen Vater abgelst hatte) wurde gefangen genommen, ausgepeitscht und inhaftiert.
Papst Gregor IX. übernahm die Verfolgung der Katharer. Die eigens zu diesem Zweck gegründete Inquisition erhielt beinahe uneingeschränkte Macht in Languedoc, und über Jahre wurden Katharer und deren vermeintliche Unterstützer gesucht, verurteilt und verbrannt. Selbst begrabene Tote sollen exhumiert und verbrannt worden sein. In der Region kam es hierauf immer wieder zu Rebellionen und Aufständen, die erst 1255 vollständig niedergeschlagen werden sollten. Im Jahr 1321 wurde
letztmals ein Katharer (Guillaume Belibaste) auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Der Kreuzzug gegen die Albigenser leitete unter religisen Vorwänden die unmittelbare Herrschaft der französischen Krone über Südfrankreich ein. Im Jahre 1271 fiel die Grafschaft Toulouse unter die direkte Herrschaft des französischen Königs, behielt aber bis 1779 einige Sonderrechte. Durch den Kreuzzug wurde eine kulturelle und politische Abspaltung des Südens verhindert, auch wenn der Gegensatz von Nord und Süd das heutige Frankreich noch in gewissem Maße prägt.
Der Kreuzzug von 1101 war ein kleinerer Kreuzzug, der tatsächlich aus drei verschiedene Bewegungen bestand, die nach dem erfolgreichen Ersten Kreuzzug organisiert wurden.
Der Erste Kreuzzug erzeugte einen Ruf nach Verstärkung aus dem neu errichteten Königreich Jerusalem, und Papst Paschalis II., Nachfolger von Urban II.(der starb, bevor er erfuhr, welches Ergebnis sein Aufruf gehabt hatte) drängte auf einen neuen Feldzug. Er sprach insbesondere die an, die ein Kreuzzugsgelübde geleistet hatten, aber nicht aufgebrochen waren, und diejenigen, die umgekehrt waren, bevor sie Jerusalem erreicht hatten. Einige dieser Leute waren bereits wieder zuhause und sahen sich dort der Verachtung und einem enormen Druck ausgesetzt, in den Osten zurückzukehren. Adela von Blois, die Ehefrau von Stephan II. von Blois, war so beschämt über die Flucht ihres Mannes von der Belagerung Antiochias 1098, dass sie ihm nicht erlaubte, zuhause zu bleiben.
Im September 1100 verließ eine große Gruppe Lombarden Mailand, zumeist im Kampf ungeübte Kleinbauern, die vom Erzbischof von Mailand angeführt wurden.Als sie das Gebiet des Byzantinischen Reichs erreicht hatten, plünderten sie unbekümmert das Land, so dass der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos sie bis zu einem Lager außerhalb Konstantinopels eskortieren ließ. Von dort aus brachen sie in die Stadt auf, wo sie den Blachernae-Palast plünderten. Der Kaiser ließ die Lombarden schnell auf die andere Seite des Bosporus bringen, wo sie sich bei Nikomedia niederließen, um auf Verstärkung zu warten.
In Nikomedia stieß im Mai eine kleinere, aber besser bewaffnete Gruppe von Franzosen, Burgundern und Deutschen unter Stephan von Blois, Stephan I. von Burgund, Odo von Burgund und Konrad, dem Konstabler des Kaisers Heinrich IV. zu ihnen. Hinzu kam noch Raimund IV. von Toulouse, einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs, der nun in Diensten des byzantinischen Kaisers stand und nun zum obersten Anführer ernannt wurde. Alexios ließ sie von einer Truppe petschenegischer Söldnern unter dem Kommando des General Tzitas begleiten.
Ende Mai marschierte diese Menschenmenge Richtung Doryläum, wobei sie der Route folgten, die Raimund und Stephan bereits 1097 gewählt hatten. Sie planten, ihren Weg über Iconium fortzusetzen, aber die Lombarden, deren Pöbel alle anderen Kontingente an Zahl übertraf, waren entschlossen, nördlich nach Niksar zu gehen, wo Bohemund von Tarent von den Danischmenden festgehalten wurde. Nach der Eroberung Ankaras am 23. Juni und der Rückgabe der Stadt an Alexios, wandten sich die Kreuzfahrer nach Norden, wo sie fast sofort von den Seldschuken angegriffen wurden. Die Türken schikanierten die Kreuzfahrer wochenlang, eine Gruppe, die Lebensmittel besorgte, wurde im Juli bei Kastamonu vernichtet.
Die Lombarden erkannten ihren Fehler, die ganze Armee wandte sich nach Osten und fiel in das Gebiet der Danischmenden ein. Die Seldschuken unter Kilij Arslan I., der wusste, dass ihre Uneinigkeit der Grund dafür war, dass sie den Ersten Kreuzzug nicht stoppen konnten, verbündeten sich nun mit den Danischmenden und Ridwan von Aleppo. Anfang August trafen die Kreuzfahrer auf die alliierten muslimischen Truppen bei Mersivan. Die Kreuzfahrer waren in fünf Gruppen aufgeteilt: Burgunder, Raimund und die Byzantiner, die Deutschen, die Franzosen und die Lombarden. Die Lombarden als Vortrupp wurden geschlagen, die Petschenegen desertierten, die Franzosen und die Deutschen mussten sich zurückziehen.
Raimund wurde auf einem Felsen umstellt und von Stephan und Konrad gerettet. Die Schlacht ging am nächsten Tag weiter, das Lager der Kreuzfahrer wurde erobert, die Ritter flohen und ließen Frauen, Kinder und Priester zurück, die getötet oder versklavt wurden. Die meisten Lombarden, die keine Pferde hatten, wurden bald von den Türken aufgespürt und getötet. Raimund, Stephan von Blois und Stephan von Burgund flohen nach Sinope im Norden und kehrten mit einem Schiff nach Konstantinopel zurück.
Kurz nachdem die Lombarden Nicomedia verlassen hatten, kam eine weitere Armee unter Wilhelm II. von Nevers in Konstantinopel an. Sie hatten von Bari aus über die Adria gesetzt und das Byzantinische Reich durchquert, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen wäre. Wilhelm brach schnell wieder auf, um auf die anderen zu treffen, fand sie aber nicht, obwohl beide Armeen mehrmals sehr nahe beieinander gewesen sein müssen. Er belagerte kurz Konya, konnte es aber nicht erobern, und geriet bald darauf bei Herakleia in einen Hinterhalt Kilij Arslans, der soeben die Lombarden in Mersivan geschlagen hatte und darauf drängte, diese neue Armee so schnell wie möglich ebenfalls zu vertreiben. Bei Heraklea wurde fast die ganze Truppe Wilhelms ausgelöscht, mit Ausnahme von Wilhelm und einigen seiner Leuten.
In dem Moment, in dem Wilhelm II. Konstantinopel verließ, traf dort eine dritte Armee ein, die unter dem Befehl von Wilhelm IX. von Aquitanien, Hugo von Vermandois (einer derjenigen, die ihr Gelübde aus dem Ersten Kreuzzug nicht erfüllt hatten) und Welf IV. von Bayern stand. In ihrer Begleitung war Ida von österreich, die Mutter Leopolds III. von österreich. Sie hatten auf dem Weg byzantinisches Gebiet geplündert und waren schon dabei, mit den petschenegischen Söldnern in Konflikt zu geraten, als Wilhelm und Welf eingriffen.
Wilhelm von Nevers floh auch nach Tarsus, wo er sich den anderen überlebenden anschloss. Raimund von Toulouse traf später ebenfalls ein. Unter seinem Kommando eroberten sie dann mit genuesischer Hilfe Tortosa, doch war der Kreuzzug jetzt mehr eine Pilgerreise. Ende 1101 wurde Antiochia erreicht, Ostern 1102 Jerusalem. Danach gingen viele von ihnen einfach wieder nach Hause, da sie ihr Gelübde erfüllt hatten, andere halfen König Balduin I. bei der Verteidigung des Landes gegen eine ägyptische Invasion bei Ramla. Stephan von Blois wurde in dieser Schlacht getötet, wie auch Hugo von Lusignan, Ahnherr der späteren Dynastie Lusignan in Jerusalem und Zypern. Joscelin von Courtenay blieb auch im Land und wurde 1118 Graf von Edessa.
Die Niederlage der Kreuzfahrer erlaubte Kilij Arslan, seine Hauptstadt nach Konya zu verlegen. Darüber hinaus überzeugte sie die muslimische Welt, dass die Kreuzfahrer durchaus nicht unschlagbar waren, wie es noch während des Ersten Kreuzzugs geschienen hatte. Die Kreuzfahrer und Byzantiner machten den jeweils anderen für die Niederlage verantwortlich, keiner von beiden war aber in der Lage, eine sichere Route durch Anatolien zu gewährleisten, wo Kilij Arslan seine Stellung nunmehr gestärkt hatte.
Die einzige offene Route ins Heilige Land war die über See, wovon wiederum die italienischen Städte profitierten. Das Fehlen der sicheren Straßenverbindung kam auch dem Fürstentum Antiochia zugute, wo Tankred, der für seinen Vetter Bohemund regierte, seine Macht ohne Störungen aus Byzanz konsolidieren konnte.
Sowohl der Zweite als auch der Dritte Kreuzzug erlitten bei ihren Versuchen, Anatolien zu durchqueren, ein ähnliches Schicksal wie der Kreuzzug von 1101.
Papst Urban II. hatte den Beginn des Kreuzzugs für den 15. August 1096 geplant, aber nicht damit gerechnet, dass sich die von ihm entfachte Begeisterung auch ungesteuert Bahn brechen könnte. Bereits Monate vorher, im April 1096 hatte sich unerwartet eine Armee von Kleinbauern und niederem Adel zusammengefunden und war auf eigene Rechnung nach Jerusalem aufgebrochen. Die bäuerliche Bevölkerung wurde seit Jahren von Dürren, Hunger und Seuchen gequält, und einige von ihnen scheinen den Kreuzzug als eine Möglichkeit der Flucht aus ihren Nöten gesehen zu haben. Angespornt wurden sie durch eine Reihe von meteorologischen Ereignissen, die 1095 begonnen hatten, und die ein göttlicher Segen für die Bewegung zu sein schienen, darunter ein Meteorschauer, Polarlichter, eine Mondfinsternis und ein Komet.
Ein Ausbruch von Vergiftungen durch Mutterkorn (Ergotismus), die üblicherweise zu Massenpilgerreisen führten, hatte sich gerade vor der Synode von Clermont ereignet. Der Glaube, dass das Ende der Welt und die Wiederauferstehung sich ankündige, war weit verbreitet. Die Antwort auf Urbans Aufruf war dann auch jenseits aller Vorstellungen: hatte der Papst einige Tausend Ritter erwartet, sah er sich nun einer Völkerwanderung von bis zu 100.000 als Kämpfer unausgebildeten Männern, Frauen und Kindern gegenüber.
Ein charismatischer Mönch namens Peter der Einsiedler aus Amiens war der geistliche Führer der Bewegung. Er war bekannt dafür, dass er auf einem Esel ritt und einfache Kleidung trug. Er hatte energisch den Kreuzzug in Nordfrankreich und Flandern gepredigt, beanspruchte für sich, von Jesus Christus selbst zu den Predigten aufgefordert worden zu sein (und gab vor, einen göttlichen Brief zum Beweis zu haben), und es ist wahrscheinlich, dass einige seiner Anhänger glaubten, er, und nicht Urban, sei der eigentlicher Urheber der Kreuzzugsidee. Es wird oft angenommen, das Peters Armee eine Bande von Analphabeten gewesen sei, inkompetenten Bauern, die keine Ahnung hatten, wo es lang ging, und die glaubten, jede Stadt, die sie auf ihrem Weg erreichten, sei Jerusalem selbst – dies mag für einige sogar zugetroffen haben, aber eine lange Tradition von Pilgerfahrten nach Jerusalem stellte sicher, das Ort und Entfernung der Stadt gut bekannt waren. Während die Mehrheit unerfahren im Kampf war, waren unter ihnen auch einige gut ausgebildete niedere Adlige, zum Beispiel Walter Sans-Avoir, der, wie sein Name unterstellt, ein verarmter Ritter ohne Land und ohne Vasallen war, der aber dennoch in der Kriegsführung erfahren war. Da der Papst für jeden Kreuzfahrer Ablass und Immunität versprochen hatte, konnte es nicht ausbleiben, dass sich viel Gesindel unter die Pilger mischte. Diebe und Gewaltverbrecher jeder Art zogen mit. Weniger aus religiösem Motiv, vielmehr als willkommene Fluchtmöglichkeit vor dem Gesetz und in der Hoffnung auf Beute. Dies war zweifellos mit ein Grund für die Spannungen, die unterwegs auftraten und den unglücklichen Verlauf dieses Kreuzzuges bestimmten.
Eine Karte aus 1888 mit der Umgebung von Semlin, der Save und Belgrad.
Am 12. April 1096 versammelte Peter seine „Armee“ in Köln, wo er den Deutschen predigen und weitere Teilnehmer motivieren wollte. Die Franzosen wollten aber nicht auf Peter und die Deutschen warten, und unter der Führung von Walter brachen einige Tausend französische Kreuzfahrer auf, erreichten Ungarn vor Peter am 8. Mai, das sie ohne Zwischenfall durchquerten. Sie kamen bis zur Save bei Belgrad, die hier damals die Grenze des Byzantinischen Reichs bildete. Der Kommandeur von Belgrad wurde von dem Aufmarsch überrascht, hatte auch keine Anweisungen, wie mit ihnen umzugehen sei, und verweigerte ihnen erst einmal den Zutritt, was die Kreuzfahrer dazu brachte, die Umgebung wegen Lebensmitteln zu plündern.
Es folgten Gefechte mit der Belgrader Garnison, sechzehn von Walters Männern versuchten, einen Markt in Semlin auf der anderen Seite des Flusses auszurauben, was die Lage nur verschlimmerte; sie wurden ihrer Rüstung und Kleidung beraubt, die an den Burgmauern zur Schau gestellt wurden. Schließlich wurde den Kreuzfahrern erlaubt, nach Niš weiterzuziehen, wo sie verproviantiert wurden und auf Nachricht aus Konstantinopel über ihre Weiterreise warteten. Ende Juli kamen die Kreuzfahrer unter byzantinischer Eskorte in Konstantinopel an.
Peter und die anderen Kreuzfahrer verließen Köln etwa am 20. April. Etwa 20.000 Personen folgten ihm sofort, während eine weitere Gruppe erst später aufbrach. Als sie die Donau erreichten, reisten einige per Boot weiter, die Masse jedoch marschierte über Land und erreichte Ungarn bei ödenburg (Sopron). Auch sie durchquerten das Land ohne Zwischenfälle und trafen bei Semlin auf die anderen.
In Semlin schöpften die Kreuzfahrer Verdacht, als sie Walters sechzehn Rüstungen an den Mauern hängen sahen; schließlich führte ein Disput über den Preis für ein Paar Schuhe zu einem Aufruhr auf dem Markt, der sich – vermutlich gegen Peters Willen – zu einem allgemeinen Angriff auf die Stadt auswuchs, bei dem 4000 Ungarn getötet wurden. Die Kreuzfahrer flohen danach über die Save nach Belgrad, lieferten sich Gefechte mit den Belgrader Truppen, die Einwohner flohen und die Kreuzfahrer plünderten die Stadt und brannten sie anschließend nieder.
Nach einem Marsch von sieben Tagen erreichten sie Niš am 3. Juli. Der Stadtkommandant versprach eine Eskorte für Peters Armee bis Konstantinopel ebenso wie Nahrung, falls sie sofort weiterzögen. Peter sagte zu, am nächsten Morgen brach er auf – einige Deutsche jedoch gerieten in Streit mit einigen Ortsansässigen an der Straße und brannten eine Mühle ab, Peter verlor die Kontrolle und Niš schickte seine gesamte Garnison gegen die Kreuzfahrer. Diese wurden vollständig zerstört, viele von ihnen getötet. Alles in allem war etwa ein Viertel der Kreuzfahrer verloren gegangen, der Rest gruppierte sich in Bela Palanka erneut. Als sie Sofia am 12. Juli erreichten, trafen sie auf eine byzantinische Eskorte, die sie am 1. August sicher in Konstantinopel ablieferte.
Der Byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos, der auch nicht wusste, was er mit einer derart unüblichen und unerwarteten "Armee" machen sollte, ließ sie am 6. August schnell über den Bosporus setzen. Seitdem wird darüber diskutiert, ob er sie ohne byzantinische Führer wegschickte, in dem Wissen, dass sie von den Seldschuken abgeschlachtet würden, oder ob sie auf der Weiterreise durch Kleinasien trotz seiner Warnungen bestanden. Wie auch immer,verübeln konnte man Kaiser Alexios sicher nichts, da dieser undisziplinierte Haufen mit seinen gewalttätigen übergriffen für die Bevölkerung zweifellos eine Plage war. Alexios warnte Peter, sich mit den Türken einzulassen, die er für überlegen hielt, und riet ihm, auf die anderen Kreuzfahrer zu warten, den Hauptzug, den Papst Urban angestoßen hatte, und der noch unterwegs war.
Peter, die Franzosen unter Walter Sans-Avoir, sowie italienische Gruppen, die zur gleichen Zeit ankamen, trafen nun aufeinander. Sie begannen Städte zu plündern, erreichten Nikomedia, wo ein Streit zwischen den Deutschen und den Italienern einerseits und den Franzosen andererseits ausbrach. Die Deutschen und die Italiener setzten sich ab, wählten einen neuen Führer, einen Italiener namens Rainald, während bei den Franzosen Gottfried Burel das Kommando übernahm. Peter hatte seinen Einfluss auf den Kreuzzug verloren.
Entgegen Alexios’ Rat stachelten sich die Kreuzfahrer gegenseitig an, griffen unverfroren benachbarte Städte an, und erreichten schließlich die Gegend um Nicäa, der türkischen Hauptstadt und Festung, deren Vororte sie plünderten. Die Deutschen marschierten mit 6000 Kreuzfahrer nach Xerigordon und eroberten die Stadt, um sie als Basis für die Raubzüge in der Umgebung zu nutzen. Die meisten Einheimischen waren Christen, deren Rettung der Vorwand für das ganze Unternehmen war. Statt Rettung gab es Mord und Plünderung. Als Antwort schickten die Türken eine beträchtliche Armee gegen Xerigordon, die am 29. September die Wasserversorgung der Stadt eroberte, die außerhalb lag und die die Deutschen übersehen hatten. Nach acht Tagen mussten die Kreuzfahrer aufgeben. Diejenigen, die Christen bleiben wollten, wurden getötet, diejenigen, die zum Islam konvertierten, wurden in die Sklaverei verkauft.
Im Hauptlager der Kreuzfahrer hatten türkische Spione mittlerweile das Gerücht gestreut, dass die Deutschen, die Xerigordon erobert hatten, auch Nicäa in ihren Besitz gebracht hatten, was zu einem erregten Aufbruch führte, um an der Kriegsbeute noch teilhaben zu können. Natürlich hatten die Türken die Straße nach Nicäae mit einem Hinterhalt versehen. Als die Wahrheit über die Ereignisse in Xerigordon die Kreuzfahrer erreichte, verwandelte sich die Erregung in Panik. Peter der Einsiedler war zurück nach Konstantinopel gegangen, um für Nachschub zu sorgen und sollte bald zurückkehren; die meisten Anführer sprachen sich dafür aus, auf seine Rückkehr zu warten (die er aber unterließ), aber Gottfried Burel, der unter den Massen die größte Anhängerschaft hatte, setzte sich mit dem Argument durch, dass sie feige seien, wenn sie nicht umgehend die Türken angriffen. Am Morgen des 21. Oktober marschierte der gesamte wehrfähige Teil der Armee auf Nicäa, während Frauen, Kinder, Alte und Kranke im Feldlager blieben.
Drei Meilen vom Lager entfernt, an einer Stelle, wo die Straße in der Nähe von Drakon einen Hohlweg erreicht, war der türkische Hinterhalt. Panik brach sofort aus und innerhalb von Minuten waren die Kreuzfahrer auf dem Rückzug ins Feldlager. Die meisten von ihnen wurden getötet, nur Jungen und Mädchen wurde verschont, um in die Sklaverei verkauft zu werden. 3000, darunter auch Gottfried Burel, der die Katastrophe ausgelöst hatte, hatten das Glück, sich in eine verlassene Burg zurückziehen zu können. Die Byzantiner schließlich hoben die folgende Belagerung auf und führten die 3000 nach Konstantinopel zurück, die einzigen überlebenden des Volkskreuzzugs.
Der Kinderkreuzzug von 1212
Der Kinderkreuzzug von 1212
Im Kinderkreuzzug
sollen, so berichten Stadtchronisten, im Juli des Jahres 1212 zwischen 7.000 und 25.000 Kinder, aber auch Erwachsene, von Köln und gleichzeitig von Lothringen zu einem Kreuzzug ins Heilige Land aufgebrochen sein. Die Anführer sollen ein charismatischer Kölner Junge namens Nikolaus und in Frankreich ein Junge namens Stephan gewesen sein, denen sich immer mehr Menschen anschlossen. Die Haltung der Geistlichkeit war umstritten.
Den konservativen Quellen zufolge lehnte Papst Innozenz III. diesen Kreuzzug ab und verwies darauf, dass diese Kinder keinen Kreuzzug führen könnten. Durch das Ablegen des Kreuzfahrerversprechens müsste er sie aber beim Wort nehmen und als Erwachsene verpflichten. Andere Quellen, zum Beispiel aus dem Umkreis der kleruskritischen Bettlerorden, berichteten, dass der Papst diese Kreuzzugsidee für gut befand und als beispielhaft für die Erwachsenen beschrieb.
Die Kinder gingen auf deutscher Seite entlang des Rheins gen Süden, die Franzosen über Lyon nach Marseille. Sie waren auf Almosen angewiesen. Allerdings herrschte um diese Zeit wiederum eine Hungersnot wegen eines feuchten Winters und eines trockenen Frühlings. Vom Hunger schon deutlich gezeichnet, erreichten die deutschen Kinder die Alpen, deren überquerung im Winter geschah. Dabei kamen etwa die Hälfte der Kinder um. Es ist strittig, welches Schicksal den Kindern widerfuhr. Ein Teil von ihnen scheint in Marseille, Genua oder Brindisi an Bord von Schiffen gegangen, aber von den Kapitänen als Sklaven verkauft worden zu sein.
Ein Beleg hierfür findet sich einerseits in Quellen, die berichteten, dass ein Emir in Nordafrika 400 Kinder kaufte und sie aus Respekt vor ihrer Religion gut behandelte. Ein weiterer Beleg dafür ist eine noch heute existierende Kirche in einem Ort auf Sardinien, vor dessen Küste zwei der sieben Schiffe sanken. Andere wiederum kamen nach Rom, wo ihnen aufgrund der ablehnenden Haltung der Obrigkeit aber klar wurde, dass ihr Vorhaben zwecklos sei. Ein paar von ihnen kehrten über die Alpen zurück, andere blieben in Italien und verdingten sich dort als Bedienstete.
Aragonesische Kreuzzug der Jahre 1284 und 1285
Aragonesische Kreuzzug der Jahre 1284 und 1285
Der Aragonesische Kreuzzug der Jahre 1284 und 1285
war ein Konflikt zwischen König Philipp III. von Frankreich und König Peter III. von Aragonien.
Der Papst arrangierte diesen Krieg
und gab ihm die Bezeichnung Kreuzzug, weil er über die Eroberungen Peters im Königreich Sizilien beunruhigt war. Er sprach ihm die Krone Aragons ab (das Königreich gehörte zu den Vasallen des Heiligen Stuhls) und gab sie an Karl von Valois weiter, den Sohn Philipps III. Der franko-katalanische Konflikt wurde um einen innerfamiliären Streit im aragonesischen Herrscherhaus ergänzt, als sich Jakob II. König von Mallorca und Bruder Peters III. mit Philipp verbündete. Tatsächlich konnte Jakob, der gleichzeitig Graf von Roussillon und dadurch zwischen Philipp und Peter eingekeilt war, sich nur mit Philipp verbünden, da sein Bruder seine Unzufriedenheit darüber, dass ein Teil seines Erbes an Jakob gegangen war, niemals verhehlt hatte.
Die französische Armee marschierte
daher 1284 mit Genehmigung des Landesherrn ins Roussillon ein, prallte dort aber auf lokalen Widerstand, zum Beispiel bei der Stadt Elne, die von einem Ritter mit dem Namen Bastard von Roussillon kommandiert wurde, ohne Zweifel ein unehelicher Sohn des Nuno Sanchez von Roussillon, und der mit Gewalt bezwungen werden musste. Trotz der Präsenz päpstlicher Gesandter zögerte Philipp III. nicht, Feuer an die Kathedrale zu legen, in die sich die Einwohner der Stadt geflüchtet hatten.
1285 belagerte Philipp Girona,
das er trotz starken Widerstands der Einwohner eroberte. Karl von Valois wurde nun zum König gekrönt, mangels einer Krone mit einem Kardinalshut, was ihm den Spottnamen eines Königs des Hutes einbrachte. Die Situation wendete sich zum einen dank der Geschicklichkeit Roger de Llúrias, Peters III. Admiral, der die französische Flotte zerstören konnte, zum anderen durch die Ruhr, die sich im französischen Lager festsetzte. Philipp III., selbst angesteckt, musste das Feldlager auflösen. Sein Sohn und Erbe Philipp IV. handelte mit Peter III.den Abzug über die Pyrenäen aus. Philipp III. starb in Perpignan und wurde in Narbonne beerdigt. Auch Peter III. überlebte den Kreuzzug nur kurz.
Wenn der Krieg
auch wenig Folgen für Frankreich hatte, so hatte er doch erhebliche für Mallorca: die Balearen wurden von Peters Sohn und Nachfolger Alfons III. konfisziert. Erst 1295 macht der Vertrag von Agnani ein Ende mit den Konflikten, die dieser Kreuzzug ausgelöst hatte.
Belagerungen der Kreuzritter im Mittelalter
Belagerungen der Kreuzritter im Mittelalter
Frühmittelalter (568–985)
-626, Belagerung von Konstantinopel durch die Slawen, Awaren und Perser
-668-669, 1. Belagerung von Konstantinopel durch die Araber
-674–678, 2. Belagerung von Konstantinopel durch die Araber
-717–718, 3. Belagerung von Konstantinopel durch die Araber
-773–774, Belagerung von Pavia durch die Franken
-813, Belagerung von Konstantinopel durch die Bulgaren
-860, Belagerung von Konstantinopel durch die Wikinger
-885–886, Belagerung von Paris durch die Wikinger
-941, Belagerung von Konstantinopel durch die Wikinger
-952, Belagerung von Mainz Otto belagerte Liudolf und Konrad zwei Monate
Hochmittelalter (985–1250)
-1069–1071 Belagerung von Bari durch die Normannen
-1090, Belagerung von Konstantinopel durch die Petschenegen
-1096, Belagerung von Xerigordon durch die Seldschuken
-1097, Belagerung von Nicäa durch die Kreuzfahrer
-1097–1098, Belagerung von Antiochia durch die Kreuzfahrer
-1099, Belagerung von Arqa durch die Kreuzfahrer
-1099, Belagerung von Jerusalem durch die Kreuzfahrer
-1104, Belagerung von Akkon durch die Kreuzfahrer
-1105–1109, Belagerung von Tripolis durch die Kreuzfahrer
-1112, Erste Belagerung von Tyros durch die Kreuzfahrer
-1124, Zweite Belagerung von Tyros durch die Kreuzfahrer
-1144, Belagerung von Edessa durch die Zengiden
-1147, Belagerung von Lissabon durch die Kreuzfahrer
-1148, Belagerung von Damaskus durch die Kreuzfahrer
-1153, Belagerung von Askalon durch die Kreuzfahrer
-1160, Belagerung des Sanjo--Palastes in Kyoto durch Heiji-Rebellion
-1162, Belagerung von Mailand durch Friedrich I. Barbarossa
-1187, Belagerung von Jerusalem durch die Ayyubiden
-1189–1191, Belagerung von Akkon durch die Kreuzfahrer
-1202, Belagerung von Zara durch Venedig und die Kreuzfahrer
-1203–1204, Belagerung von Konstantinopel durch Venedig und die Kreuzfahrer
-1203–1204, Belagerung von Château-Gaillard durch die Franzosen
-1215, Belagerung von Peking durch die Mongolen
-1218–1219, Belagerung von Damiette durch die Kreuzfahrer
-1243–1244, Belagerung von Montsegur durch die Kreuzfahrer
Spätmittelalter (1250–1517)
-1250, Belagerung von Al-Mansura durch die Kreuzfahrer
-1258, Belagerung von Bagdad durch die Mongolen
-1270, Belagerung von Tunis durch die Kreuzfahrer
-1290, Belagerung von Wien durch die Ungarn
-1291, Belagerung von Akkon durch die Mamelucken
-1346–1347, Belagerung von Calais durch die Engländer
-1410, Belagerung der Marienburg, Deutschritterorden wehrt Polen und Litauer ab
-1414, Belagerung von Friesack
-1428–1429, Belagerung von Orléans durch die Engländer
-1444, Belagerung von Greifensee durch die Eidgenossen
-1453, Belagerung von Konstantinopel durch die Osmanen
-1450, Erste Belagerung von Krujë durch die Osmanen
-1474-1475, Belagerung von Neuss durch die Burgunder
-1475 Belagerung von Linz am Rhein durch kaiserliche Truppen im Neusser Krieg
-1480, Belagerung von Rhodos durch die Osmanen
-1491, Belagerung von Granada durch die christlichen Spanier
-1485, Belagerung von Wien durch die Ungarn (unter Matthias Corvinus)
Der Kreuzzug gegen Alexandria von 1365 bis 1369
Der Kreuzzug gegen Alexandria von 1365 bis 1369
Im Zeitraum von 1365 bis 1369 fand unter König Peter I. von Zypern (er trug den Titel eines Königs von Jerusalem) der Kreuzzug gegen Alexandria statt.Die Eroberung Alexandrias verlief erfolgreich, doch waren die Truppen anscheinend nicht der Besetzung wegen gekommen, sondern sie verschwanden gleich wieder, kurz nachdem sie die Stadt geplündert hatten.
Peter I., König von Zypern, war damals auch Titularkönig von Jerusalem. Er war das erste Staatsoberhaupt seit Ludwig dem Heiligen, das die Kreuzzüge zur Eroberung des Heiligen Landes wieder aufnehmen wollte. 1362 trat er, zusammen mit seinem Kanzler Philippe de Mézières und dem päpstlichen Legaten Peter Thomas, eine ausgedehnte Europareise an, um für seine Idee zu werben. Er traf mit Papst Urban V. und mit zahlreichen Monarchen zusammen, darunter König Johann II. von Frankreich und Kaiser Karl IV
Peter I. brachte tatsächlich ein Heer unter seinem Kommando zusammen. Mit einer großen Flotte aus Venedig startend, versammelten sich die Kreuzfahrer bis Anfang September 1365 auf Rhodos. Dort wurden sie um die Flotte und Armee Peters aus Zypern sowie um die auf Rhodos ansässigen Ritter des Hospitaliter-Ordens verstärkt. Das Kreuzfahrerheer war das größte seit dem Dritten Kreuzzug.
Erst nachdem man in See gestochen war, gab Peter I. das Ziel bekannt: Die ägyptische Hafenstadt Alexandria.
Wenige Tage nach der Ankunft in Alexandria wurde die Stadt um den 9. Oktober 1365 erfolgreich erstürmt, nachdem es den Kreuzfahrern gelungen war, die Stadtmauer an einer unbewachten Stelle zu überwinden. Die Kreuzfahrer plünderten und zerstörten die Stadt in den folgenden Tagen gründlich, die Bevölkerung wurde massakriert oder verschleppt.
Als sich am 12. Oktober ein mamlukisches Entsatzheer näherte, brachten die Kreuzfahrer ihre Beute und Gefangenen auf ihre Schiffe und zogen sich nach Zypern zurück.
Von Zypern aus beabsichtigte Peter I. nun einen Angriff auf Beirut, gab sein Vorhaben aber schließlich auf Bitten der Venezianer hin auf, die Peter I. eine hohe Entschädigung anboten, dafür dass dieser nicht deren Handelsroute nach Damaskus angreife. Im Januar 1366 überfielen und plünderten die Kreuzfahrer noch Tripolis und Tartus, bevor die europäischen Teilnehmer des Kreuzzugs in ihre jeweilige Heimat zurückkehrten. Auch Tripoli und Tartus versuchte Peter I. nicht zu halten, zumal die Städte über keine Stadtmauer verfügten.
1368 versuchte Peter erneut europäische Truppen anzuwerben, blieb diesmal aber erfolglos. Auf Druck der Venezianer und Papst Urbans V. wurde schließlich Frieden mit dem Sultan von Ägypten geschlossen.
Jo van Steenbergen nimmt an, der Kreuzzug sei in erster Linie eine ökonomisch motivierte Unternehmung gewesen. Peter I. wollte Alexandria als Handelshafen im östlichen Mittelmeer ausschalten und hoffte die zypriotische Hafenstadt Famagusta würde von einer Verschiebung der Handelsrouten profitieren. Religiöse Aspekte, die bei den übrigen Orientkreuzzügen eine wichtige Rolle spielten, waren demnach eher untergeordnet.