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Der Kreuzzug gegen Alexandria von 1365 bis 1369

  1. Erster Kreuzzug: 1096–1099, Ziel: Jerusalem
  2. Volkskreuzzug: 1096, Ziel: Jerusalem
  3. Deutscher Kreuzzug von 1096, Ziel: eigentlich Jerusalem
  4. Kreuzzug von 1101: Ziel: Jerusalem
  5. Kreuzzug Sigurds von Norwegen: 1108–1111, Ziel: Jerusalem/Sidon
  6. Zweiter Kreuzzug: 1147–1149, Ziel: eigentlich Edessa, letztlich Damaskus
  7. Wendenkreuzzug: 1147, Ziel: Germania Slavica
  8. Dritter Kreuzzug: 1189–1192, Ziel: Jerusalem
  9. Kreuzzug Heinrichs VI.: 1197–1198, Ziel: Jerusalem
  10. Vierter Kreuzzug: 1202–1204, Ziel: eigentlich Ägypten/Jerusalem, letztlich Konstantinopel
  11. Kinderkreuzzug: 1212, Ziel: Jerusalem
  12. Albigenserkreuzzug: 1209–1229, Ziel: Okzitanien
  13. Fünfter Kreuzzug:
    1. Kreuzzug von Damiette: 1217–1221, Ziel: eigentlich Jerusalem, letztlich Ägypten
    2. Kreuzzug Friedrichs II.: 1228–1229, Ziel: Jerusalem
    3. Kreuzzug Theobalds IV. von Champagne: 1239–1240, Ziel: Askalon/Damaskus
    4. Kreuzzug Richards von Cornwall: 1240–1241, Ziel: Askalon/Jerusalem
  14. Sechster Kreuzzug: 1248–1254, Ziel: Ägypten/Jerusalem
  15. Hirtenkreuzzug von 1251: Ziel: eigentlich Ägypten
  16. Siebter Kreuzzug: 1270, Ziel: Tunis/Jerusalem
  17. Kreuzzug des Prinzen Eduard: 1270-1272, Ziel: Akkon/Jerusalem
  18. Aragonesischer Kreuzzug: 1284–1285, Ziel: Girona
  19. Hirtenkreuzzug von 1320: Ziel: eigentlich Andalusien
  20. Kreuzzug gegen Alexandria: 1365, Ziel: Ägypten
  21. Kreuzzug gegen Mahdia: 1390, Ziel: Eindämmung der Piraterie
  22. Kreuzzug von Nikopolis: 1396, Ziel: Eindämmung des osmanischen Vordringens in Europa

Der Kreuzzug gegen Alexandria von 1365 bis 1369


Im Zeitraum von 1365 bis 1369 fand unter König Peter I. von Zypern (er trug den Titel eines Königs von Jerusalem) der Kreuzzug gegen Alexandria statt.Die Eroberung Alexandrias verlief erfolgreich, doch waren die Truppen anscheinend nicht der Besetzung wegen gekommen, sondern sie verschwanden gleich wieder, kurz nachdem sie die Stadt geplündert hatten.


Peter I., König von Zypern, war damals auch Titularkönig von Jerusalem. Er war das erste Staatsoberhaupt seit Ludwig dem Heiligen, das die Kreuzzüge zur Eroberung des Heiligen Landes wieder aufnehmen wollte. 1362 trat er, zusammen mit seinem Kanzler Philippe de Mézières und dem päpstlichen Legaten Peter Thomas, eine ausgedehnte Europareise an, um für seine Idee zu werben. Er traf mit Papst Urban V. und mit zahlreichen Monarchen zusammen, darunter König Johann II. von Frankreich und Kaiser Karl IV


Peter I. brachte tatsächlich ein Heer unter seinem Kommando zusammen. Mit einer großen Flotte aus Venedig startend, versammelten sich die Kreuzfahrer bis Anfang September 1365 auf Rhodos. Dort wurden sie um die Flotte und Armee Peters aus Zypern sowie um die auf Rhodos ansässigen Ritter des Hospitaliter-Ordens verstärkt. Das Kreuzfahrerheer war das größte seit dem Dritten Kreuzzug.
Erst nachdem man in See gestochen war, gab Peter I. das Ziel bekannt: Die ägyptische Hafenstadt Alexandria.
Wenige Tage nach der Ankunft in Alexandria wurde die Stadt um den 9. Oktober 1365 erfolgreich erstürmt, nachdem es den Kreuzfahrern gelungen war, die Stadtmauer an einer unbewachten Stelle zu überwinden. Die Kreuzfahrer plünderten und zerstörten die Stadt in den folgenden Tagen gründlich, die Bevölkerung wurde massakriert oder verschleppt.
Als sich am 12. Oktober ein mamlukisches Entsatzheer näherte, brachten die Kreuzfahrer ihre Beute und Gefangenen auf ihre Schiffe und zogen sich nach Zypern zurück.


Von Zypern aus beabsichtigte Peter I. nun einen Angriff auf Beirut, gab sein Vorhaben aber schließlich auf Bitten der Venezianer hin auf, die Peter I. eine hohe Entschädigung anboten, dafür dass dieser nicht deren Handelsroute nach Damaskus angreife. Im Januar 1366 überfielen und plünderten die Kreuzfahrer noch Tripolis und Tartus, bevor die europäischen Teilnehmer des Kreuzzugs in ihre jeweilige Heimat zurückkehrten. Auch Tripoli und Tartus versuchte Peter I. nicht zu halten, zumal die Städte über keine Stadtmauer verfügten.
1368 versuchte Peter erneut europäische Truppen anzuwerben, blieb diesmal aber erfolglos. Auf Druck der Venezianer und Papst Urbans V. wurde schließlich Frieden mit dem Sultan von Ägypten geschlossen.


Jo van Steenbergen nimmt an, der Kreuzzug sei in erster Linie eine ökonomisch motivierte Unternehmung gewesen. Peter I. wollte Alexandria als Handelshafen im östlichen Mittelmeer ausschalten und hoffte die zypriotische Hafenstadt Famagusta würde von einer Verschiebung der Handelsrouten profitieren. Religiöse Aspekte, die bei den übrigen Orientkreuzzügen eine wichtige Rolle spielten, waren demnach eher untergeordnet.