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Frührente – Rente wegen Erwerbsminderung – 50 Punkte

Frührente – Rente wegen Erwerbsminderung – 50 Punkte

Die wichtigste Frührente der Zukunft. Die normale Rente gibt es immer später – viele Frührenten werden abgeschafft. Wer trotzdem früher in Rente gehen muss oder will, dem bleibt nur die Rente wegen Erwerbsminderung. Doch für die gelten hier eigene Regeln.

    Wann erhält man diese Rente?

  1. Erst seit 2001 besteht die Rente wegen Erwerbsminderung. Sie löste die bisherige Erwerbsunfähigkeitsrente ab. Es gibt die Erwerbsminderungs-Rente in zwei Arten: als teilweise oder voller Rente. Allein der Gesundheitszustand ist maßgeblich für die Rente und das allgemeine Leistungsvermögen.
  2. Eine noch andere wichtige Voraussetzung: es darf noch nicht das fünfundsechzigste Lebensjahr (Regelaltersgrenze) erreicht sein. Es bestehen “nach unten” keine Altersgrenzen. Das bedeutet, dass die Rente auch bereits mit 50 Jahren oder noch deutlich früher zu bekommen ist.
  3. Die letzte wirkliche Frührente ist deshalb die Erwerbsminderungs-Rente. Stück für Stück kann, wer krank ist und längere Zeit erwerbsgemindert bleibt, über diese Rente in eine reguläre Altersrente kommen.
  4. Erst wird die Rente wegen Erwerbsminderung, immer befristet für höchstens drei Jahre gezahlt. Danach darf sich noch zweimal verlängert werden. Die Erwerbsminderung gilt nach insgesamt neun Jahren als dauerhaft und die Rente ist unbefristet.
  5. Arbeitnehmer oder Arbeitslose können mit schlechter Gesundheit bereits ab 54 über diese Rente in den Ruhestand kommen, da die Erwerbsminderungs-Rente abschlagsfrei ab 63 gezahlt wird.
  6. Wichtig: die Altersgrenze für den abschlagsfreien Rentenbeginn wird ab dem Jahr 2012 aber auch hier angehoben.
  7. Man kann zwar immer noch früher in den Ruhestand als bei anderen Renten, muss aber Abschläge hinnehmen.
  8. Die Leistungsfähigkeit (Erwerbsfähigkeit), muss täglich unter drei Stunden liegen, um generell die volle Erwerbsminderungs-Rente erhalten zu können. Das bedeutet, man ist nur noch in der Lage, aus gesundheitlichen Gründen, maximal drei Stunden pro Tag irgendetwas zu arbeiten. Das muss aber nicht im bisherigen Beruf sein! Man erhält eine halbe Erwerbsminderungs-Rente, wenn die Erwerbsfähigkeit noch zwischen drei und sechs Stunden täglich beträgt.
  9. Im Vergleich mit anderen Renten ist die Höhe einer Erwerbsminderungs-Rente relativ hoch. Jeder, der überlegt, in Frührente zu gehen, sollte deshalb die Möglichkeit genau prüfen. Denn die Höhe der Erwerbsminderungs-Rente hängt ausschließlich von den bisher gezahlten Beitragsjahren und dem Durchschnittsverdienst ab.
  10. Wer mindestens fünf Jahre in der Rentenkasse versichert war (Wartezeit) hat Anspruch auf die Rente wegen Erwerbsminderung. Und man muss drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt haben.
  11. Wichtig: man hat keine Wartezeit, wenn man wegen einer Berufskrankheit oder eines Arbeitsunfalles erwerbsunfähig geworden ist.
  12. Es reicht hier schon, wenn ein einziger Beitrag in die Rentenkasse gezahlt wurde. Dafür muss man aber zum Zeitpunkt des Unfalls oder zu Beginn der Krankheit versicherungspflichtig gewesen sein.
  13. Man muss mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung in den letzten zwei Jahren vor einem Unfall oder einer Krankheit eingezahlt haben, wenn man diese Bedingungen nicht erfüllt.
  14. Noch eine Ausnahme besteht daneben für ältere: man kann bei verminderter Erwerbsfähigkeit auch noch eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit erhalten, wer vor dem 2.1.1961 geboren wurde. An Versicherte wird diese Rente gezahlt, die ihren bisherigen Beruf weniger als sechs Stunden täglich, einen anderen Beruf aber nicht mindestens sechs Stunden täglich, ausüben können.
  15. Wer nur zum Teil erwerbsgemindert ist, kann das nutzen, um über eine Teilzeit-Arbeit die Altersrente zu erreichen.
  16. In diesem Fall heißt Teilzeit arbeiten: man arbeitet als erwerbsgeminderter noch drei bis sechs Stunden täglich und bezieht dazu eine halbe Erwerbsminderungsrente.
  17. Achtung: die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung hat aber zwei Hinzuverdienstgrenzen. Diese Hinzuverdienstgrenzen sind maßgebend dafür, ob die Rente in voller Höhe, zur Hälfte oder überhaupt nicht mehr bezahlt wird.
  18. Man darf zu einer Rente wegen Erwerbsminderung nur 350 € im Monat verdienen, ohne die Rente zu gefährden.
  19. Wichtig: wer eine gesetzliche Unfallrente bezieht, erhält nur eine Erwerbsminderungsrente, wenn zusammen beide Renten eine Höchstgrenze nicht überschreiten.
  20. Einzige Ausnahme: man erhält die Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung für einen Unfall, der sich nach Eintritt der Erwerbsminderung ereignet hat.
  21. Die Voraussetzungen für eine Altersrente erfüllen viele Langzeit-Arbeitslose nach Arbeitslosigkeit nicht.
  22. Diese Leistungen können auch Erwerbslose beantragen. Hier ist auch Voraussetzung: Ihr Gesundheitszustand ist so schlecht, dass sie auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben.
  23. Wie für Arbeitnehmer ist die Vorgehensweise ähnlich: zusammen mit dem ärztlichen Attesten geht der Antrag auf Rente an die Rentenkasse. Anhand der Leistungsfähigkeit entscheidet die darüber, ob es eine Rente wegen Erwerbsminderung geben kann.
  24. Zu lange sollte man damit aber nicht warten! In den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen drei Jahre Pflichtbeiträge in die Rentenkasse gezahlt worden sein. Unter Umständen verspielt man deshalb die Chance auf die Rente, wenn man länger als zwei Jahre arbeitslos ist.
  25. Wer auch als Arbeitsloser mindestens drei Stunden und weniger als sechs Stunden arbeiten kann, erhält zwar nur die halbe Rente. Hat aber gleichzeitig das Recht auf eine volle Rente, wenn es auf einen Teilzeitarbeitsplatz keine Aussicht gibt.
  26. Wichtig: auf Rehabilitation haben auch Arbeitslose Anspruch. Die Rentenkasse prüft deshalb vor allem bei Arbeitslosen unter 55 Jahren, ob durch “Leistungen zur Teilhabe” (medizinische oder berufliche Rehabilitation) einer Erwerbsminderung behoben werden kann.
  27. Gute Chancen auf eine volle Erwerbsminderungs-Rente haben über 60-jährige, die gesundheitlich eingeschränkt sind. Der Grund ist hier der “verschlossene Arbeitsmarkt”: die volle Rente wird auch bei teilweiser Erwerbsminderung mit einer Leistungsfähigkeit von über drei Stunden bezahlt, wenn keine Aussicht auf einen Teilzeitjob besteht.
  28. Vorteil der Erwerbsminderungs-Rente: später kann sie in eine andere Altersrente (z.B. Regelaltersrente) umgewandelt werden. Bei anderen Frührenten geht das nicht.
  29. Fällt die Altersrente jedoch niedriger aus als die Erwerbsminderungs-Rente, wird hier die höhere Rente (wegen Erwerbsminderung) im Rahmen des Besitzschutzes weitergezahlt – für alle die Lücken in Ihrem Berufsverlauf haben, ein sehr wichtiger Punkt.
  30. Nur auf Antrag erhält man die Erwerbsminderungsrente. Der Antrag an die gesetzliche Rentenversicherung kann nicht nur von Arbeitnehmern, sondern auch von Arbeitslosen gestellt werden.
  31. Dem Antrag sollten alle ärztlichen Unterlagen vom Hausarzt und von Fachärzten beigefügt werden. Es werden zusätzlich Angaben zum beruflichen Werdegang und zur zuletzt ausgeübten Tätigkeit benötigt.
  32. Gutachten sind wichtig, die die verminderte Leistungsfähigkeit verdeutlichen. Beispielsweise Rückenleiden: Im Attest sollte der Facharzt darauf verweisen, dass der Versicherte wegen des Leidens zum Beispiel nur noch kurze Zeit “stehen, heben beziehungsweise am Schreibtisch sitzen” kann.
  33. Es sind auch ärztliche Unterlagen über andere, früher aufgetretene Krankheiten wichtig. Die Erwerbsminderung ergibt sich oft aus der Kombination verschiedener Leiden.
  34. Eine Erwerbsminderung wird geprüft und bewertet nach Aktenlage. Es sollten deshalb möglichst Antrag und beigefügte Arztgutachten ein komplettes Bild ergeben.
  35. Die Rentenversicherung lässt nur ein eigenes Gutachten erstellen, wenn die vorgelegten Unterlagen für nicht aussagekräftig gehalten werden, erst dann setzt sie dafür eigene ärzte ein.
  36. Auf Anhieb werden nur etwa die Hälfte aller Anträge genehmigt. Eine Ablehnung deshalb nicht hinnehmen: innerhalb eines Monats gegen den abgelehnten Antrag Widerspruch einlegen.
  37. Immer den Widerspruch begründen, z.B. durch zusätzliche ärztliche Gutachten und Stellungnahmen. Ein Anwalt ist nicht nötig, der Widerspruch ist kostenlos.
  38. Der Widerspruchsausschuss der Rentenversicherung trifft eine Entscheidung. Dieser beauftragt meist weitere ärzte, den Antragsteller nochmals zu untersuchen.
  39. Wird der Widerspruch zurückgewiesen, kann beim zuständigen Sozialgericht Klage erhoben werden. Die Frist beträgt auch hier einen Monat, nachdem der abgelehnte Widerspruch zugestellt worden ist.
  40. Kostenlos ist auch die Klage vor Sozialgerichten und kann ohne Anwalt vorgebracht werden. Es ist allerdings besser, sich vertreten zu lassen. Die Rentenkasse zahlt auch die Anwaltskosten, wenn die Klage gewonnen wird.
  41. Innerhalb eines Monats kann gegen das Urteil Berufung beim Landessozialgericht eingelegt werden. Das ist auch kostenlos und ohne Anwalt möglich, obwohl es jetzt besser ist einen Rechtsanwalt einzuschalten.
  42. Nur wenn beim Abschluss des Verfahrens vor dem Landessozialgericht auch die Revision zugelassen wird, kann ein Verfahren vor dem Bundessozialgericht angestrengt werden.
  43. Vor dem Bundessozialgericht muss eine Revision immer schriftlich, durch einen Rechtsanwalt eingelegt werden. Der Versicherte selbst darf keine Revision einlegen. Kostenlos ist allerdings auch die Klage vor dem höchsten deutschen Sozialgericht.
  44. Das Bundessozialgericht hat in einem Grundsatz-Urteil klar entschieden, dass Rentenabschläge auf die Erwerbsminderungs-Renten, die vor dem 60. Lebensjahr bewilligt wurden, gesetz- und grundrechtswidrig sind (BSG, Az. B4 RA 22/05).
  45. Nach dem Urteil könnten auch viele Erwerbsminderungs-Rentner, die zum Zeitpunkt der Bewilligung der Rente noch keine 60 Jahre alt waren, eine höhere Rente bekommen.
  46. Im November 2006 hat allerdings die deutsche Rentenversicherung erklärt, dass sie das Urteil nicht umsetzen will, sondern weitere Musterklagen führen wird. Leider gilt dieser Standpunkt bis heute.
  47. Die Bundesregierung hat außerdem die Regeln zur Nachzahlung (bisher bis zu vier Jahre rückwirkend) eingeschränkt.
  48. Betroffene sollten dennoch Widerspruch einlegen und eine Neuberechnung ihrer Erwerbsminderungs-Rente verlangen: innerhalb eines Monats ist das möglich, nachdem der Rentenbescheid zu Erwerbsminderungs-Rente eingegangen ist.
  49. Ein überprüfungsantrag, der beim zuständigen Rentenversicherungsträger gestellt werden muss hilft, wenn diese Frist bereits abgelaufen ist. Dabei sollte man auch auf das Urteil des Bundessozialgerichts hinweisen.
  50. Ebenfalls sollte man eine Neuberechnung verlangen, wer bereits über 60 ist, die Erwerbsminderungs-Rente aber vor dem 60. Lebensjahr bewilligt bekam.
  51. Berufsunfähigkeits-und-Erwerbsminderungs-Rente als Pdf