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Diabetiker News Exendin-4



Diabetiker News Exendin-4

Neuartiges Medikament für Zuckerkranke, Exendin-4!
Gila-Krustenechse aus New Mexico und Nevada

Neuartiges Medikament für Zuckerkranke!

Es wurde aus dem Speichel der Gila-Krustenechse entwickelt Das Gila-Monster lebt unterirdisch in den felsigen Wüstenregionen New Mexicos und Nevadas.

In seinem Speichel wurde der Eiweißstoff Exendin-4 gefunden, der Diabetikern hilft.

Sie ist knapp einen halben Meter lang, schwarz-orangefarbene Flecken bedecken ihren schuppigen Körper, und ihr Biss ist extrem schmerzhaft - die in den Wüsten der südlichen USA vorkommende Gila-Krustenechse ist kein Tier, dem man gern begegnen möchte.

ihrem Speichel (Exendin-4) kann Diabetikern helfen, ihren Blutzucker in den Griff zu kriegen. Ein daraus entwickeltes Medikament (Wirkstoff Exenatid) soll im nächsten Jahr in Deutschland zugelassen werden. "Exenatid wird beim Diabetes Typ 2 eingesetzt", erklärt Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum in Bad Lauterberg. Bei dieser Diabetesform ist zu wenig vom körpereigenen Blutzuckerhormon Insulin vorhanden, oder das Hormon wirkt nicht mehr richtig.

Dadurch erhöht sich der Blutzucker. Kurzfristig kann das zu Schwächegefühl und großem Durst führen. Häufig wird die Erkrankung, an der mehrere Millionen Deutsche leiden, jedoch erst nach Jahren bemerkt. Dann drohen als Spätfolgen Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenversagen.

"Zu Beginn der Therapie sollten die häufig übergewichtigen Patienten durch mehr Bewegung und bessere Ernährung abnehmen", so Experte Professor Nauck.

"Besonders bei Frühformen der Erkrankung kann so zum Teil der Blutzucker wieder normalisiert werden." Reicht das jedoch nicht aus, werden Tabletten (meist zunächst der Wirkstoff Metformin) verordnet.

Wenn auch das nicht reicht, muss der Patient Insulin spritzen.

Eine sehr wirksame Therapie - aber keine harmlose. Insulin senkt den Blutzucker nämlich auf jeden Fall. Wenn man sich das Medikament also spritzt und dann nicht genug isst, droht eine Unterzuckerung.

Hier ist Exenatid anders: Es wirkt ernährungsabhängig.

"Auf eine Nahrungsaufnahme folgt eine Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut. Vermittelt wird diese Ausschüttung von bestimmten Hormonen aus dem Darm, den sogenannten Inkretinen. Bei der Erforschung dieses Mechanismus waren deutsche Forscher führend", so Professor Nauck.

Sie erkannten: Wenn es gelingt, die Wirkung der Inkretine durch ein Medikament zu "imitieren", dann würde dieses Mittel nur genau dann wirken, wenn der Blutzucker auch wirklich erhöht ist.

Und hier kam die Krustenechse ins Spiel: Der New Yorker Hormonforscher Dr. John Eng hatte den Speichel des Gila-Monsters untersucht. Die einzige Erklärung dafür war, dass das "vorher noch keiner untersucht hatte". Und er fand im Speichel der Tiere ein Hormon, das den menschlichen Inkretinen sehr ähnelte.

Tausende von Laboruntersuchungen folgten, Tierversuche und schließlich klinische Tests. Inzwischen ist Exenatid bereits in den USA zugelassen, Hersteller Lilly erwartet eine Zulassung in Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2007.

Nebenwirkungsfrei ist das Mittel, das einmal täglich unter die Haut injiziert wird, aber nicht:
"In den ersten Tagen der Behandlung klagt ein Teil der Patienten über übelkeit, das geht allerdings vorüber",
so Professor Nauck.

Der Experte glaubt, dass das Echsen-Medikament nur das erste von zahlreichen neuen Medikamenten sein wird, die Diabetikern das Leben leichter machen: "Die Forschung geht hier ständig weiter. Mehrere weitere Medikamente werden in den nächsten Jahren auf den Markt kommen."

VON BERND SCHWEDHELM