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Deutsche Geschichte von der Antike bis 1125

  1. Vorgeschichtliche Zeit

  2. Der älteste Nachweis von Vertretern der Gattung Homo auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik ist der 600.000 oder 500.000 Jahre alte Unterkiefer von Mauer, des Typusexemplars von Homo heidelbergensis. Etwas jüngere Funde stammen vom Fundplatz Bilzingsleben sowie von Homo steinheimensis; bekannte Funde sind schließlich auch die Schöninger Speere. Aus Homo heidelbergensis ging vor 130.000 Jahren der Neandertaler (Homo neanderthalensis) hervor, der - sofern die klimatischen Bedingungen es zuließen - nahezu 100.000 Jahre lang auch in Deutschland lebte.

    Da Deutschland während der letzten Phase der Eiszeit zur Kältesteppe (Tundra) wurde und die polare Vereisung bis ins nördliche Niedersachsen vordrang,dürfte Deutschland während des mittleren Aurignacien bis weit in das Mittelpaläolithikum hinein so gut wie unbewohnt gewesen sein, und Spuren menschlicher Besiedlung fehlen für die Zeit nach circa 30.000 v. Chr. für sehr lange Zeit. In der Jungsteinzeit entwickelten sich durch den zugewanderten modernen Menschen (Homo sapiens der Cro-Magnon-Epoche) Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige Funde erhalten, wie etwa die in Sachsen-Anhalt gefundene Himmelsscheibe von Nebra, eine Metallplatte mit Goldapplikationen aus der Bronzezeit, die darauf hindeutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde, und die damit die älteste konkrete Himmelsdarstellung ist, die weltweit je gefunden wurde.

  3. Ethnogenese

  4. In der Jungstein- und Bronzezeit wurde das Gebiet des heutigen Deutschland nach- und nebeneinander von der bandkeramischen, der schnurkeramischen und der Glockenbecherkultur besiedelt. Allmählich bildeten sich in der Bronze- und Eisenzeit in diesen Regionen verschiedene indoeuropäisch sprechende Volksgruppen und Stämme heraus. Diese entstanden aus eingewanderten indoeuropäischen Stämmen bzw. deren Nachfahren, die sich mit den seit Ende der letzten Eiszeit ansässigen „Ureinwohnern“ und auch später fortwährend mit durchziehenden Völkern bzw. Siedlern (Ethnogenese) vermischten. Die Nachfahren der in Nordeuropa und Norddeutschland auf dem Gebiet der Nordischen Bronzekultur siedelnden Gruppen wurden in der Antike unter dem Begriff Germanen zusammengefasst. Weitere Gruppen waren unter anderem:

    Die indogermanischen Kelten, die Europas Kultur in weiten Landstrichen bis zur Spätantike prägten, im Gebiet des heutigen Süddeutschland. die von den Germanen als Wenden (lat. Veneti) bezeichnete Ethnie, die in der Antike als eigenständige indogermanische Volksgruppe östlich der Germanen siedelte. Nach der Völkerwanderung übertrugen die späteren Deutschen diesen Namen auf eingewanderte westslawische Stämme in der Gegend des heutigen östlichen Niedersachsen (Wendland), des östlichen Holstein (mit Liubice/Lübeck), Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns (mit Vineta/Jumme), die sich ihre Selbständigkeit bis zu ihrer Unterwerfung im Gefolge des „Wendenkreuzzugs“ im 13. Jahrhundert erhielten.

    Der so genannte Nordwestblock, Bevölkerungsgruppen im nordwestlichen Mitteleuropa, die in den letzten Jahrhunderten v. Chr. eine vom Keltischen und Germanischen verschiedene indoeuropäische Sprache sprachen und um Christi Geburt germanisiert wurden. Während der Ausbreitung des Römischen Reiches und später während der Völkerwanderung siedelten dazu Römer im Raum des heutigen Süd- und Westdeutschland, deren Truppen den Süden und Westen Germaniens entlang der Donau und des Rheins bis etwa ins 5. Jahrhundert besetzten.

    Diese stammten als Legionäre aus sehr unterschiedlichen Regionen des römischen Reiches wie z. B. Hispanien, Illyrien, Syrien, Gallien, Afrika. Während der Völkerwanderung blieben dazu Angehörige weiterer Volksgruppen wie etwa der Sarmaten oder Hunnen im Gebiet des heutigen Deutschland zurück. Nach der Abwanderung fast aller Germanen östlich der Elbe wurden diese Gebiete von Slawen besiedelt, deren Land erst durch die Ostkolonisation deutscher Zuwanderer vom 11. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert sowie im Rahmen der Eingliederung ins Heilige Römische Reich wieder Bestandteil der deutschen Geschichte wurden.

    Aus all diesen Menschen bildete sich (mit späteren Einwanderern) das heutige deutsche Volk, das durch die Völkerwanderung und die Reichsbildung der Franken sprachlich überwiegend germanisch, jedoch durch das Erbe des Römischen Reiches und das Christentum kulturell stark romanisch geprägt wurde. Insofern ist es gerechtfertigt, seine Geschichte mit den germanischen Stämmen der Antike beginnen zu lassen.

  5. Antike

  6. Germanische Stämme um 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)

    Germanische Stämme um 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)

    Erste Erwähnung finden einige keltische und germanische Stämme bei den Griechen und Römern (v. A. Caesar und Tacitus) in der vorchristlichen Zeit. Um 500 v. Chr. war der Raum des heutigen Süddeutschland keltisch und derjenige des heutigen Norddeutschland germanisch besiedelt. Die Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte südwärts, so dass um Christi Geburt die Donau die ungefähre Siedlungsgrenze zwischen Kelten und Germanen war. Hierdurch gelangten keltische Orts- und Gewässernamen sowie keltische Lehnwörter in den germanischen Wortschatz.

    Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die römischen Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania Superior, Germania Inferior und Raetia.

    Auf die Römer gehen Städte wie Trier, Köln, Bonn, Worms und Augsburg zurück, die zu den ältesten Städten Deutschlands zählen. Die Römer führten Neuerungen in Hausbau und Handwerk ein, die zum Teil bis heute fortwirken. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Auch Siedler aus allen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, wanderten ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens liefert im Jahr 98 der römische Schreiber Tacitus.

  7. Frühmittelalter etwa 395 bis 919

  8. Nachdem viele germanische Stämme schon ab dem 1. Jahrhundert nach Süden drängten, wird seit dem Einfall der Hunnen 375 von der Völkerwanderung gesprochen, die im 5. Jahrhundert ihren Höhe-, im 6. Jahrhundert ihren Schlusspunkt fand und 476 zum Untergang Westroms führte. Viele germanische Stämme wanderten damals nach West-, Ost- und Südeuropa bis hin nach Nordafrika.

    In die nunmehr fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschland wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische Stämme ein. Fast im gesamten Raum östlich der Elbe wurde daher bis ins hohe Mittelalter slawisch gesprochen (Germania Slavica). Sprachforscher schätzen, dass etwa ein Drittel der heutigen deutschen Familiennamen slawischen Ursprungs sind. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas wurde ab dem 6. Jahrhundert vom Frankenreich eingenommen, das heutige nordwestliche Deutschland von den Sachsen beherrscht.

    Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun (843)
  9. Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun (843)

  10. Das Frankenreich Karls des Großen, für das vor allem die Merowinger die Grundlage gelegt hatten, einte das Gebiet des kontinentalen Zentraleuropa zwischen Atlantik, Ostsee und Alpensüdrand. Nach Karls Tod wurde es 843 im Vertrag von Verdun unter seinen Enkeln dreigeteilt. Das westfränkische Reich sollte die Grundlage vor allem für die Entwicklung des Königreichs Frankreich bilden. Das Ostfränkische Reich ist eng mit der Geschichte des späteren Heiligen Römischen Reiches verknüpft.

    Mit der Teilung des Frankenreichs 843 begann sein Zerfall. Der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, konnte dessen Einheit noch wahren. Als Nachfolger bestimmte er seinen ältesten Sohn Lothar I.. Dieser bekam das Mittelreich und die Kaiserwürde, Karl der Kahle den Westteil und Ludwig der Deutsche den Ostteil. Nach dem Tod der Söhne Lothars I. wird das einstige Mittelreich aufgeteilt unter Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen. Nach Ludwigs Tod 876 wird dann das ostfränkische Reich unter seinen drei Söhnen Karlmann, Ludwig dem Jüngeren und Karl dem Dicken ebenfalls aufgeteilt.

    880 wird die Grenze zum westfränkischen Reich festgelegt, die das gesamte Mittelalter beinahe unverändert das Deutsche Reich von Frankreich scheiden sollte. Der ostfränkische König Karl der Dicke konnte nach dem Tod seiner Brüder und des westfränkischen Königs das Fränkische Reich nochmals kurze Zeit vereinigen, wurde aber nach kraftloser Herrschaft im Osten von seinen Neffen Arnulf von Kärnten, einem Sohn Karlmanns, 887 verdrängt. Mit Arnulfs Sohn Ludwig dem Kind starb 911 der letzte ostfränkische Karolinger. Um ihre eigene Macht nicht zu gefährden, wählten die Herzöge den vermeintlich schwachen Frankenherzog Konrad I. zu ihrem König (911-919).

  11. Ottonen 919 bis 1024

  12. Das Heilige Römische Reich um 1000

    Das Heilige Römische Reich um 1000

    Konrad I. (911-919), der nach seiner Wahl erfolglos die karolingische Tradition bewahren wollte, folgte der Sachsenherzog Heinrich I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger oder Ottonen nach. Heinrich I. verteidigte das Reich gegen Einfälle von Ungarn und Slawen. Neben dem fränkischen Erbe trat nun immer mehr eine eigene gemeinsame Identität hervor. Zum Nachfolger bestimmte Heinrich I. seinen Sohn Otto I.. Dieser versuchte zuerst die neu entstandenen Stammesherzogtümer seiner Macht zu unterstellen, stützte sich jedoch zur Sicherung seiner Macht immer mehr auf die Kirche (Reichskirchensystem). 955 besiegte Otto die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld - dieser Sieg wird später zur Geburtsstunde der Deutschen stilisiert.[1][2] 950 wurde Böhmen und ab 963 Polen zeitweise lehnsabhängig vom römisch-deutschen Herrscher.

    Otto erweiterte sein Herrschaftsgebiet um Teile Italiens. Nach der Heirat mit Adelheid von Burgund nannte er sich eine kurze Zeit König der Langobarden. 962 erreichte Otto endgültig seine Anerkennung als König von Italien und danach die Kaiserkrönung durch den Papst. In Süditalien geriet er in Konflikt mit dem byzantinischen Kaiser. Sein Sohn Otto II. heiratete schließlich die Kaisernichte Theophanu, Süditalien verblieb jedoch bei Byzanz. Otto II. erlitt 982 gegen die Araber eine vernichtende Niederlage.
    Die Gebiete östlich der Elbe (Billunger Mark und die Nordmark) gingen im großen Slawenaufstand größtenteils für etwa 200 Jahre wieder verloren. Ottos Sohn, Otto III., starb bevor er seinen Plan, die Machtbasis nach Rom zu verlegen, verwirklichen konnte; im Kongress von Gnesen im Jahre 1000 erkannte er den polnischen Herrscher Boleslaw I. Chrobry als Mitregent im Reich an. Der letzte Ottonenkönig Heinrich II. hatte sich in mehreren Kriegen gegen Polen (König Boleslaw I. Chrobry) und Ungarn (König Stephan I.) zu behaupten. Unter ihm wurde aber das Reichskirchensystem weiter ausgebaut. Unter den Ottonen erscheint vermehrt die Bezeichnung regnum teutonicum.

  13. Salier 1024 bis 1125

  14. 1024 wählten die deutschen Fürsten den Salier Konrad II. zum König. Er erwarb 1032 das Königreich Burgund. Sein Nachfolger Heinrich III. setzte auf der Synode von Sutri drei rivalisierende Päpste ab, ernannte den Reformer Clemens II. zum Papst und ließ sich von ihm 1046 zum Kaiser krönen. Kurz darauf erließ er ein Verbot der Simonie. Während der Regierungszeit Heinrichs IV. eskalierte der so genannte Investiturstreit, in dem die Kirchenreformer dem Kaiser Simonie vorwarfen.

    Heinrich erklärte Papst Gregor VII. für abgesetzt. Nun bannte der Papst den König. Um den Kirchenbann zu lösen, unternahm Heinrich IV. den Gang nach Canossa. 1084 setzte er Papst Gregor wiederum ab und ließ sich in Rom von Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser krönen. Sein Sohn Heinrich V. verbündete sich schließlich mit den Fürsten gegen ihn und setzte ihn ab. Ein längerer Krieg wurde durch den Tod des Vaters 1106 verhindert.

    Unter Heinrich V. kam es 1122 im Wormser Konkordat zum Ausgleich mit der Kirche. Nach Heinrichs Tod wählten die Fürsten Lothar III. von Supplinburg zum König. Durch die Unterstützung der mächtigen Welfen für Lothar gegen den Staufer Friedrich wurde ein das ganze 12. Jahrhundert andauernder Streit zwischen Welfen und Staufern begründet.

  15. Quellen

  16. Wapedia
    Virtual Library Geschichte
    Lebendiges Virtuelles Museum Online - Geschichtliche Hintergründe ab dem Kaiserreich bis zur Gegenwart (Original-Dokumente, Videos und Bilder zur Verdeutlichung vorhanden)
    Index zur Deutschen Geschichte
    übersichtsseite mit Links zu Artikeln über die einzelnen Epochen der deutschen Geschichte zwischen ca. 1250 und 1989 (einzelne Artikel spärlich bebildert, aber relativ ausführlich und anschaulich strukturiert)
    historische Quellensammlung zur deutschen Geschichte seit der napoleonischen Epoche mit Gesetzes- und Verfassungstexten sowie völkerrechtlichen Verträgen
    ZDF-Geschichtsdokumentation "Die Deutschen"
    Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Nationalsozialistische Außenpolitik: der Weg in den Krieg (Informationen zur politischen Bildung, Heft 266, Druckversion
    Deutscher Bundestag: Parlaments- und verfassungsgeschichtliche Ausstellung