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Der Albigenserkreuzzug von 1209 bis 1229

  1. Erster Kreuzzug: 1096–1099, Ziel: Jerusalem
  2. Volkskreuzzug: 1096, Ziel: Jerusalem
  3. Deutscher Kreuzzug von 1096, Ziel: eigentlich Jerusalem
  4. Kreuzzug von 1101: Ziel: Jerusalem
  5. Kreuzzug Sigurds von Norwegen: 1108–1111, Ziel: Jerusalem/Sidon
  6. Zweiter Kreuzzug: 1147–1149, Ziel: eigentlich Edessa, letztlich Damaskus
  7. Wendenkreuzzug: 1147, Ziel: Germania Slavica
  8. Dritter Kreuzzug: 1189–1192, Ziel: Jerusalem
  9. Kreuzzug Heinrichs VI.: 1197–1198, Ziel: Jerusalem
  10. Vierter Kreuzzug: 1202–1204, Ziel: eigentlich Ägypten/Jerusalem, letztlich Konstantinopel
  11. Kinderkreuzzug: 1212, Ziel: Jerusalem
  12. Albigenserkreuzzug: 1209–1229, Ziel: Okzitanien
  13. Fünfter Kreuzzug:
    1. Kreuzzug von Damiette: 1217–1221, Ziel: eigentlich Jerusalem, letztlich Ägypten
    2. Kreuzzug Friedrichs II.: 1228–1229, Ziel: Jerusalem
    3. Kreuzzug Theobalds IV. von Champagne: 1239–1240, Ziel: Askalon/Damaskus
    4. Kreuzzug Richards von Cornwall: 1240–1241, Ziel: Askalon/Jerusalem
  14. Sechster Kreuzzug: 1248–1254, Ziel: Ägypten/Jerusalem
  15. Hirtenkreuzzug von 1251: Ziel: eigentlich Ägypten
  16. Siebter Kreuzzug: 1270, Ziel: Tunis/Jerusalem
  17. Kreuzzug des Prinzen Eduard: 1270-1272, Ziel: Akkon/Jerusalem
  18. Aragonesischer Kreuzzug: 1284–1285, Ziel: Girona
  19. Hirtenkreuzzug von 1320: Ziel: eigentlich Andalusien
  20. Kreuzzug gegen Alexandria: 1365, Ziel: Ägypten
  21. Kreuzzug gegen Mahdia: 1390, Ziel: Eindämmung der Piraterie
  22. Kreuzzug von Nikopolis: 1396, Ziel: Eindämmung des osmanischen Vordringens in Europa

Der Albigenserkreuzzug von 1209 bis 1229

Inhaltsverzeichnis


  1. Ursachen des Albigenserkreuzzuges
  2. Verlauf des Albigenserkreuzzuges
  3. Folgen des Albigenserkreuzzuges

Albigenserkreuzzug

Der Albigenserkreuzzug (1209-1229) war Teil der kirchlichen Bekämpfung der Katharer und zudem der erfolgreiche Versuch der französischen Krone, ihre Macht im südlichen Teil des Königreiches durchzusetzen. Weil die katharische Glaubenslehre vor allem in der Gegend der Stadt Albi verbreitet war, wurde diese Gemeinschaft auch als Albigenser bezeichnet.


  1. Ursachen des Albigenserkreuzzuges

  2. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts unterschied sich der französische Süden kulturell und mit dem Okzitanischen sogar sprachlich deutlich vom Norden. Zudem war das Herrschaftsgebiet der Grafen von Toulouse, das neben der Grafschaft Toulouse auch Languedoc umfasste, trotz der Lehnshoheit des französischen Königs nahezu unabhängig.
    Die kulturelle und politische Abgrenzung vom Norden wurde zusätzlich durch religise Faktoren verstärkt. Im 12. Jahrhundert hatte sich in Südfrankreich die radikaldualistische Armutsbewegung der Albigenser stark verbreitet, der sich auch große Teile des dortigen Adels anschlossen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gab es bereits vier Bistümer der Albigenser in Südfrankreich.
    Da die Albigenser das Papsttum in seiner existierenden Form strikt ablehnten, kam es schnell zu ihrer Bekämpfung durch die katholische Kirche. Auch die französischen Könige waren in Folge der allgemeinen Erweiterung ihres Machtbereiches innerhalb Frankreichs, die sich auch gegen die englischen Lehen in Westfrankreich richtete, stark an einem Vorgehen gegen die de facto selbständigen Grafen von Toulouse interessiert.


  3. Verlauf des Albigenserkreuzzuges

  4. Papst Innozenz III. organisierte und leitete die Bekämpfung der Katharer. Er forderte den französischen König Philipp II. auf, gegen jene Adligen vorzugehen, die den Katharismus in ihren Gebieten duldeten. Der König war jedoch in den Krieg gegen das Heilige Rmische Reich verstrickt und fand keine Zeit. Daraufhin wandte sich Innozenz direkt an den Grafen Raimund VI. von Toulouse, der Kooperation verweigerte und dafür exkommuniziert wurde. Als auch noch der päpstliche Legat Peter von Castelnau umgebracht wurde, beschuldigte der Papst Raimund als Mittäter und rief zu einem Kreuzzug gegen Languedoc auf; er versprach jedem siegreichen Beteiligten Anteil am Land der Häretiker.
    Als sich 1209 zehntausend Kreuzritter in Lyon sammelten, erkannte Raimund die Ernsthaftigkeit der Situation und stimmte letztlich doch einem Vorgehen gegen die Katharer zu. Der Bann wurde aufgehoben, und Raimund sandte Truppen zur Unterstützung der Kreuzritter. Das erste Ziel der Kreuzritter war Béziers, das am 22. Juli 1209 eingenommen wurde.
    Die gesamte Bevlkerung, etwa 20.000, wurde gettet. Der päpstliche Gesandte Abt Arnaud-Amaury soll den Kreuzrittern den Befehl gegeben haben: Caedite eos! Novit enim Dominus qui sunt eius ("Ttet sie alle! Denn Gott kennt die Seinen"). In Béziers starben Katharer wie Katholiken, Männer, Frauen und Kinder wurden gleichermaßen umgebracht, selbst wenn sie in Kirchen Schutz gesucht hatten. Die Nachricht von dem Massaker ging schnell um und verbreitete Panik und Angst. Das nächste Ziel war Carcassonne, wo die Kreuzritter am 1. August 1209 eintrafen.
    Die Stadt war mit Flüchtlingen überfüllt und bot ihre Kapitulation an. Als die Kreuzritter die Stadt eroberten, waren fast alle Einwohner durch unterirdische Gänge in die umliegenden Wälder geflohen. Von den verbleibenden 500 Einwohnern - Greise, Kranke, Kinder - durften hundert die Stadt nackt, nur mit ihren Sünden beladen, verlassen, die anderen 400 wurden verbrannt oder gehängt. Hiernach ergaben sich in kurzer Folge mehrere Städte der Region, und Albi, Castelnaudary, Castres, Fanjeaux, Limoux, Lombers und Montréal fielen an die päpstlichen Truppen.
    Die Städte, die noch Widerstand leisteten, wurden hiernach angegriffen. 1210 ergab sich nach langer Belagerung die Stadt Minerve. Die katharischen Einwohner wurden konvertiert oder, wenn sie sich weigerten, verbrannt. Als auch Termes im Dezember fiel, gab es fast keine revoltierenden Städte mehr. Durch ihr brutales Vorgehen hatten die Kreuzritter viele der ansässigen Adligen verärgert. Raimund von Toulouse hatte seine Zusammenarbeit mit den Päpstlichen aufgekündigt und war erneut exkommuniziert worden. In seinem Gefolge rebellierten viele der bereits eroberten Städte.
    Ab 1211 konzentrierte sich der Kreuzzug auf Kämpfe zwischen den Kreuzrittern und den Männern Raimunds. Im Jahre 1213 schlug Simon von Montfort Raimund und seinen Schwager Peter II. von Aragon bei Muret. Raimund musste 1214 nach England fliehen. Seine Ländereien wurden vom Papst an König Philipp II. übergeben.
    Im Jahr 1216 starb Innozenz III. Im gleichen Jahr kehrte Raimund nach Toulouse zurück. Die Kämpfe wurden nun zu einem Krieg zwischen Raimund und den königlichen Truppen, und religise Fragen spielten darin eine untergeordnete Rolle. Erst im Jahr 1226 rief Ludwig VIII., inzwischen französischer König, nach zehn Jahren erfolgloser Kämpfe zu einem neuen großen Kriegszug auf, der binnen drei Jahren zur Eroberung der Grafschaft Toulouse führte. Der Albigenserkreuzzug war damit beendet, und Raimunds Sohn (der ebenfalls Raimund hieß und 1222 seinen verstorbenen Vater abgelst hatte) wurde gefangen genommen, ausgepeitscht und inhaftiert.
    Papst Gregor IX. übernahm die Verfolgung der Katharer. Die eigens zu diesem Zweck gegründete Inquisition erhielt beinahe uneingeschränkte Macht in Languedoc, und über Jahre wurden Katharer und deren vermeintliche Unterstützer gesucht, verurteilt und verbrannt. Selbst begrabene Tote sollen exhumiert und verbrannt worden sein. In der Region kam es hierauf immer wieder zu Rebellionen und Aufständen, die erst 1255 vollständig niedergeschlagen werden sollten. Im Jahr 1321 wurde letztmals ein Katharer (Guillaume Belibaste) auf dem Scheiterhaufen verbrannt.


  5. Folgen des Albigenserkreuzzuges

  6. Der Kreuzzug gegen die Albigenser leitete unter religisen Vorwänden die unmittelbare Herrschaft der französischen Krone über Südfrankreich ein. Im Jahre 1271 fiel die Grafschaft Toulouse unter die direkte Herrschaft des französischen Königs, behielt aber bis 1779 einige Sonderrechte. Durch den Kreuzzug wurde eine kulturelle und politische Abspaltung des Südens verhindert, auch wenn der Gegensatz von Nord und Süd das heutige Frankreich noch in gewissem Maße prägt.